Zitterblümchen & Co.: Kräuter & Gewürze – Das große Lexikon von Lothar Bendel [HEIMATKÜCHE - Serie Teil 16]

Koch, Küchenmeister und Kochbuchautor Lothar Bendel aus Roxheim an der Nahe.


17|07|2019   Umfangreicher, schöner und noch informativer als die vorhergehende Version ist es geworden, die Neuauflage des Buches "Kräuter & Gewürze – Das große Lexikon" von Koch und Küchenmeister Lothar Bendel aus Roxheim an der Nahe.


„Die wichtigsten Kräuter und Gewürze kennen wir alle. Doch ihre tatsächliche Vielfalt, der faszinierende Reichtum ihrer Verwendungsmöglichkeiten und die zahlreichen Tricks und Tipps der Profis sind für den Laien nicht immer einsehbar“, heißt es auf dem Klappentext der Neuauflage von Kräuter & Gewürze – Das große Lexikon* von Lothar Bendel. Und da ist etwas dran, denn oftmals geht auch beim kreativen Kochen der Mut zum Würzen nicht über Salz und Pfeffer, Curry und Paprika hinaus. Dank des kompakten, kompetenten und unterhaltsam zusammengestellten Lexikons des in Roxheim lebenden Bendel, der als Küchenchef und -meister im In- und Ausland jahrelange Erfahrung sammeln konnte, kann man auch als Kochlaie mutig sein und pfiffige und wohlschmeckende Gerichte kreieren. Oder einfach Interessantes und Informatives über Kräuter und Co. erfahren. Ob Kochen nun zu den eigenen Hobbys zählt oder nicht – langweilig wird es mit dem umfangreichen Lexikon Bendels jedenfalls nicht.


Schöner, informativer, umfangreicher: „Kräuter & Gewürze – Das große Lexikon“


„Ich freu mich, dass es so gelungen ist“, strahlt der Autor und blättert lächelnd durch sein Werk. Immer wieder findet er Seiten, die er unbedingt noch mal zeigen muss – sei es wegen der gelungenen Bilder oder auch, um den Aufbau und Details des Buches zu erklären. Beispiel Lavendel: Es beginnt mit dem wissenschaftlichen Begriff, dem lateinischen Namen „Lavandula officinalis“, mit dabei auch die Bezeichnungen in anderen Ländern wie Island: „Lofnarblóm“. Dann folgen die Synonyme wie zum Beispiel Zitterblümchen oder Muttergotteskraut. Es folgen Informationen zu Herkunft und Geschichtliche, vom ursprünglichen Heimatland der Kräuter und Gewürze bis hin zur heutigen Verwendung. Das Aussehen, der Geschmack und der Geruch dürfen in Bendels Lexikon natürlich auch nicht fehlen. Wie auch die engeren Verwandten, die ebenfalls im Buch aufgeführt werden. Bendel recherchiert bis in kleinest Detai: „Es ist wie ein Wahn – man wird verrückt, wenn irgendwas fehlt“, gesteht er lachend ein.

In den Küchen der Welt bewandert, aber trotzdem ein Verfechter der Heimatküche: Koch und Buchautor Lothar Bendel.
In den Küchen der Welt bewandert, aber trotzdem ein Verfechter der Heimatküche: Koch und Kochbuchautor Lothar Bendel aus Roxheim an der Nahe.


„Kennen Sie Lavendeleis?“, fragt Bendel plötzlich. Die Zubereitung zu diesem außergewöhnlichen Eis findet sich ebenso im Buch wie Angaben zu den Hauptinhaltsstoffen und der volksmedizinischen Bedeutung. Und auch Tipps sind mit am Start und bilden den krönenden Abschluss eines jeden Krautes oder Gewürzes, so beim Lavendel zu dessen Ameisenschreck-Fähigkeiten. Offensichtlich gilt die Ameise nicht gerade als größter Fan des Lavendel. Im Buch des Roxheimers nachzulesen ist, was zu tun ist, um eine nicht erwünschte Ameisenstraße im Haus wieder in den Garten umzuleiten. Übrigens: In der Blumensprache bedeute ein Lavendelsträußchen: „Ich erinnere mich liebend gerne an dich!«

Einst jüngster Chef-Saucier des Hilton-Konzerns


Auch Lothar Bendel erinnert sich gerne zurück. Der Autor und Koch war jüngster Chef-Saucier des Hilton-Konzerns in Amsterdam – mit gerade mal 23 Jahren. Als sich jedoch Nachwuchs ankündigte, suchte sich Bendel in Deutschland Arbeit. „Ich habe mich ganz frech als jüngster Küchenchef beworben“, erzählt der Roxheimer. Der Plan ging auf, und in den folgenden Jahren war Bendel in verschiedenen Küchen tätig. In seinen Lehrjahren las der heutige Autor selbst etliche Kochbücher, die ihn inhaltlich jedoch nicht immer zufrieden stellten. Ihm war klar: „Ich muss das anders machen, wenn ich groß bin.“ Anfangs habe er noch alle Ideen, Eingebungen und neu erhaschte Synonyme in Kartons gesammelt, bis sein Sohn ihm sagte: „Du musst das ordnen, damit es einen Sinn gibt.“ So haben sich die Ansammlungen immer mehr zu einem Buch geformt.

Eine der größten Kochbuchsammlungen des Landes


Bendel selbst beherbergt übrigens eine der größten Kochbuch-Sammlungen Deutschlands. Sein größter Schatz ist ein Buch in Französisch, der Küchenfachsprache, vom französischen Meisterkoch Auguste Escoffier. Inzwischen ist es auch umgekehrt und Büchen von ihm, Lothar Bendel aus Roxheim, liegen bei den Leuten. »Neu ist das große Lexikon der Kräuter und Gewürze zwar nicht, aber eine Neuauflage, die farblich illustriert die Texte und die Synonyme-Sammlung hervorragend ergänzt«, so der Roxheimer. „Es ist viel umfangreicher, schöner und besser als die vorige Version“, resümiert Bendel.

„Man muss schon ein wenig verrückt sein, um so was zu machen.“

Die Synonyme seien übrigens immer ein ganz besonderer Fall. Hier muss Bendel immer noch mal genau schauen, denn so mancher Lektor beißt sich daran die Zähne aus. „Es gibt etliche Namen für Kräuter und Gewürze, die in der Rechtschreibung nicht auftauchen“, erklärt Bendel. Kurz: Änderungen müssen gut recherchiert sein und sind Chefsache. Bendel war aber schon immer der Inhalt am wichtigsten. „Dass die Orange orange ist und Vitamin C hat, ist mir zu wenig. Ich will mehr wissen“, betont er.
„Man muss schon ein wenig verrückt sein, um so was zu machen“, fügt der Autor schmunzelnd hinzu. Ergänzt werden soll nach dieser aktuellen Neuauflage aber nichts mehr. „Irgendwann muss ja auch mal Schluss sein“, findet Bendel. Stattdessen steht ein neues Projekt bereits in den Startlöchern.

Service & Bezugsquellen
    Lust zum Lesen bekommen? Hier bekommst Du Lothar Bendels Buch Kräuter & Gewürze – Das große Lexikon*.

    Weitere Bücher von Lothar Bendel:

    Heimatküche - die Serie

    Alle Teile der Blog-Serie HEIMATKÜCHE findest Du gesammelt hier.

    Koch, Küchenmeister und Kochbuchautor Lothar Bendel aus Roxheim an der Nahe.
    Nicht nur in seinem Buch sind Kräuter zu finden, auch im Garten von Lothar Bendel gibt es allerlei Schmackhaftes zu entdecken.
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    Text & Fotos: Sonja Flick

    Wine & Dine: Ein Sieben-Gang-Menü von Manuel Weyer zu Weinen von Nahewinzerin Anette Closheim

    Winzerin Anette Closheim und Koch Manuel Weyer beim Wine and Dine Abend.


    14|07|2019   Sieben Gänge und sieben korrespondierende Weine plus Amuse-Bouche und Sekt zur Begrüßung, wenn Winzerin Anette Closheim einmal im Jahr mit Unterstützung des jungen Kochs Manuel Weyer aus Mainz zum „Wine & Dine“-Abend ins Weingut nach Langenlonsheim an der Nahe einlädt, dann ist eines stets gewiss: Freunde der feinen Gaumenkunst kommen ohne wenn und aber auf ihre Kosten.

