Slow Food Genussführer 2017/18: Heimatküche gut und günstig

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Der Slow Food Genussführer

15|10|2016   Entgegen aller Diät-Trends ist er ganz schön dick geworden, der neue Slow Food Genussführer 2017/18*. Insgesamt 608 Seite bringt die vor kurzem im Oekom Verlag erschienene dritte Auflage des "etwas anderen Gastronomieführers" auf die Waage, knapp über 500 Restaurants, Wirtshäuser, Fischkaten und Weinstuben werden vorgestellt, darunter 156 neue Adressen.


Slow Food Genussführer: Runderneuert und mit vielen Extras

"Das Herz der kulinarischen Identität Deutschlands liegt in den regionaltypischen Gasthäusern", sagt Slow Food-Gründer Carlo Petrini. Dieser Maxime bleibt der kulinarischen Kompass von Slow Food Deutschland auch in seiner neuen Doppelausgabe 2017/2018 treu. Während sich Gastronomie-Führer wie Gault Millau und Michelin der Spitzengastronomie widmen, setzt der Slow Food Führer seine Akzente anders und bleibt dadurch der "etwas andere Wirtshausführer". Neben feinen Restaurants finden hier auch einfache Gasthäuser und Weinstuben, Almhütten, Fischkaten und Braustübl Eingang. Und statt mit Sternen und Rankings bietet er individuellen Beschreibungen und Details aus den Speisekarten der empfohlenen Häuser.

Die Kriterien für die Auswahl sind die alten geblieben. "Wer mit frischen und saisonalen Lebensmitteln der Region kocht und auf lieblose Fertigprodukte pfeift, wer gutes Handwerk praktiziert und geschmackvoll würzt, statt Geschmacksverstärker und andere Aromabooster einzusetzen, wer sich der kulinarischen Tradition seiner Region bewusst ist und im familienfreundlichen Preissegment bleibt, der gehört in den Slow Food Genussführer", so Wieland Schnürch, Leiter des Herausgeberteams von Slow Food Deutschland. Stets im Blick haben die Tester-Teams bei der Auswahl die klassische gastronomische Trias: Zunächst muss es einmal so richtig gut schmeckten. Wer dann noch ein einladendes Ambiente bietet und einen freundlichen Service lebt, der sammelt weitere Pluspunkte für die Aufnahme in den Slow Food Genussführer.


157 Lokale neu aufgenommen, knapp über 500 Empfehlungen

Den deutschen Esserinnen und Essern scheint dieser Ansatz von Slow Food zu schmecken: Mit zusammen 35.000 verkauften Exemplaren stürmten die beiden Vorgänger-Ausgaben des etwas anderen Gastronomie-Guide die Bestenliste unter den deutschen Restaurants- und Reiseführern - ein deutliches Indiz für die Sehnsucht der Verbraucher nach einem Restaurantführer, der sich um die einfachen Lokale und die Mittelklasse kümmert. "Auch mit dieser Ausgabe sind wir mehr als nur zufrieden", blickt Wieland Schnürch positiv voraus. Erstmals führt der neue Slow Food Genussführer 2017/18 die doppelte Jahreszahl im Titel und zeigt damit die verlängerte zeitliche Reichweite und das nun zweijährige Erscheinungsintervall an. 157 Lokale wurden neu in den Genussführer aufgenommen worden, 50 wurden gestrichen. Vor allem im Norden und Osten wimmelt es vor Neueinträgen. Mit der Erweiterung des Genussführers auf nunmehr 502 Empfehlungen verschwinden viele weiße Flecken auf der Karte.

"Hier wächst eine junge Generation nach, die der regionalen Küche die oft nachgesagte Biederkeit endgültig austreibt"
Dafür gesorgt haben 68 Slow Food-Testgruppen mit mehr als 500 unabhängigen und ehrenamtlichen Testerinnen und Tester, von denen die Lokale ausgewählt wurden. "In der Regel in ihrem direkten Umfeld, das ihnen bestens vertraut ist. Das macht diesen Führer so einmalig", so Schnürch. Aufgefallen ist den Testern bei der Arbeit für den neuen Führer ein frischer Wind, der in den Gaststuben weht. Der spiegelt sich oft schon in den originellen Namen der Häuser wieder. Da debütieren in Berlin ein "Braugasthaus Doldenmädel" oder ein "Herz & Niere", und eine "Feld-Wirtschaft" bei Ulm trägt ihr Programm ebenso im Namen wie die "Speisenkammer" in Brandenburg oder das Wirtshaus "Meeresfrüchte" in Cuxhaven. Nomen est omen, das gilt auch für das "WEINreich" in der Pfalz oder "Red - die grüne Küche" in Heidelberg, für "Soul Food" in Koblenz oder die "Goldmarie" in München. "Hier wächst eine junge Generation nach, die der regionalen Küche die oft nachgesagte Biederkeit endgültig austreibt", so der Leiter des Herausgeberteams.


