The Fantastic Forsters: Vier formidable Weine vom Jahrgang 2015

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Weine Weingut Forster Rümmelsheim an der Nahe


19|06|2016   Holla die Riesling-Fee, da traut sich aber einer was! Neun (9!) Gramm pro Liter Säure in einem trockenen Riesling mit 7 Gramm Restzucker, das ist schon eine Ansage. Umgekehrt wär’s gewöhnlich gewesen, 9 Gramm Zucker zu 7 Gramm Säure. Aber so rum? Dem Gros der Winzer tritt schon eine Angstschweiß-Perlage auf die Stirn, wenn sich die Säure bei einem trockenen Riesling der 8 Gramm Marke nähert. Und hier, hier haut ein Weinbauer gleich 9 Gramm Säure raus - und zwar einem Gutswein, also dem Einstiegswein, dem Brot- und Butterriesling des Hauses! Wer’s getan hat? Winzerfamilie Forster aus Rümmelsheim an der Nahe.


Jahrgang 2015 - Weingut Forster: Klasse Weine - klasse Preise

Bei der jüngsten Jahrgangspräsentation des von Margit und Georg Forster zusammen mit ihrem Sohn Johannes betriebenen Bioweingutes an der unteren Nahe hatte ich Gelegenheit, den besagten 2015er Riesling trocken zu probieren - und zwar ohne vorab die Analysewerte gelesen zu haben. Und was muss ich sagen: der Gutsriesling ist richtig, richtig gut. Ein rundherum ausgewogener, schmackhafter und stimmiger Riesling, der mir sofort gefiel, weil er nicht mit plakativen Primärfrucht-Aromen blendet, sondern eine wunderbare Kräuteraromatik entfaltet, die in dieser Tiefgründigkeit für einen Gutswein außergewöhnlich ist. Hinzu gesellen sich am Gaumen feine Zitrusnoten und ein Duft von nassen Kieselsteinen. Als ich dann auf den „Beipackzettel“ schaute, konnte ich es nicht glauben. In diesem Kerl stecken 9 (!) Gramm Säure. Unfassbar! Die Säure ist perfekt in den gut proportionierten Körper des Weins eingebunden, (12 Vol. % Alkohol) und verleiht diesem eine feine Rasse, ohne einen Deut vorzuschmecken oder spitz zu wirken. Klasse! Und von mir gibt’s gleich noch ein zweites „Klasse“ hinterher, denn auch der Blick auf den Preis lässt frohlocken. Der Gutsriesling ist mit 6,50 Euro die Spitzflasche gelistet - ein mehr als fairer Preis für einen Wein dieser Güte - zumal aus biologischem Anbau.


Ich und halbtrocken - ach komm, niemals, ja, doch! 

Ein bemerkenswerter Einstieg in die Jahrgangsprobe bei Winzerfamilie Forster, aber nicht die letzte Überraschung an diesem späten Nachmittag. Nur einen Wein auf dem Probiertisch weiter wartete das nächste Aha-Erlebnis auf mich - und das hätte ich aus eigenem Verschulden fast verpasst. Dort stand nämlich die halbtrockene Ausbauvariante des Gutsrieslings, und halbtrocken, nun ja, trinke ich sehr, sehr selten. „Den überspringen wir wohl“, machte sich meine Frau schon auf dem Weg zum übernächsten Wein. „Äh, ja, denke schon. Oder warte, nein, vielleicht doch nicht, oder doch . . .“, raunte ich grüblerisch vor mich hin. Und dann passierte es, wahrscheinlich angestoßen durch den Überschwang, den die Probe des trockenen Gutsweins in mir ausgelöst hatte. Ich griff mir den halbtrockenen Wein, schenkte ein, trank . . . und kippte aus den Latschen. „What the hell . . .“ entfuhr es mir. BÄMM! Auch der halbtrockene Stoff der Forsters ist phänomenal gut.