    Mit Anette Closheim und Manuel Weyer haben sich zwei Genussmenschen gefunden, die gleichermaßen für ihren jeweiligen Beruf begeisterte wie kenntnisreiche sind. Zusammen heckten sie vor einigen Jahren die Idee aus, den Closheim-Weinen zur Zeit der Vorstellung des neuen Jahrgangs eine besondere Bühne zu bieten, und zwar in Form eines Menüs mit Weinbegleitung, einem „Wine & Dine“.

    Applaus für Winzerin Anette Closheim und Koch Manuel Weyer für den gelungenen "Wine & Dine"-Abend.
    Applaus für Winzerin Anette Closheim und Koch Manuel Weyer für einen gelungenen "Wine & Dine"-Abend.


    Koch und Küchenmeister, Grill-Experte, Rezept-Entwickler, Foodstylist, Kochbuchautor, Inhaber des Unternehmens Manuel weyer culinary art und Restaurants Manusfaktur – für die „Wine & Dine“-Abende im Weingut Closheim in Langenlonsheim an der Nahe ist Manuel Weyer eine sichere Bank. Mit seinen 36 Jahren ist er zwar noch vergleichsweise jung, hat aber in dieser Zeit sozusagen schon kulinarische Erfahrungen für drei Leben gesammelt. Anette Closheim hat das Weinmachen im elterlichen Betrieb an der Nahe von Kindesbeinen an miterlebt. Nach einem „beruflichen Schlenker“ widmete sich voll und ganz der Erzeugung einer kleinen aber feinen Weinlinie.

    Der aktuelle Weinjahrgang 2018 ist der elfte, den die Winzerin aus Langenlonsheim in die Flasche brachte. Im Jahr 2008 begann Anette Closheim damit, im gut 160 Jahre alten Weingut ihrer Familie eine eigene Weinlinie parallel zu der ihres Vaters auszubauen. Ihr Ziel: der Aufbau eines kleinen und zunächst aus nicht mehr als zehn Weinen bestehenden Sortimentes - sechs Weißweine, drei Rotweine, ein Rosé. Ihr Anspruch: kompromisslos im Streben nach einer hohen Weinqualität und klaren geschmacklichen Profilierung der Wein, puristisch und modern bei der Flaschenausstattung und dem Markenauftritt.

    Winzerin Anette Closheim aus Langenlonsheim an der Nahe.


    Mit ihren unter dem Namen „anetteclosheim“ vermarkteten Linie machte die Winzerin, die zuvor als Produktmanagerin die Vermarktung von Single Malt Whiskys und Premium Wodkas vorangetrieben hatte, schnell von sich Reden. Die Fachzeitschrift „Weinwelt“ verleiht ihr als erste Winzerin die Auszeichnung „Riesling-Entdeckung des Jahres“. Mit ihrem Riesling „Mit Freunden“ Jahrgang 2016 kletterte sie bei „best of riesling 2017“, dem größten Riesling-Wettbewerb der Welt, zudem auf den zweiten Platz. Einen besonderen Ruf erarbeitet sich Anette Closheim aber auch mit ihren Weinen aus der Rebsorte Sauvignon Blanc. Gleich vier Mal in Folge sicherte sie sich das Siegertreppchen beim regionalen Vorentscheidung für die Nahe bei der „Sauvignon blanc Trophy“.

    Wine and Dine Abend im Weingut Anette Closheim an der Nahe.
    Gleich beginnt das "Wine & Dine"-Menü im Weingut Closheim.


    Neben der hohen Qualität ihrer Tropfen hat die Nahewinzerin dabei stets auch eine weitere „Weindimension“ genauestens im Blick. Ihre Weiß- und Rotweine sollen nicht nur solo getrunken ein Genuss sein, sondern stets auch ein großes Potential zur Begleitung von Speisen mitbringen. Um genau das unter Beweis zu stellen, holt sich die Anette Closheim vor fünf Jahren Manuel Weyer ins Haus. Immer zur Jahrgangpräsentation stellen die Winzerin und der Koch ein „Wine & Dine“ auf die Beine, bei dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erleben dürfen, wie verschiedene Closheim-Weine ein siebengängiges Menü aus der Feder des jungen Spitzenkoches begleiten. Dieses Fest für die kulinarischen Sinne erobert sich in Windeseile etliche Freunde. Das im familiären Rahmen mit maximal rund 30 Teilnehmern ausgetragene „Wine & Dine“ ist stets schnell ausgebucht. Um der Nachfrage gerecht zu werden, wird es inzwischen nicht nur an einem, sondern an zwei Samstagen rund um die Jahrgangspräsentation veranstaltet.

    Koch Manuel Weyer beim Wine and Dine Menü im Weingut Closheim.
    Konzentriert bei der Arbeit: Koch Manuel Weyer.


    Nicht verwundert über diesen Zuspruch ist, wer schon einmal an einem dieser „Wine & Dine“-Abende teilnehmen durfte. Diese fanden in diesem Jahr erstmals im rund 300 Jahre alten Fachwerkhaus statt, das direkt neben dem Weingutsgebäude steht und dessen aufwendige zweijährige Sanierung und Umgestaltung zur Vinothek inklusive Küche und Veranstaltungsfläche nun abgeschlossen ist.

    Die Vinothek des Weingutes Closheim ist in einem 300 Jahre alten Fachwerkhaus untergebracht.
    Die Vinothek des Weingutes Closheim ist in einem rund 300 Jahre alten Fachwerkhaus untergebracht.


    Der Abend beginnt in der Vinothek im Erdgeschoss, dort findet die Begrüßung mit einem Glas Sekt und begleitenden Amuse-Bouche statt. Nachdem sich Anette Closheim und Manuel Weyer kurz vorgestellt und die Gäste willkommen geheißen haben, geht es hoch in das Obergeschoss des komplett entkernten alten Fachwerkhauses, das architektonisch mit seiner bis unters Dach freigelegten Balkenstruktur beeindruckt. Familie Closheim begleitet die Teilnehmer zu den Plätzen, die Tischrunden sind bald vollständig und das „Wine & Dine“ beginnt.

    Das Amuse-Bouche vom Kraichgauer Landschwein, geräucherte Ente, gebeiztem Label Rouge Lachs und mariniertem Asia-Rettich wird vom Sekt Blanc De Blanc brut 2015 begleitet.
    Begrüßung vor dem Menü: Das Amuse-Bouche vom Kraichgauer Landschwein, geräucherte Ente, gebeiztem Label Rouge Lachs und mariniertem Asia-Rettich wird vom Sekt Blanc De Blanc brut 2015 begleitet.


    Vor jedem Gang wird zunächst der ausgewählte Wein ausgeschenkt, so dass Gelegenheit besteht, Geschmack und Geschichte des guten Tropfen kennen zu lernen. Für alle Informationen rund um die Weine sorgt Anette Closheim mit Unterstützung ihres Ehemannes und ihres Vaters. Sie stellen jeden Wein mit kurzen Erläuterungen vor, präsentieren interessante Fakten zum Weinbau an der unteren Nahe und erzählen kleine Anekdoten aus der Geschichte des Familienweingutes. Währenddessen legt Manuel Weyer in der Küche im Erdgeschoss mit Unterstützung eines befreundeten Kochs letzte Hand an die Gerichte an. Der erste Gang, eine geräucherten Mousse von der Bachforelle mit eingelegtem Rhabarber und Kräutersalat, wird serviert. Dazu schenkt Familie Closheim noch etwas vom begleitenden Wein, dem „blanc 2017“, nach, so dass bei jedem ausreichend Flüssigkeit im Glas ist, um sich die Speise-Wein-Kombination auf der Zunge zergehen lassen zu können. Wie greifen die Aromen von Essen und Wein ineinander, wo bauen sich Harmonien oder spannungsreiche Kontraste auf? Welche aromatischen Schichten verstärkt der Wein in der Speise und welche kitzelt das Essen mit seinen Geschmackskomponenten im Wein hervor? Nach jedem Gang bleibt ausreichend Zeit, um die erlebte „Wine & Dine“-Kombination nochmals gedanklich zu erkunden, mit den Tischnachbarn zu diskutieren und mit den jeweiligen Weinen im Glas anzustoßen. Lust, einen kurzen „Flug“ durchs Menü zu erleben? Dann folge mir:

    Winzerin Anette Closheim aus Langenlonsheim an der Nahe.


