Auszeichnung für den „Mister Stollen“ von Hunsrück und Nahe

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28|07|2015   Es gibt sie noch, die Handwerksbäckereien, die nicht nur auf die Qualität ihrer nach alter Handwerkskunst hergestellten Backwaren Wert legen, sondern auch auf die Weitergabe ihres Wissens und ihrer Fertigkeiten an die nächste Bäckergeneration. Elf solcher Bäckereien sind jüngst mit dem Landesehrenpreis für Backwaren und Betriebsführung ausgezeichnet worden, darunter aus meiner Heimatregion auch der Betrieb von Bäckermeister Alfred Wenz aus Bundenbach (Nahe / Hunsrück-Region) nördlich von Kirn.


Handwerksbäckereien mit Landesehrenpreis ausgezeichnet 

Wirtschaftsministerin Eveline Lemke übergab die Ehrenurkunden jüngst in Staatskanzlei in Mainz an insgesamt elf Bäckereien (Liste siehe unten). „Die ausgezeichneten Bäckereien zeichnen sich nicht nur durch eine besondere Qualität ihrer Backwaren aus, sondern auch durch faire Löhne, den Einsatz von Fachkräften und die Einstellung von Auszubildenden“, lobte die Ministerin. Hinzu komme, dass diese Traditionsbäckereien gerade in ländlichen Regionen oft auch ein sozialer Treffpunkt seien. Dies alles habe einen Preis verdient.

Bäckermeister Alfred Wenz und Ministerin Eveline Lemke. #Nahe #Bäcker #Bundenbach #MoToLogie #Stollen
Ministerin Eveline Lemke und Bäckermeister Alfred Wenz.

Jeder deutsche Haushalt verzehrt jährlich rund 59 Kilogramm Brot und Backwaren. Aber: Die Zahl der Betriebe, die Brötchen und Kuchen backen, geht zurück. Immer mehr Betriebe verschwinden vom Markt. Im Jahr 1954 gab es in der damaligen Bundesrepublik noch rund 55000 Bäckereibetriebe, aktuell sind es nur noch 12500 (mit rund 30000 Filialen). Den Wettbewerb bekommen vor allem kleine Familienbäckereien zu spüren, denn bei diesen macht sich die harte Konkurrenz zur industriellen Produktion, die mehr und mehr günstige Aufback-Brötchen und -Brote auf den Markt wirft, besonders bemerkbar. „Mit dem Landesehrenpreis möchten wir die Qualität des Brotes auszeichnen, aber auch und ganz besonders die Wertschätzung gegenüber diesem Handwerksberuf ausdrücken!“, betonte Ministerin Lemke.


Alfred Wenz: ein Back-Verrückter und Stollen-Tüftler

Alfred Wenz aus Bundenbach erhielt nach 2013 den Landesehrenpreis des Bäckerhandwerks bereits zum zweiten Mal. Der engagierte Bäckermeister macht sich für sein Handwerk auch im Ehrenamt verdient: Er ist unter anderem Obermeister der Bäcker-Innung Rhein-Nahe-Hunsrück und Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Rhein-Nahe-Hunsrück. „An die Qualität unserer Backwaren stelle ich höchste Ansprüche. Deshalb sind unsere Backwaren weitgehend frei von Zusatzstoffen und Backmitteln und komplett ohne künstliche Aroma- und Farbstoffe“, hebt der umtriebige Handwerksmeister, für den Backen eine Leidenschaft ist, hervor. Die verwendeten Rohstoffe stammen, wo dies möglich ist, von regionalen Erzeugungen, die Brote werden ausschließlich mit den von Wenz selbst herangezogenen Sauerteigen gebacken.

Einen Ruf in der Region erarbeitete sich der 60-Jährige unter anderem durch seine Stollen, die in vielfältigen Variationen seit Jahren fester Bestandteil seiner vorweihnachtlichen Produktpalette sind. Zu der gehören unter anderem sein Bundenbacher Meisterstollen, der Kirner Landbierstollen, ein Gewürztraminer-Stollen, Kokos- und Nougatstollen oder der mit Nahewein veredelten „Stollen der Weinkönigin“, den Wenz eigens für die Deutsche Weinkönigin 2013/2014 Nadine Poss aus Windesheim an der Nahe kreierte. Wen wundert es also, dass auch das SWR Fernsehen dem Christstollen-Tüftler aus Bundenbach, der zudem Mitglied im deutschen Stollen-Expertenrat ist, bereits einen TV-Beitrag widmete.