Riesling halbtrocken Weingut Forster


Der mit 13,3 Gramm Restzucker und 9,2 Gramm Säure ausgestattete Riesling schmeckt ungemein stoffig und dicht ohne jedwede Spur einer süßlichen Behäbigkeit. Hätte ich blind schätzen müssen, ich hätte den Wein bei neun, höchstens zehn Gramm Restzucker einsortiert. Die Kräuterwürzigkeit ist hier noch ausgeprägter und komplexer als beim trockenen Riesling, der Wein (12 Vol. % Alkohol) besitzt einen feinen Schmelz und hat zugleich durch sein stabiles, goldschimmerndes Säure-Rückgrat einen sehr schönen Trinkzug. Klasse - ja, im Prinzip doppelt Klasse, denn dass mich ein halbtrockener Riesling so aus den Schlappen hauen kann, hätte ich bis dahin vehement abgestritten. Und damit nicht genug: ein drittes „Klasse“ gibt's noch hinterher, denn auch dieser Wein ist mit nur 6,50 Euro die Spitzflasche gelistet und damit ein echter Preis-Leistungschampion. 


Vom Kies und vom roten Sandstein: Erdenweine mit massig Grip 

Als Preis-Leistungshammer geht locker auch der dritte Wein durch, den ich besonders empfehlen möchte: der Riesling vom Kies 2015. Zusammen mit dem Riesling vom roten Sandstein gehört der „Vom Kies“ zu den weißen Erdenweinen der Forsters, die ihr Sortiment in die aufsteigenden Kategorien Naheweine, Erdenweine und Lagenweine einteilen. Die weißen und roten Erdenweine schickt Winzerfamilie Forster ins Rennen, um die unterschiedlicher Böden, in denen die Reben wurzeln, zum Klingen zu bringen. Das gelingt mit dem Erdenwein-Duo des Jahrgangs 2015 Riesling vom Kies und Riesling vom roten Schiefer in bester Manier. Während der „Vom Kies“ die würzigen Noten das Spektrum der Aromen dominieren, stehen beim „Vom roten Schiefer“ die Düfte von gelben Früchten im Vordergrund. Beide Weine (12,5 Vol. % Alkohol) sind im Vergleich zum oben beschriebenen Einstiegsriesling noch körperreicher, dichter und komplexer. Im „Vom roten Schiefer“ wird die Gelbfruchtaromatik (Pfirsich, Limone, Kumquat) von einer prononcierten Säure (9,6 Gramm bei 7,7 Gramm Restzucker) aufgepeitscht, die Geschmacksamplituden gehen steil und sind eine wahre Freude. Ein bemerkenswerter Wein, der durch seine vibrierende Säure, die durch Extrakt und Tiefe kultiviert wird, locker in der Kategorie Spitzenklasse mitspielt. Trotzdem ist der „Vom Kies“ mit leichtem Vorsprung mein Favorit. Warum? 

Riesling vom Kies Weingut Forster Nahe
Erdenwein: Riesling vom Kies aus dem Weingut Forster.

Die prononcierte Kräuterwürze, die diesem Wein mit 8,9 Gramm Säure und 5,8 Gramm Restzucker eigen ist, macht ihn zu einem echten Charakterkopf im Gros der „Gelbfrucht-Bomber“. Verwoben in diese hammermäßige Würze sind zarte Ziturs und Pfirsicharomen, Anklänge von weißer Schokolade und große Fußabdrücke einer salzigen Mineralität – alles in allem ein klasse Stoff, dessen wahre Größe in voller Entfaltung wohl erst nach einiger Zeit der Flaschenreife zu Tage treten wird. Übrigens: Was der Riesling vom Kies auf dem Kasten hat, bewies er schon im Vorgängerjahrgang: Beim Wettwerb „Internationaler Bioweinpreis 2015“ spendierte ihm die Jury satte 99 von 100 möglichen Punkten - kein anderer Weißwein erhielt bei diesem internationalen Biowein-Wettbewerb eine derart höhe Bewertung.
Ich bin auf alle Fälle schon jetzt ein großer Fan der beiden Erdenwein-Rieslinge - speziell des „Vom Kies“ - und beiden muss ich zu guter Letzt ein Extralob ob der Preisgestaltung aussprechen. Bei gehen für 9 Euro über die Weingutstheke, was angesichts der Qualität ein nahezu lächerlicher Preis ist – da würden andere Weingüter locker den doppelten Preis oder mehr ausrufen. 