    Das "Wine & Dine"-Menü von Manuel Weyer und Anette Closheim


    Das breite aromatische Geflecht des „blanc 2017“, eine Cuvée aus Scheurebe, Bacchus, Riesling und Silvaner, schmiegt sich nicht nur hervorragend an den Rhabarber in der Bachforellen-Mousse an, sondern bildet durch sein facettenreiches Fruchtspiel auch einen spannenden und für den Gaumen faszinierenden Kontrapunkt zur zarten Räuchernote der Forelle.

    Der Wein „blanc 2017“, eine Cuveé aus den Weißweinsorten Scheurebe, Bacchus, Riesling und Silvaner, wird zum geräucherten Mousse von der Bachforelle mit eingelegtem Rhabarber und Kräutersalat serviert.
    Menüauftakt: Der Wein „blanc 2017“, eine Cuveé aus den Weißweinsorten Scheurebe, Bacchus, Riesling und Silvaner, wird zum geräucherten Mousse von der Bachforelle mit eingelegtem Rhabarber und Kräutersalat serviert.


    Der Weiße Burgunder Königsschild 2018 strotzt vor Saft und vibrierender Kraft, wirkt aber durch den anteiligen Ausbau in gebrauchten kleinen Eichenholzfässern zugleich extrem geerdet und „tiefenentspannt“. In Kombination mit dem von Manuel Weyer servierten Gang schmiegt sich die zarte Barrique-Note hervorragend an die Röstnoten des kross auf der Haut angebratenen Wolfsbarsches sowie an den begleitenden Krustentierschaum mit seiner zarten Safrannote an.

    Weinpartner zum auf der Haut gebratenen Loup de mir mit Petersieleinwurzel, Rübchen und Krustentierschaum ist der Weiße Burgunder Königsschild Jahrgang 2018.
    Weinpartner zum auf der Haut gebratenen Loup de mer mit Petersilienwurzel, Rübchen und Krustentierschaum ist der Weiße Burgunder Königsschild Jahrgang 2018.


    Ein feines Fruchtspiel von Gelbfrüchten (weißer Pfirsich, Ananas, Marillen) in Kombination mit einer ebenso agilen wie angenehmen Säure wirft der Riesling Löhrer Berg in die Waagschale. Der im Stückfass ausgebaute und fein gereifte Riesling des Jahrgangs 2016 wird zudem von rosinigen und nussigen Noten durchweht und verschränkt sich dadurch passgenau sowohl mit den Aromen der Trüffelscheiben auf der Suppe als auch mit der ausgebackenen nussigen Kruste des Wachteleies.

    Zum Spargelsüppchen mit gebackenem Wachtelei gibt es den Lagenriesling Löhrer Berg 2016.
    Zum Spargelsüppchen mit gebackenem Wachtelei gibt es den Lagenriesling Löhrer Berg 2016.


    Extrem überraschend und spannend ist die Auswahl der Weinbegleitung zum Leipziger Allerlei mit Flusskrebsen und Morcheln, denn dieser Gang wird vom Lourista 2017, einem Sauvignon blanc, begleitet. Dessen intensives Fruchtspiel von gelben und grünen Früchten in Kombination mit grasigen Noten wird geerdet und „kandiert“ durch den Ausbau in kleinen Eichen- und Akazienholzfässern. Flusskrebse und Morcheln im Leipziger Allerlei docken an diese elegant eingebundenen Holznoten an, bilden zusammen das Parkett, auf dem die frischen Aromen von Gemüse und Sauvignon blanc tanzen dürfen.

    Der Sauvignon Blanc Loirista Jahrgang 2017, der die Stilistik der klassischen Sauvignon Blancs von der Loire aufgreift und in Barriques heranreifen darf, begleitet das Leipziger Allerlei mit Flusskrebsen und Morcheln.
    Der Sauvignon Blanc Loirista Jahrgang 2017, der die Stilistik der klassischen Sauvignon Blancs von der Loire aufgreift und in Barriques heranreifen darf, begleitet das Leipziger Allerlei mit Flusskrebsen und Morcheln.


    Süffig und frisch kommt der Rosé Jahrgang 2018 daher, auf der Zunge zündet ein feinfruchtiges Feuerwerk von Erdbeere und Kirsche, Rosenblättern und Cassis. Die Cuvée aus Spätburgunder, Portugieser und Dornfelder ist nicht nur rosa Erfrischungsgranate für laue Sommernächte im Garten oder auf der Terasse, sondern begleitet auch den Erfrischungsgang des Menüs ( Erdbeer-Mixed-Pickles mit Tonkabohne und Limonen-Buttereis) kongenial.

    Welchen Wein könnte es zu den Erdbeer-Mixed-Pickles mit Tonkabohne und Limonen-Buttereis geben? Ganz klar, den Rosé 2018.
    Welchen Wein könnte es zu den Erdbeer-Mixed-Pickles mit Tonkabohne und Limonen-Buttereis geben? Ganz klar, den Rosé 2018.


    Den ersten Rotwein dieses Abends entkorkt Anette Closheim zum Lammrücken unter der Brunnenkresse-Kruste mit Mai-Gemüse und Oliven-Kartoffelcreme: den Meilenstein 2015. Die Cuvée aus Cabernet Franc, Saint Laurent und Cabernet Dorsa reifte 24 Monate lang in kleinen Holzfässer (davon zwei Drittel neue Barriques) und präsentiert sich als kraftvoller und tiefdunkler Rotwein internationalen Formates. Die Kombination von dunkler Beerenfrucht mit intensiver Moccanote, von samtigem Schmelz mit kühler Frische und einer rumpelig-körnigen Tanninstruktur begeistert und bietet dem feinwürzigen Lammrücken unter seiner Brunnenkressekruste ein extrem breites und weiches aromatisch Bett, um sich hineinfallen zu lassen.

    Ihre Rotweincuvée Meilenstein Jahrgang 2015 serviert Anette Closheim zum pochierten Lammrücken unter der Brunnenkresse-Kruste mit Mai-Gemüse und Oliven-Kartoffelcreme.
    Ihre Rotweincuvée Meilenstein Jahrgang 2015 serviert Anette Closheim zum pochierten Lammrücken unter der Brunnenkresse-Kruste mit Mai-Gemüse und Oliven-Kartoffelcreme.


    Einen fulminanten Schlusspunkt unter sein Menü setzt Manuel Weyer mit dem Dessert. Die rosa Beerenschnitte mit Piemonteser Nougat, Salz-Karamell und Waldmeister-Sorbet belegt eindrucksvoll, dass der 36-Jährige auch für süße Sachen ein Experte ist. Zur hervorragenden Nachspeise serviert Anette Closheim eine weitere Spezialität aus ihrem Keller, und zwar eine Sauvignon blanc Spätlese Jahrgang 2018, deren Restsüße in bester Balance zur Süße des Dessert steht und zum fruchtigen Aromenspiel der Nachspeise Noten von weißer Johannisbeere und Maracuja, süßer Orange und Passionsfrucht hinzufügt.

    Einen fulminanten süßen Schlusspunkt unter das Menü setzt Manuel Weyer mit der rosa Beerenschnitte mit Piemonteser Nougat, Salz-Karamell und Waldmeister-Sorbet. Dazu gibt es eine restsüße Sauvignon Blanc Spätlese Jahrgang 2018.
    Einen fulminanten süßen Schlusspunkt unter das Menü setzt Manuel Weyer mit der rosa Beerenschnitte mit Piemonteser Nougat, Salz-Karamell und Waldmeister-Sorbet. Dazu gibt es eine restsüße Sauvignon Blanc Spätlese Jahrgang 2018 ohne Etikett, denn dieser Wein rare Wein kommt nicht in den regulären Verkauf.


