Cappuccino aus der Harley Davidson der Kaffeemaschinen - serviert im rollenden Stehcafé

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Karl-Heinz Schau mit seinem rollenden Stehcafe auf dem Wochenmarkt in Bad Kreuznach


15|03|2017   Schon mal einen Kaffee aus der „Harley Davidson“ unter den Espressomaschinen getrunken? Noch nicht? In Bad Kreuznach an der Nahe ist das - zumindest immer dienstags - ganz einfach: Denn dann hält Karl-Heinz Schau mit seinem „rollenden Stehcafé“ auf dem Wochenmarkt. Mit an Bord des an sich schon sehenswerten blauen Oldtimers Citroen HY Baujahr 1967 hat er eine weitere Augenweide: eine Faema E61, die bei Baristas und Kaffeekennern als „Harley Davidson“ der Espressoautomaten gilt.


Das „rollende Stehcafé“ - immer dienstags auf dem Wochenmarkt

Mit einem guten und heißen Espresso oder Cappuccino den Tag beginnen? Nichts leichter als das! Auf dem Weg zur Arbeit trinken etliche Stammbesucher jeden Dienstag auf dem Wochenmarkt in Bad Kreuznach ihren ersten Kaffee bei Karl-Heinz Schau. Der hatte kürzlich gleich dreifachen Grund zum Feiern: Nicht nur er wurde 50 Jahre alt, sondern auch sein „rollendes Stehcafé“, der blauer Oldtimer Citroen HY, und die „Harley Davidson unter den Kaffeemaschinen", seine heißgeliebte Faema E61. Das 1961 erstmals aufgelegte Schmuckstück des italienischen Produzent Faema gilt als weltweit erste halbautomatische Espressomaschine und beinhaltet in ihrem mehrere Kilo schweren Metallkörper einige bahnbrechende Neuerungen in die Espressomaschinentechnik, die bis heute im Gastronomiebereich Anwendung finden (mehr dazu siehe Randnotiz unten).

Streetfood Stehcafe im Oldtimer Citroen HY Baujahr 1967


Mit seinem rollenden Stehcafé wagte Karl-Heinz Schau 2014 nach sechs Jahren Arbeitslosigkeit den Sprung in die Selbständigkeit. Seine erste Idee, eine Suppenküche, scheiterte trotz des erfolgreichen Probekochens („Meine Frikadellen schmecken 1a.“) an den Investitionskosten. Doch der gelernte Bauzeichner hatte noch eine Idee in petto: Mit finanzieller Unterstützung seiner Mutter kaufte er sich den Citroen HY und baute dort eine kleine Küche und einen Wassertank ein. Blubberndes und zischendes Herzstück ist indes die Kaffeemaschine Faema E61 Baujahr 1967. In das Prunkstück hinein füllt der 50-Jährige nur das Kaffeemehl ausgesuchter Bohnen. Den Kaffee bezieht er aus der Speicherstadt Kaffeerösterei in Hamburg, den „besten, den ich selbst getestet habe“, so Schau.

Karl-Heinz Schau in seinem seinem rollenden Stehcafe mit der Faema E61
Der rollende Barista Karl-Heinz Schau neben seiner Faema E61.

Marktpremiere hatte Karl-Heinz Schau in Rüsselsheim. Zu finden ist der zum Stehcafé umgebaute Oldtimer zudem auf Nebenmärkten in Mainz. Auf dem Bad Kreuznacher Wochenmarkt steht Schau seit zwei Jahren, und zwar immer dienstags. „Ich bekam am Anfang auch den Freitag angeboten, doch damals stand ich freitags immer noch in Kelsterbach“, bereut er, dass er damals nicht zugegriffen und sich auch den besser besuchten zweiten Markttag in Bad Kreuznach gesichert hat. Denn - das steht für den Mainzer fest - Bad Kreuznach ist sein „Lieblingsmarkt“. „Hier ist eine sehr entspannte Atmosphäre. Und die Menschen sind freundlich“.

Streetfood Stehcafe im Oldtimer Citroen HY Jahrgang 1967
Zum Café umgebaut: der blaue Citroen HY Baujahr 1967.

Schwarze Zahlen schreibt Karl-Heinz Schau mit seinem kleinen Unternehmen noch nicht. Deshalb hat er auch noch eine Nebenbeschäftigung: er räumt im Supermarkt Regale ein. Vielleicht nicht für immer, denn der 50-Jährige hofft, über kurz oder lang einen Freitags-Platz auf dem Bad Kreuznacher Wochenmarkt zu bekommen. Das dann zusätzlich zu erwirtschaftende Geld würde er zum Teil gleich wieder in seine beiden Oldtimer Citroen HY Faema E61 stecken, denn fast alle Reparaturen am Wagen und an der Kaffeemaschine erledigt Karl-Heinz Schau eigenhändig. „Deshalb stehen ein Schweißgerät und ein hochwertiger Werkzeugwagen weit oben auf meiner Wunschliste“, erzählt der rollende Barista aus Mainz.


Randnotiz

Faema Maschinen zeichnen sich vor allem durch die legendäre Faema E61 Brühgruppe aus. Das Modell E61 des italienischen Produzenten ist die erste halbautomatische Espressomaschine weltweit und beinhaltet mehrere bahnbrechende Neuerungen der Espressomaschinentechnik, die im Gastronomiebereich bis heute verwendet werden. Der Name E61 steht für Eclisse 1961 und rührt von der Sonnenfinsternis desselben Jahres her.

Hervorstechendes technisches Merkmal: Das Wasser wird frisch aus einem vorgeschaltenen Entkalker gezogen und nicht mehr direkt aus dem Kessel: die Zweikreismaschine mit Wärmetauscher war erfunden. Die Brühgruppe liegt außen und besteht aus Chrom. Die bedeutendste Veränderung war, dass der bis dahin übliche Handhebel ersetzt wurde und dadurch auch die Arbeitsgeschwindigkeit gesteigert wurde, was auch zur stärkeren weltweiten Verbreitung der Espressomaschinen beitrug.


Service & Bezugsquellen

Karl-Heinz Schau nutzt in seinem „rollenden Stehcafé“ Kaffee aus der Hamburger Kaffeerösterei Speicherstadt. Den bekommst Du unter anderem hier*.

Text & Personenfoto: Hansjörg Rehbein
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