 

Das Können von Wenz hat sich in der Region weit herumgesprochen. Als Sternekoch Johann Lafer Ende 2014 im ZDF „Deutschlands besten Bäcker“ suchen, ging der Chef der Jury erst einmal - zumindest fürs Fernsehen - bei Bäcker Wenz in die Lehre: Für den Auftakt zur Serie zeigte ihm der Bundenbacher Bäckermeister in der Backstube, wie man duftige Hörnchen, knusprige Brötchen und leckeren Blätterteig macht. Lafer legte selbst mit Hand an beim Falten vom Blätterteig, Formen von Butterhörnchen und Füllen von süßen Teilchen und bediente anschließend auch einige Kunden am Back-Mobil von Alfred Wenz, das dieser einsetzt, um seine frischen Backwaren auch in die kleineren Dörfer seiner Heimat zu bringen. Aber auch wer - wie ich - an der unteren Nahe wohnt, braucht auf die Wenz’schen Backwaren nicht zu verzichten. Neben dem Stammbetrieb in Bundenbach hat der Bäckermeister auch eine Filiale in der Mannheimer Straße 218a in Bad Kreuznach. Alle, die noch weiter entfernt wohnen, können zumindest die Stollenkünste von Alfred Wenz testen: Die vielen verschiedenen Stollen verkauft die Meisterbäckerei auch über einen Online-Stollen-Shop.

Die Deutsche Weinkönigin 2013-2014 Nadine Poss aus Windesheim an der Nahe und Bäckermeister Alfred Wenz mit dem Stollen der Weinkönigin. #Nahe #Bäcker #Bundenbach #MoToLogie #Stollen
Die Deutsche Weinkönigin 2013-2014 Nadine Poss aus Windesheim und Bäckermeister Alfred Wenz präsentieren den "Stollen der Weinkönigin".  Archivfoto


Ausgezeichnete Bäckereien

Der Landesehrenpreis wurde 2015 zum dritten Mal verliehen und wird vom Wirtschaftsministerium Rheinland-Pfalz zusammen mit den zwei für Rheinland-Pfalz zuständigen Bäckerverbänden, dem Verband des Rheinischen Bäckerhandwerks und dem Bäcker-Innungs-Verband Südwest, vergeben. Die 2015 mit dem Landespreis ausgezeichneten Bäckereien sind:

  • Bäckerei Wenz, Bundenbach (Landkreis Birkenfeld)
  • Landbäckerei Diehl, Jugenheim (Landkreis Mainz-Bingen)
  • Bäckerei Konditorei Roth, Haßloch (Landkreis Bad Dürkheim)
  • Bäckerei Konditorei Scheubeck, Worms (Kreisfreie Stadt Worms)
  • Bäckerei De’Bäcker, Edenkoben (Landkreis Südliche Weinstraße)
  • Bäckerei Weißenmayer, Schifferstadt (Landkreis Rhein-Pfalz-Kreis)
  • Bäckerei Görtz, Ludwigshafen (Kreisfreie Stadt Ludwigshafen)
  • Backparadies Kissel, Reichenbach-Steegen (Landkreis Kaiserslautern)
  • Bäckerei Müller, Kaiserslautern (Kreisfreie Stadt Kaiserslautern)
  • Bäckerei Hardt, Neumagen-Dhron (Landkreis Bernkastel-Wittlich)
  • Bäckerei, Remy, Siershahn (Landkreis Westerwaldkreis) 


      ZWISCHENRUF

Liebe Bäcker: „Weiter so!“ - das geht so nicht weiter!


Der Markt für handwerkliche Bäckereien und Konditoreien hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Das bedeutet Risiken, eröffnet aber auch neue Chancen. Nur die Bäckerei wird erfolgreich bleiben oder werden, die für ihre Kunden der beste Anbieter ist. "Daran gilt es jeden Tag zu arbeiten. Deshalb: Vorsicht vor dem Weiter so!", lautete ein Fazit des "Workshops Zukunft" für Beschäftigte aus dem Bäckerhandwerk, der im Juni von der Handwerkskammer Koblenz veranstaltet wurde. „Die Zeiten zu beklagen ist nicht gut. Verändern auch Sie sich! Bekämpfen Sie den inneren Schweinehund und ihr 'Das haben wir doch immer so gemacht'-Einstellung. Suchen Sie die Lücke, das Besondere!“, forderte Bernd Kütscher, Direktor der Akademie des Deutschen Bäckerhandwerks in Weinheim, die Bäcker auf. Er riet ihnen, sich Wettbewerben zu stellen und den permanenten Vergleich mit Mitbewerbern zu suchen. „Seien Sie anders als alle anderen!" Denn wer das Gleiche biete, sei austauschbar. Der Direktors der Akademie des Deutschen Bäckerhandwerks gab den Bäckern folgende "Erfolgsbausteine" mit auf den Weg.


Sechs Erfolgsbausteine für Bäcker

  1. Im Angebot das Besondere, die "Lücke" suchen, um sich von Mitbewerbern abzuheben.
  2. Für die Frische der Produkte und Abwechslung im Angebot sorgen („Der Kunde erwartet nicht täglich frisch, sondern immer frisch!").
  3. Beachten, dass 76 Prozent der Haushalte in Deutschland Kleinhaushalte sind. "Für die ist selbst ein 500 Gramm Brot zu groß."
  4. Die Bäckereikunden emotional anzusprechen, also "Gefühle und Geschichten verkaufen statt nur Produkte".
  5. Das authentische Backen für Kunden erlebbar machen, also beispielsweise freiwillig Zutaten deklarieren und deutlich auf den Verzicht von Backhilfsmitteln hinweisen.
  6. Die Leistungen einer Bäckerei auf vielen Wegen kommunizieren ("Pflicht: eine informative Internetseite"), so zum Beispiel auch über Social Media Portale.


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