    Mein Fazit: Das war ein ebenso kurzweiliger wie genussreicher Abend, der die Kochkünste von Manuel Weyer ebenso belegt die hervorragenden Qualitäten der Closheim-Weine als Essensbegleiter. Die Chemie zwischen Winzerin und Koch stimmt einfach, und was die beiden an „Wine & Dine“-Kombinationen ins Rennen schicken, bezeugt Menügang um Menügang das tiefe Gespür der beiden für die aromatischen Kombinationsmöglichkeiten von Speisen und Wein. Das nächste „Wine & Dine“ im Weingut Closheim kann ich zum Besuch nur dringend empfehlen!

    Koch Manuel Weyer beim Wine and Dine Menü im Weingut Closheim.

    Tipps

    Anette Closheim: Die Weine von Anette Closheim können im Langenlonsheimer Weingut Closheim selbstredend jederzeit nach Vereinbarung probiert und gekauft werden. Den Weißwein „blanc“ von Anette Closheim habe ich bereits vor einiger Zeit im Detail in meinem Blogbericht über Weißwein-Cuveés von der Nahe vorgestellt. Weitere Weine von Anette Closheim stelle ich zudem im Detail im Blog-Bericht Pssst! Weinfundstück Nr. 01 bis 03 vom Weingut Closheim vor.

    Manuel Weyer: Ende 2018 eröffnete Weyer zusammen mit seiner Frau Silvia in Mainz ein eigenes Restaurant, die Manusfaktur. In dem temporären Pop-up-Restaurant besteht an jedem dritten Wochenende im Monat immer von Donnerstag bis Sonntag die Möglichkeit, in Manuels kulinarischen Kosmos einzutauchen, und zwar jeden Monat unter einem neuen kulinarischen Motto. Zu jedem Motto entwirft Manuel Weyer eine neue Speisekarte, die stets ungefähr 13 bis 17 verschiedene Positionen enthält. Genossen werden können diese Speisen dann entweder à la carte oder als 3- beziehungsweise 5-Gang-Menü. Die Öffnungszeiten, das monatliche kulinarische Motto und die jeweilige Speisekarte von "Manusfaktur" sind auf der Internetseite von Manuel Weyers Culinary Art sowie auf der Manusfaktur-Facebookseite zu finden.
    Du möchtest mehr erfahren? Hier im Blog findest Du auch eine Reportage über Manuel Weyers Manusfaktur - das Restaurant mit Pop-up-Konzept.

    Noch viel mehr über Manuel Weyer erfährst Du im Detail zudem hier im Blog in meiner Reportage 365 Tage grillen: Koch, Food-Stylist und Grill-Experte Manuel Weyer im Portrait. Alles zu Manuels Buch rund ums Grillen von süßen Sachen erfährst Du hier: Süß grillen - das Grillbuch von Manuel Weyer für alle Zuckerschnuten und Leckermäuler. Die Texte enthalten zudem Links zu mehreren Grillrezepten von Manuel Weyer.

    Auch ein mehrere Jahrzehnte alter Vintage Port aus der privaten Schatzkammer von Anette Closheim wird von Manuel Weyer fürs Wine & Dine Menü mit verkocht.
    Die besten Zutaten sind gerade gut genug: Auch ein mehrere Jahrzehnte alter Vintage Port aus der privaten Schatzkammer von Anette Closheim wird von Manuel Weyer fürs Menü mit "verkocht". 

    Fotos: Moderne Topfologie

    Nach dem VDP.Heimspiel-Abpfiff ist vor den nächsten Weinevents: VDP@Gut Hermannsberg & VDP.Versteigerung im August und September 2019

    Die Weinpräsentation Heimspiel 2019 des VDP an der Nahe.


    07|07|2019   Das VDP.HEIMSPIEL 2019 an der Nahe ist abgepfiffen. Fast 400 Weinfreunde aus Nah und Fern dürfen auf eine rundum gelungene Weinpräsentation zurückschauen und mit angefachter Vorfreude auf die kommenden Veranstaltungen unter Federführung des VDP.Nahe vorausblicken. Am Samstag, 31. August, wird zunächst die Weinpräsentation VDP@Gut Hermannsberg gefeiert, bevor am Sonntag, 22. September, der traditionelle Veranstaltungshöhepunkt des VDP Regionalverbandes stattfindet: die große Weinversteigerung in der Römerhalle.

    Die Weinpräsentation Heimspiel 2019 des VDP an der Nahe.


    Was für ein bemerkenswertes VDP.HEIMSPIEL 2019! Zusammen 32 VDP-Winzer aus drei Weinbauregionen präsentieren am letzten Sonntag im Juni fast 130 Weine in drei Weingütern an der unteren Nahe. Der „lange Probentisch“ in den Weingüter Kruger-Rumpf in Münster-Sarmsheim sowie Schlossgut Diel und Joh. Bapt. Schäfer im benachbarten Rümmelsheim war wahrlich reich gedeckt. Keiner der Mitgliedsbetriebe der Regionalverbände VDP.Rheinhessen, VDP.Nahe und VDP.Ahr fehlte, und so durften sich Weinfreunde auf insgesamt 128 Weine (vier pro Weingut) freuen, die von den bestens aufgelegten 32 VDP Winzerinnen und Winzern zum Verkosten ausgeschenkt wurden. Vom trockenen Weißwein bis zur rest- und edelsüßen Spezialität, vom Riesling und weißen Burgunder oder Silvaner bis zum Spätburgunder, vom jungen Gutswein Jahrgang 2018 bis zum gereiften „Großen Gewächs“ – das VDP.HEIMSPIEL erwies sich als wahre Leistungsschau der Winzerinnen und Winzer des renommierten Verbandes Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter (VDP).

    Die Weinpräsentation Heimspiel 2019 des VDP an der Nahe mit Frank Schönleber, Vorsitzender des VDP.Nahe.
    Winzer und Besucher hatten gleichermaßen Spaß beim VDP.Heimspiel. In der Bildmitte: Frank Schönleber, Vorsitzender des VDP.Nahe.


    Und die brachte offenbar nicht nur die Gesichter der fast 400, zum Teil sogar aus dem Ausland angereisten Weinfreunde, zum Strahlen. Auch die Sonne setzte an diesem Sonntag bildlich gesprochen ihr breitestes Grinsen auf und bescherte sogar eine Rekordmarke. Am Nachmittag gegen 15 Uhr wurde in der nahe gelegenen Kreisstadt Bad Kreuznach der Juni-Hitzerekord für Rheinland-Pfalz aufgestellt: 39,3 Grad Celsius zeigte das Thermometer. Da kamen die bestens gekühlten Weine der VDP Winzer (nach Hörensagen überstieg die Menge an Eis zum Kühlen der Flaschen auf den Tischen in Kilogramm deutlich die Menge des in ihnen enthaltenen Weins in Litern) ebenso richtig wie der ein oder andere besonders kühle Verkostungsraum in den drei Gütern, so der tief ins Erdreich gehauene uralte und verwinkelte Weinkeller des Schlossgutes Diel.

    Die Weinpräsentation Heimspiel 2019 des VDP an der Nahe.
    Cool down! Kühle Weinflaschen, Eis zum Kühlen und Verkostung im kühlen Weinkeller beim VDP.Heimspiel 2019.


    „Ja, ein paar Grad weniger hätten es schon sein dürfen. Aber alles in allem spielte uns das gute Wetter für die Präsentation, die in den drei Weingütern teilweise drinnen und draußen stattfand, ja in die Hände. Das VDP.Heimspiel 2019 hat Besucher und Winzern gleichermaßen Spaß gemacht“, so Frank Schönleber, Vorsitzender des VDP.Nahe, der am Nachmittag eine erste positive Bilanz zog. „Die Verkostung inklusive Shuttle-Service zwischen den Gütern verlief völlig reibungslos. Die begleitenden Speiseangebote schmecken erstklassig. Die Stimmung ist super angenehm und entspannt. Und das Publikum, das vom jungen Weinnovizen bis zum routinierten Weinfachmann reicht, ist ebenso breit gefächert wie höchst interessiert“, so der VDP-Regionalvorsitzende.