Weißburgunder mit Ohrwurm-Qualität

Genug gelobt? Fast. Denn in der Jahrgangsprobe verborgen hat sich noch ein „Hidden Champion“, der sich zunächst gar nicht so in den Vordergrund gespielt hatte. Wie die Melodie eines neben aufgeschnappten Songs, die sich unbewusst ins Gedächtnis eingräbt und zu einem echten Ohrwurm entwickelt, hat sich der Weißburgunder trocken 2015 (Kategorie Nahewein) des Weingutes Forster in mein Gehirn eingegraben. Der Burgunder stand fast ganz vorne auf dem Präsentationstisch (davor nur der Rivaner) und war der erste Wein, den ich bei der Jahrgangsvorstellung probierte. Ok, dachte ich so bei mir, soweit so gut. Ein ordentlicher Geselle - wenngleich im Vergleich gar nicht so rebsortentypisch. Bei Weißburgundern gleicher Kategorie springen einem aus dem Glas Birne, Quitte und nussige Noten an - nicht so hier: Die Nase ist momentan eher verhalten und rauchig statt fruchtig, am Gaumen tritt die Birnen-Aromatik in die zweite Reihe und überlässt einen Aromenspiel von Aprikose und Zitrone, weißer Johannisbeere und Stachelbeere das Feld. 

Weißburgunder trocken Weingut Forster


Hm, ok! Notiert und wieder vergessen. Zunächst, denn schlug der Ohrwurmeffekt zu. „Man, der Weißburgunder, der war schon speziell, tata, tata, der hatte schon was, dideldideldum, so was Besonderes, Eigenwilliges, dumdidum, den will ich noch mal probieren, den kaufe ich mir noch nach, trallatrallala . . .“. Hab' ich gemacht -und nicht bereut. Der Wein hat was! Unbedingt! Aromatisch kein typischer Weißburgunder, schon speziell, viel Riesling-Touch, aber gerade deswegen bleibt er im Gedächtnis haften und will wiederholt probiert werden – zumal er für schlappe 6,50 Euro extrem viel ausgefallenen Wein für wenig Geld bietet. Also: Mein abschließender Tipp für aufgeschlossene Weintrinker: Probiert den 2015er Weißburgunder trocken (12,5 Vol % Alk, 3,9 g Restzucker, 6,5 g Säure) aus dem Weingut Forster!


Service & Bezugsquellen

Du möchtest Die Weine von Winzerfamilie Forster kennen lernen? Die Weine gibt es direkt im Weingut oder über den Online-Handel zum Beispiel hier*.


Randnotiz

Georg und Margit Forster bewirtschaften ihr Weingut, das dem Ecovin Verband angehört, bereits seit rund zwei Jahrzehnten nach ökologischen Kriterien. Fortgeführt wird der ökologische Ansatz von Sohn Johannes Forster. Insgesamt bewirtschaftet die Winzerfamilie an der unteren Nahe rund 20 Hektar Rebfläche in Rümmelsheim, Burg Layen, Dorsheim und Laubenheim. Zwei Drittel der Fläche ist mit weißen Rebsorten bestockt, ein Drittel mit roten Rebsorten, vor allem Spät- und Frühburgunder, Dornfelder und Schwarzriesling.





Fotos: Moderne Topfologie
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