Nonnafürzle, Mogndratzerl und Ofenschlupfer

Neben Altbewährten gibt es im Slow Food Genussführer 2017/18* auch Neuerungen, so das "ABC der regionalen Spezialitäten". In diesem 20-seitigen Glossar werden mundartliche kulinarische Begriffe von der nordhessischen Ahlen Worscht über Mogndratzerl, Nonnafürzle, Ofenschlupfer und Pillekuchen bis hin zum fränkischen Zwetschgenbames erklärt. Erstmals bewertet der Genussführer auch die Lage unserer Grundnahrungsmittel. In der "Kleinen Warenkunde" wird ein analytischer und kritischer Blick in Backstuben und Metzgereien, in die Fischtheken, Brauereien und Weinkeller geworfen.

Der Slow Food Genussführer 2017-2018


Winterdorsch auf Rosinen-Grünkohl, ein in Apfelwein geschorter Schweinebraten oder Crème brûlée vom Gessler Goldkaffee - beim Blättern und Lesen im Slow Food Genussführer 2017/18 bekommt man schnell Appetit und es wird einem klar: es gibt sie, eine neue Regionalküche, die sich dem Erhalt und der Weiterentwicklung traditioneller Rezepturen ebenso verpflichtet fühlt wie dem schonenden und nachhaltigen Umgang mit unseren Lebensmitteln und dem fairen und transparenten Miteinander zwischen Erzeugern, Händlern, Köchen und Gästen. Also: Die Tische sind gedeckt, die Messer und Gabeln liegen in den empfohlen Gasthäusern bereit - hingehen!


Zum Schluss: Ein Blick in meine Heimatregion

Rheinland-Pfalz ist mit 25 Restaurant-Empfehlungen im Slow Food Genussführer 2017/18 vertreten - leider mit einem großen weißen Fleck in meiner Heimatregion, dem Naheland. Woran's liegt? Bestimmmt nicht daran, dass es hier keine Gasthäuser gibt, die gemäß der Slow Food-Kriterien für den Genussführer empfehenswert wären. Ich vermute wohl eher daran, dass die Nahe zwar von Convivien umgeben ist (Pfalz, Rheinhessen, Mosel-Hunsrück-Eifel), dass es hier aber keine eigenständige lokale Slow Food-Gruppe gibt, die das Naheland gastronomisch durchforsten und Empfehlungen für den Gastronomieführer aussprechen könnte. Änderung erwünscht! Sei's drum, einige der empfohlenen Häuser liegen nicht allzuweit von der Nahe entfernt - ein Abstecher ist also jederzeit möglich. Hier die zwölf im Slow Food Genussführer 2017/18 empfohlenen Häuser, die am schnellsten vom Naheland aus erreichbar sind:

Im Norden:

  • Stübers Restaurant - Bacharach
  • Landgasthof Altes Stadttor - Kastellaun
  • Schmausemühle - Gondershausen
  • Le Chopin im Bellevue-Rheinhotel - Boppard
  • Eiserener Ritter - Boppard-Weiler
  • Gasthaus zum Rebstock - Boppard-Hirzenach

Im Süden:

  • Gutsschänke Alte Brennerei - Mölsheim
  • WEINreich - Freinsheim
  • Gerümpelstube - Wachenheim
  • Hambels - Wachenheim
  • Weinstube Eymann - Gönheim
  • Turm Stüb'l - Deidesheim


Zu kaufen gibt es den Slow Food Genussführer Deutschland 2017/18 aus dem Oekom Verlag* (608 Seiten, gebunden mit Lesebändchen, Preis 24,95 Euro in Deutschland und 25,70 Euro in Österreich) unter anderem hier*. Der Genussführer ist auch als E-Book erschienen.


Randnotiz

Slow Food ist eine weltweite Bewegung, die sich für eine lebendige und nachhaltige Kultur des Essens und Trinkens einsetzt. Der Verein tritt für die biologische Vielfalt ein, fördert eine nachhaltige, umweltfreundliche Lebensmittelproduktion, betreibt Geschmacksbildung und bringt Erzeuger von handwerklich hergestellten Lebensmitteln auf Veranstaltungen zusammen. Slow Food Deutschland wurde 1992 gegründet und zählt Anfang 2016 etwa 14.000 Mitglieder in rund 85 Convivien (lokalen Gruppen). Weltweit sind mehr als 100.000 Personen in über 170 Ländern Mitglied der Slow Food Bewegung.

Quelle: Oekom Verlag und Slow Food Deutschland
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