    Die Weinpräsentation Heimspiel 2019 des VDP an der Nahe.


    Und tatsächlich: Wer durch die liebevoll restaurierte „Kuhkapelle“ im Weingut-Kruger Rumpf, durch den Innenhof des Weingutes Johann Baptist Schäfer oder den alten Weinkeller des Schlossgutes Diel schlenderte, um die Weine der VDP-Betriebe zu probieren, befand sich stets in angenehmer und gut gelaunter Gesellschaft. Hier wie dort traf man stets auf junge und ältere Weinfreunde, die in Deutsch, Englisch oder Niederländisch über die feinen Tropfen plauderten und diskutierten, um die geschmackliche Tiefe der verschiedenen Weine von Nahe, Ahr und Rheinhessen zu ergründen und deren Unterschiede auszuloten.

    Die Weinpräsentation Heimspiel 2019 des VDP an der Nahe.
    "Daumen hoch" für das rundum gelungene VDP.Heimspiel 2019 an der Nahe.


    Fazit: Das nächste VDP.HEIMSPIEL, das seit 2016 im jährlichen Wechsel in Rheinhessen und an der Nahe stattfindet, darf kommen, 2021 dann wieder an der Nahe. Doch zunächst sollten Weinfreunde ihren Blick weiterhin auf das laufende Jahr richten, denn der VDP.Nahe richtet 2019 noch zwei weitere größere Weinevents aus: die Weinpräsentation VDP@Gut Hermannsberg am Samstag, 31. August, in Niederhausen an der Nahe und die traditionelle Weinversteigerung in der Römerhalle in Bad Kreuznach am Sonntag, 22. September.


    VDP@Gut Hermannsberg and friends . . . und danach: Live-Konzert & Party


    „VDP@ . . .“ – unter diesem Namen hat der VDP.Nahe 2017 eine neue Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen. Alle Mitgliedsbetriebe des VDP.Nahe sowie VDP.Ahr kommen einmal im Jahr in einem VDP-Weingut an der Nahe zusammen, um dort gemeinsam ihre Weine zu präsentieren, so auch 2019. Am Samstag, 31. August, heißt es in Niederhausen an der mittleren Nahe VDP@Gut Hermannsberg & friends. Von 13 bis 18 Uhr präsentieren die neun VDP Weingüter von der Nahe sowie sieben von der Ahr in der Kelterhalle von Gut Hermannsberg bei einer lockeren Tischpräsentation jeweils vier Weine aus ihren aktuellen Kollektionen. Die Nahewinzerinnen und –winzer zeigen Weine an Einzeltischen, die Kolleginnen und Kollegen vom VDP.Ahr präsentieren ihre Weine an einem Gemeinschaftsstand.

    Die Weinpräsentation VDP@ des VDP Nahe.


    Zudem hat Gut Hermannsberg, das an diesem Tag noch mehr zu feiern hat (dazu weiter unten mehr), zusätzlich noch einige „Überraschungswinzer“ zur Verkostung eingeladen, so dass Besucherinnen und Besucher weitere Weine entdecken und probieren dürfen. Und auch für das leibliche Wohl sorgt Gut Hermannsberg mit Leckereien.
    Eine weitere Besonderheit der Veranstaltung „VDP@ . . .“: Dort können Weinfreunde erstmals „VDP.Grosse Gewächse“ des neuen Jahrgangs verkosten, deren Verkauf laut VDP-Regelwerk frühestens am 1. September beginnen darf. Ein weiterer Grund also, sich Karten für die Weinpräsentation am 31. August zu sichern.

    Gut Hermannsberg an der Nahe.
    Gut Hermannsberg.  Foto: Nils Weiler


    Die teilnehmenden Weingüter des VDP

    Ahr

    Nahe


    Tickets & Vorverkauf

    Der Eintritt zu VDP@GUT HERMANNSBERG & friends kostet 20 Euro im Vorverkauf und 25 Euro an der Tageskasse. Im Preis enthalten sind die Verkostung aller Weine, Wasser und Brot.
    Karten im Vorverkauf gibt es in allen teilnehmenden VDP.Nahe Weingütern, in der Nahe.Wein.Vinothek in Bad Kreuznach sowie in der Geschäftsstelle des VDP Nahe, Telefon 0 67 51 / 8 55 51 59, E-Mail info@vdp-nahe.de.
    Von der Geschäftsstelle werden die Tickets auch per Post verschickt.

    Die Weinpräsentation VDP@ des VDP an der Nahe.


    Gut Hermannsberg hoch 10


    Du hast Lust auf Live-Musik und Partystimmung nach der Verkostung? Dann bist Du am Samstag, 31. August, genau richtig auf Gut Hermannsberg, denn an diesem Tag steht ein kleines Jubiläum im Kalender des Weingutes. Vor genau zehn Jahren erwarben Dr. Christine Dinse und Jens Reidel die ehemalige Königlich-Preußische Weinbaudomäne in Niederhausen. Das wird selbstredend gefeiert: Zunächst wird die Indie-Rock-Band »Please Madam« aus Salzburg ab ca. 19 Uhr (Einlass ab 18.30 Uhr) ein Open-Air-Konzert auf dem Gutsgelände geben. Anschließend wird bei einer Party in der Vinothek mit DJ Musik und feinen Weinen bis nach Mitternacht gefeiert und getanzt.


    Tickets & Vorverkauf

    Tickets für das Konzert und die anschließende Party kosten 45 p. P. inklusive Weine, Wasser und Softgetränke von 18.30 bis 1 Uhr. Tickets in Kombination mit der Weinpräsentation VDP@GUT HERMANNSBERG & friends vorab kosten 60 Euro. Kartenverkauf im Gut Hermannsberg, im Restaurant Hermannshöhle, in der Geschäftsstelle von VDP.Nahe.


    Wenn der Hammer fällt, wird auch ausgeschenkt: Nasse Weinversteigerung des VDP


    Zum ersten, zum zweiten, zum dritten und . . . verkauft! Wenn alljährlich im Herbst die Weinversteigerung des Verbandes der Prädikatsweingüter (VDP) in der Römerhalle in Bad Kreuznach an der Nahe stattfindet (Eintritt: 30 Euro p. P.), dann schlagen die Herzen der Weinfreunde besonders schnell – und das aus mehreren Gründen. Denn die teilnehmenden 20 VDP Weingüter bieten für die Versteigerung nicht nur ausnahmslos ihre besten Weine des Jahrgangs sowie ausgesuchte Raritäten an, sondern diese gibt es auch einzig und allein auf der Versteigerung zu ergattern – sie sind im freien Handel nicht zu kaufen. Über 5 000 Flaschen werden bei der Versteigerung am Sonntag, 22. September, auf 34 Versteigerungslose verteilt zum Aufruf kommen, von Spätburgunder Reserve Jahrgang 2016 von der Ahr bis zu ausgesuchten trockenen „VDP.Grossen Gewächsen“ oder gereiften edelsüßen Riesling-Spezialitäten von der Nahe.

    Die VDP Weinversteigerung in der Römerhalle Bad Kreuznach.
    Bei der Vorprobe dürfen die Versteigerungsweine in der Römerhalle verkostet werden.

    Vorprobe und „nasse Versteigerung“


    Für Spannung und Mitfiebern ist also gesorgt, wenn am Sonntag, 22. September, in der Römerhalle in Bad Kreuznach die ausgesuchten Ausnahmeweine aller VDP Weingüter von Nahe und Ahr sowie einiger weiterer VDP Güter aus Rheinhessen und der Pfalz zwischen 11.15 und 13.30 Uhr unter den Hammer kommen. Aber bereits vorab herrscht in der Römerhalle gespannte Erwartung, denn von 9 bis 11 Uhr haben Versteigerungsbesucher Gelegenheit, an den Tischen der Winzer jene Weine, die später zur Versteigerung kommen, zu probieren (Weinraritäten in Einzelflaschen ausgenommen). In dieser Fülle und Breite die raren Versteigerungsweine der VDP Winzerinnen und Winzer probieren zu können, diese Möglichkeit ist definitiv rar und besonders!

    Auktionator Prinz Salm bei der VDP Weinversteigerung in der Römerhalle.
    Auktionator Michael Prinz zu Salm-Salm in Aktion.


    Trocken wird es aber auch während der Versteigerung nicht zugehen. Dafür sorgt zu einem Auktionator Michael Prinz zu Salm-Salm, der mit Fachwissen, Charme und Redegewandtheit die Bietergefechte anfeuern und das Publikum unterhalten wird. Zum anderen wird während der Versteigerung jedes Weingut einen der angestellten Weine ausschenken, weshalb diese Form der Weinauktion auch „nasse Versteigerung“ genannt wird. Bei der erhält jeder Versteigerungsbesucher während der laufenden Auktion nochmals einen geschmacklichen Eindruck davon, welche Ausnahmeweine und Raritäten aus den Schatzkammern der Güter hier die Bietergefechte in die Höhe schrauben.


    Drei Weinkisten für die gute Sache: die Charity-Versteigerung


    Zum Ende der Versteigerung des VDP an der Nahe kamen 2018 erstmals drei mit besonderen Weinen gefüllte „Charity-Weinkisten“ unter den Hammer, und so soll es auch 2019 sein. „Die Charity-Versteigerung der drei Weinkisten im vergangenen Jahr war nicht nur ein spannender und unterhaltsamer Schlussakkord, sondern sie spielte zudem die bemerkenswerte Summe von 21.800 Euro plus Mehrwertsteuer und Auktionsgebühr für die gute Sache ein“, so Frank Schönleber, Vorsitzender des VDP.Nahe, für den deshalb feststeht: „Eine Charity-Versteigerung wird auch die Weinversteigerung 2019 abschließen.“

    Charity-Weinversteigerung des VDP Nahe.


    Welche Weinraritäten genau in den Kisten schlummern werden und für welchen Zweck die erzielte Versteigerungssumme gespendet wird, das steht noch nicht genau fest. Klar ist aber: Sie werden thematisch sortiert und mit exklusiven, meist gereiften Weinen aus den Kellern der VDP Weingüter von Nahe, Ahr, Rheinhessen und der Pfalz bestückt.

    Also: Die VDP Weinversteigerung an der Nahe hält für Weinfreunde auch 2019 etliche besondere Weine zum Verkosten und viele spannende Momente bereit. Wer das nicht verpassen möchte, sollte sich schnell Karten reservieren, denn der Platz in der Römerhalle ist bei der Versteigerung auf rund 200 Personen begrenzt.


    Tickets & Vorverkauf

    VDP.Weinversteigerung an der Nahe
    Sonntag 22. September 2019
    Museum Römerhalle Bad Kreuznach
    Hüffelsheimer Straße
    9 bis 11 Uhr: Vorprobe der Versteigerungsweine
    11.15 bis 13.30 Uhr: Versteigerung
    Auktionator: Michael Prinz zu Salm-Salm
    Eintritt: 30 Euro pro Person
    Kartenreservierung in der Geschäftsstelle des VDP.Nahe
    Tel. 0 67 51 / 8 55 51 59
    E-Mail info@vdp-nahe.de

    Ein der Charity-Weinkisten.
    Gefüllt mit edelsüßen Weinspezialitäten: eine der Charity-Kisten der Versteigerung 2018.


    Katalog zur Versteigerung

    Den Katalog mit allen Weinen, die zur Versteigerung gelangen, werde ich hier zum Anschauen und Herunterladen online hinterlegen, sobald dieser verfügbar ist.

    Charity-Weinkisten 2019 – der Inhalt

    Welche besonderen Weine in den Charity-Kisten schlummern, die zur Versteigerung kommen, werde ich hier verraten, sobald der VDP.Nahe den genauen Kisteninhalt bekannt gibt.

    Fotos soweit nicht anders angegeben: Moderne Topfologie

    Lachs mit Sesam-Polenta auf Salat vom Indischen Senf und Brunnenkresse mit Leindotteröl-Vinaigrette [plus Weintipp]

    Marinierter Lachs mit kross angebratener Sesam-Polenta auf Blattsalat vom Indischen Senf und Brunnenkresse mit Leindotteröl-Vinaigrette und Rosé Wein von der Nahe.


    02|07|2019   Wenn Dir das Leben Bio-Lachs gibt und noch dazu eine gute Flasche Spätburgunder Rosé, dann mach' doch mal das draus: Marinierte Lachs-Tranchen mit kross angebratener Sesam-Polenta auf Blattsalat vom Indischen Senf und Brunnenkresse mit Leindotteröl-Vinaigrette. Dann noch schnell ein paar Tomatenwürfelchen zum Salat dazugeben, zwei Zitronen halbieren und mit braunem Zucker karamellisieren, die gut gekühlte Flasche Rosé entkorken und ab geht’s in sommerlich beschwingte Genussgefilde, hmmm!

    Fangfrischer Lachs.


    Sieht klasse aus, schmeckt herrlich facettenreich und frisch und ist in Kombination mit dem Spätburgunder Rosé, der aus dem in meiner Heimatregion Nahe beheimateten Weingut Jakob Schneider stammt, ein echter Hochgenuss für heiße Sommertage. Weitere Pluspunkte: Der zuvor kurz marinierte Lachs mit kross angebratener Sesam-Polenta auf Salat vom Indischen Senf und Brunnenkresse ist ratzfatz gemacht und eignet sich nicht nur als leichtes Essen an heißen Tagen, sondern auch als Zwischen- beziehungsweise Fischgang eines mehrgängigen Menüs.

    Na, läuft Dir schon das Wasser im Mund zusammen? Dann gebe ich Dir wohl mal besser schnell das Rezept und erläutere Dir anschließend, wo Du „Tiger Senf“ und Leindotteröl bekommst, warum Du vielleicht besser gleich die doppelte Menge Sesampolenta machst und warum die Wahl des Rosés aus dem Keller von Winzerfamilie Jakob Schneider zu diesem Essen eine sehr gute ist.

    Marinierter Lachs mit kross angebratener Sesam-Polenta auf Blattsalat vom Indischen Senf und Brunnenkresse mit Leindotteröl-Vinaigrette und Tomatenwürfel.
    Lachs, Salat, Sesampolenta.


    Rezept für Lachs mit Sesam-Polenta auf Salat vom Indischen Senf und Brunnenkresse mit Leindotteröl-Vinaigrette



    ZUTATEN | für 4 Personen

    Für den Lachs:

    • 4 Stücke Lachsfilet ohne Haut ‎à ca. 150 g
    • 20 g grobes Meersalz
    • 10 g Zucker
    • 2 Bio-Zitronen
    • 4 EL mildes Olivenöl


    Für die Sesam-Polenta:

    • 3 TL helle Sesamsaat
    • 500 ml Milch
    • 3 TL Sesamöl*
    • 100 g Polenta (Maisgries)
    • 1 Prise Salz
    • 1 EL Olivenöl
    • 1 EL Butter


    Für die karamellierten Zitronenhälften:

    • 2 kleine Bio-Zitronen
    • ca. 2 TL hellen Muscovado-Zucker* (alternativ Rohrohrzucker)


    Für den Salat und die Vinaigrette:

    • 1 Topf bzw. Bund Blätter vom Braunen Senf (alternativ Wildkräuter und /oder Friséesalat)
    • 1 Topf bzw. Bund Brunnenkresse
    • 3 reife Tomaten
    • 2 bis 3 EL Leindotteröl*
    • 1/2 TL Himbeeressig
    • 1 Spritzer Agavendicksaft (alternativ Akazienhonig)
    • Salz und schwarzer Pfeffer


    ZUBEREITUNG | ca. 45 Min. plus 30 bis 45 Min. zum Marinieren

    1. Die Lachsfilets aus der Kühlung holen. Meersalz und Zucker mischen, die Zitronen in Scheiben schneiden. Die Hälfte der Zitronenscheiben eng aneinanderlegend auf einen großen Teller auslegen, darauf gleichmäßig die Hälfte der Salz-Zucker Mischung und des Olivenöls verteilen. Den Lachs auflegen und mit den restlichen Zutaten (Zucker-Salz, dann Öl, dann Zitrone) bedecken. Mit Klarsichtfolie überziehen und im Kühlschrank 30 bis 45 Min. marinieren.
    2. Für die Sesampolenta zunächst in einer Pfanne die Sesamsaat ohne Öl leicht anrösten und dann zur Seite stellen. In einem schweren Topf (z. B. Gusseisen-Topf*) Milch und Sesamöl* erhitzen. Sobald es köchelt, Maisgrieß und die Prise Salz hineinstreuen und mit einem Schneebesen energisch umrühren. Unter beständigem Rühren ca. 6 Min. weiter köcheln lassen. Dann die angeröstete Sesamsaat in den dickflüssiger Brei einrühren und die Polenta auf eine mit Backpapier belegte große Platte oder ein Backblech ca. 1,5 cm hoch glatt ausstreichen. Mit einem zweiten Backpapier oder Kuchentuch abdecken und auskühlen lassen.
    3. Für die karamellierten Zitronenhälften die Bio-Zitronen halbieren. In einer Pfanne den hellen Muscovado-Zucker* bei kleiner Hitzezufuhr schmelzen lassen. Dann die Zitronenhälften ca. 30 Sek. mit den Schnittflächen nach unten auf den geschmolzenen Zucker stellen. Die Hälften herausnehmen und mit der Schnittfläche nach oben auf einen Teller legen. Restlichen geschmolzenen Zucker aus der Pfanne auf die Schnittflächen verstreichen. Tipp: Alternativ kannst Du die karamellierten Zitronenhälften auch mit einem Flambierbrenner* zubereiten. Dazu einfach die Schnittflächen der Zitronen mit dem Zucker bestreuen und diesen mit dem Flambierbrenner schmelzen.
    4. Für den Salat zunächst die Blätter vom Braunen Senf sowie von der Brunnenkresse zupfen, waschen, trockenschleudern und beiseitestellen. Die Tomaten in eine Schüssel legen und mit kochendem Wasser übergießen, bis sie vollständig bedeckt sind. Ca. 4 Min. stehen lassen, dann das heiße Wasser abgießen und die Tomaten mit kaltem Wasser abschrecken. Tomatenhaut kreuzweise einschneiden und abziehen, die Tomaten dann halbieren, entstrunken und entkernen, das Tomatenfleisch in kleine Würfel schneiden und diese mit den Salatblättern mischen.
    5. Für die Salatvinaigrette Leindotteröl, Himbeeressig und den Spritzer Agavendicksaft verrühren.
    6. Zum Fertigstellen des Gerichtes den marinierten Lachs aus der Kühlung holen. Die Polenta in große Rechtecke schneiden. In einer großen Pfanne 1 EL Olivenöl und 1 EL Butter schmelzen und darin die Polentaschnitten von beiden Seiten goldbraun anbraten. Auf Küchenpapier abtropfen lassen und (z. B. im Backofen) warmhalten.
    7. Von den Lachstranchen die Zitronenscheiben und die Salz-Zuckermischung abstreichen. Die Stücke in der Pfanne auf der Ober- und Unterseite je 1,5 bis 2 Min. anbraten – der Lachs sollte Innen noch glasig sein. Falls Du dies nicht mögen solltest, den Fisch etwas länger durchgaren.

    ANRICHTEN

    Salatblätter mit Tomatenwürfel auf die Mitte der Teller legen. Mit etwas Vinaigrette beträufeln und mit ein wenig Salz und schwarzem Pfeffer würzen. Jede Lachstranche von der Oberseite aus mittig ein-, aber nicht ganz durchschneiden. Die beiden Schnittstücke je nach Gusto entweder aufgeklappt (Schmetterlingform) oder nicht aufgeklappt (auf meinen Fotos siehst Du mal jene, mal die andere Variante) mittig auf den Salat legen. Von den angebratenen großen Polenta-Rechtecken kleinere mundgerechte Stücke abbrechen und rund um den Lachs auf den Salat legen. Je eine karamellisierte Zitronenhälfte auf jeden Teller legen, so dass sich jeder Esser daraus ein wenig Zitronensaft auf die Polentastücke träufeln kann. Alternativ die Zitronenhälften zum Zugreifen in der Tischmitte auf einem Teller platzieren.

    Ganz wichtig! Spätestens jetzt solltest in jedem Glas ein wenig vom gut gekühlten Rosé funkeln . . . aber ich schätze mal, Du hast davon längst allen Essern etwas eingeschenkt, um schon mal vorab auf ein schönes Essen anzustoßen. In diesem Sinne: Wohl bekomm’s!

    Marinierter Lachs mit kross angebratener Sesam-Polenta auf Blattsalat vom Indischen Senf und Brunnenkresse mit Leindotteröl-Vinaigrette und Tomatenwürfel..
    Verträgt sich bestens mit Rosé:
    Lachs mit Sesam-Polenta auf Salat vom Indischen Senf und Brunnenkresse mit Leindotteröl-Vinaigrette

    Kochtipps & Bezugsquellen

    Brauner Senf: Die Blätter vom Braunen Senf (brassica junce), der wegen seiner Herkunft auch Indischer oder Chinesischer Senf genannt wird, sind im Lebensmittelhandel noch nicht allzu verbreitet. Brauner Senf ist streng genommen keine Senfpflanze, sondern gehört zur Gattung der Kohlgewächse. Nicht nur die Senfsamen, auch die Blätter und Blüten des Braunen Senfs sind essbar – sowohl roh im Salat als auch gegart als Gemüse. Die Form der Blätter des Brauen Senfs reicht von oval bis gerippt, die Farbe von grün bis grün-violette. Sehr gut in der Küche nutzen lassen sich die mildwürzigen, kaum nach Senf schmeckenden Blätter für Salate oder als grüne Komponente im Burger und Sandwich, auf Suppen und für Wok-Gerichte.
    Du hast kein Glück und bekommst Blätter vom Brauner Senf nicht im Lebensmitteleinzelhandel? Dann schaue doch mal in der Kräuterabteilung von größeren Gartencentern mit einer gut sortierten Kräuterabteilung. Dort habe ich für mein Gericht jüngst Töpfe vom Braunen Senf, die dort unter dem Namen „Tiger Senf“ gehandelt wurden, gefunden. In der Kräuterabteilung des Gartencenters gab es übrigens auch kleine Töpfe mit Brunnenkresse, die ebenfalls im Lebensmittelhandel frisch nur selten zu bekommen ist.

    Leindotteröl bitte nicht mit Leinöl verwechseln, denn beides wird aus zwei völlig verschiedene Pflanzen erzeugt. Lein oder Flachs gehört zur Familie der Leingewächse, aus denen die bekannten Leinsamen gewonnen werden. Durch Pressen der Samen entsteht Leinöl. Frisch schmeckt es leicht nussig und heuartig. Leindotter gehört hingegen wie Senf und Kohl zu den Kreuzblütengewächsen. Leindotteröl* wird durch das Pressen aus den reifen Samen der uralten und gelb blühenden Kulturpflanze gewonnen und hat eine satte gelbe bis gelbrote Farbe sowie einen milden Geschmack, der an frische Erbsen und grünen Spargel erinnert. Das Öl des Leindotters hat einen sehr hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäure, Alpha-Linolensäuren sowie Vitamin E, alles positive Bausteine für eine gesunde Ernährung. Das schonend und kalt gepresste Öl ist aber sehr licht- und hitzeempfindlich, weshalb es beispielsweise nicht zum Anbraten benutzt werden sollte. Zudem sollte es kühl gelagert und nach dem Öffnen schnell binnen ca. 6 bis 7 Wochen verbraucht werden.

    Gib mir mehr Sesampolenta: Die oben genannte Menge Sesampolenta reicht für das Essen und die angegebene Personenzahl völlig aus, aber ich hatte ja schon erwähnt: Mach‘ ruhig gleich die doppelte Menge! Warum? Nun, die Kombination der nussigen Sesampolenta mit Zitrone, die beim Ausdrücken des säuerlich-frischen Saftes auch immer etwas Süße vom karamellisierten Zucker mitnimmt, ist auch solo genossen eine Wucht. Bei uns ist es deshalb inzwischen gute Familientradition geworden, dass wir beim gemütlichen Zusammensitzen nach dem Essen übrig gebliebene Polenta mittig auf den Tisch stellen. Von der darf sich dann jeder am Tisch kleine Stücke abbrechen, mit karamellisierter Zitrone beträufelt und als Fingerfood wegknabbern. Das klappt aber so richtig gut nur, wenn auch tatsächlich ausreichend Polenta übrigbleibt. Also mein Tipp: Gleich die oben angegebene Menge der Polenta verdoppeln und alles in einem Schwung ausbraten, dann bist Du auf jeden Fall auf der sicheren (Reste-)Seite.


    WEIN-TIPP

    Winzer Jakob Schneider kann Riesling, das ist keine Frage! Über 80 Prozent der 25 Hektar Rebfläche des 1575 in Niederhausen an der Nahe gegründeten Familienweingutes sind mit der „Königin der weißen Rebsorten“ bestockt. Aus den Trauben keltert die Familie trockene sowie rest- und edelsüße Weißweine, die zu den besten des Landes zählen. In allen renommierten deutschsprachigen Wein-Führern wird der Betrieb hoch bewertet und Jahr um Jahr mit hohen Bewertungen bedacht. Nahezu unbemerkt ist dabei aber, dass Jakob Schneider seit einigen Jahren auch Schöpfer eines exzellenten Spätburgunders ist, der ebenso wie die Weißweine aus dem Weingut Jakob Schneider eine Top-Qualität zum nahezu unverschämt günstigen Preis bietet. Den im Barrique ausgebauten Spätburgunder Niederhäuser Rosenheck trocken habe ich hier im Blog vor einiger Zeit zur Entenbrust auf Portweinsauce mit Kürbisspalten und Kartoffel-Mangold entkorkt und empfohlen, heute begleitet der Spätburgunder Rosé trocken des Jahrgangs 2018 das Essen.

    Rosé Wein aus dem Weingut Jakob Schneider von der Nahe.
    Der neue Spätburgunder Rosé trocken aus dem Weigut Jakob Schneider.

    Ein Premiere-Wein, denn ein Rosé aus Spätburgunder in der trockenen Ausbaurichtung stand bislang nicht auf der Verkaufsliste von Familie Schneider. Und es ist eine sehr gelungene Premiere, denn der Rosé trocken Jahrgang 2018 (7,50 Euro die Flasche) vermag in Kombination mit dem ausgewählten Gericht vom ersten Schluck an zu überzeugen.

    Der weiß gekelterte Spätburgunder schimmert in einem zarten Lachsrosa im Glas und schlägt dadurch bereits optisch eine Brücke zum Lachs-Filet auf dem Teller. Aber nicht nur im Auge, sondern auch am Gaumen greifen Wein und Speise exzellent ineinander. Eine Melange von roten Beeren (Walderdbeeren, Brombeere) und reifen Boskoop kennzeichnen den Duft des Rosés, am Gaumen präsentiert sich der Wein schlank und saftig. Feine vegetabile Aromen ergänzen das Fruchtspiel und greifen das „grüne“ Aroma des Leindotteröls auf. Zugleich beginnt eine zarte nussige Note „mitzumischen“, die hervorragend zum Sesamaroma der Polenta harmoniert. Die Polenta wiederum bietet durch ihren milchigen Schmelz der fruchtigen Spritzigkeit des Rosés ein behagliches und pufferndes Bett. Im Nachhall treten die Zitrusfrüchte-Noten des Weines verstärkt ins Rampenlicht, sie verschränken sich mit der Frische und Säure der kleinen Tomatenstücke und bilden im Zusammenspiel mit dem Saft der karamellisierten Zitrone einen glockenklaren Schlussakkord für dieser Speise-Wein-Komposition.

    Lachs mit kross angebratener Sesam-Polenta auf Blattsalat vom Indischen Senf und Brunnenkresse mit Leindotteröl-Vinaigrette und Rosé Wein von der Nahe.


    Fazit: Passt! Der Spätburgunder Rosé trocken Jahrgang 2018 aus dem Weingut Jakob Schneider ist ein würdiger Begleiter für dieses Essen. Zugleich ist er aber auch ein Beleg dafür, was Rosé aus Deutschland heute zu leisten vermag. „Was, die Rotweintrauben sind nicht richtig rot oder reif geworden? Macht nix, machen wir halt Rosé draus.“ Es mag Zeiten gegeben haben, wo bei Winzern so eine „Denke“ verbreitet war, und aus jener Zeit mag wohl auch das Vorurteil stammen, das Roséwein eine Verlegenheitslösung und zudem sehr süßlich im Geschmack ist. Aber diese Zeit ist (zum Glück) vorbei! Qualitätsorientierte Winzerinnen und Winzer heute haben den Trend zu hochwertigen Rosé längst erkannt. Sie halten es wie die Franzosen, wo die Rosé-Weinbereitung seit jeher als hohe Kunst verstanden wurde, und bringen gleichermaßen frische und fruchtige sowie „ernsthafte“ Rosés mit Charakter hervor.

    Ein Wein genau dieser Machart ist der Schneider‘sche Spätburgunder Rosé trocken: Ein klassischer Sommerwein schlechthin, bei dem sich Assoziationen an Süden, Sonne und Lebenslust wie von selbst einstellen und der sich als exzellenter Begleiter speziell zu Vorspeisen und leichten Gerichten anbietet. Zugleich aber auch ein ernstzunehmender Solist, der mit seinem Tannin- und Säuregerüst für ordentlich Griff am Gaumen sowie Tiefe und Struktur sorgt. So mag ich das!

    Lachs Tranchen mit kross angebratener Sesam-Polenta auf Blattsalat vom Indischen Senf und Brunnenkresse mit Leindotteröl-Vinaigrette und Rosé Wein von der Nahe.

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    Foto roher Lachs: Caroline Attwood  |  Foto See: Juan Davila
    Restliche Fotos: Moderne Topfologie

    Beim Bart(h)e des Propheten - was für eine Weinkollektion!

    Wein vom Weingut Christopher Barth in Rheinhessen.


    25|06|2019   "Beim Bart(h)e des Propheten" rufe ich in unsere kleine Runde . . . und ein ebenso einstimmiges wie lautstarkes "Aber hallo!" kommt als Bestätigung zurück.
    Es ist früher Nachmittag, wir sitzen im Auto und fahren Heim ins schöne Naheland. Vom rheinhessischen Dörfchen Weinheim aus, das zur Stadt Alzey gehört, sind es quer übers Land bis an die Nahe nur knapp 25 Kilometer, keine große Sache also. Größer, langanhaltender und um etliche Kilometer ausgedehnter ist da (bildlich gesprochen) schon die Überraschung, die wir einige Augenblicke zuvor im Weingut Christopher Barth erleben durften. Das kam unerwartet . . .

    Weingut Christopher Barth in Alzey-Weinheim in Rheinhessen.
    Die kleine Hofreite in Alzey-Weinheim. Hier keltert Christopher Barth seine Weine.  Foto: Weingut Barth


    Überraschung ist, wenn etwas deinen Erwartungshorizont auf unerwartete Weise durchbricht, durcheinanderwirbelt, verwirrt und auf den Kopf stellt, und genau das erlebten wir bei der Jahrgangsprobe am vergangenen Sonntag im kleinen, nur knapp fünf Hektar umfassenden Weingut des jungen Winzers Christopher Barth im rheinhessischen Hügelland westlich von Alzey. Gelandet waren wir hier durch Gevatter Zufall. Irgendwann in der Vorwoche war bei einem meiner Facebook-Besuche eine Veranstaltungankündigung eines mir unbekannten Weingutes aufgepoppt. Passiert bei mir ständig. Weiterscrollen, weiterscrollen . . . hmmmm . . . stopp! Das der Einladung zur Jahrgangspräsentation beigefügte Foto zeigt was Interessantes. Die Etiketten auf den zwei Weinflaschen sehen ungewöhnlich aus, nicht schlecht! Welches Weingut ist das? Barth? Kenn' ich nicht. Und wo ist das? Ah, Alzey in Rheinhessen. Ist ja gar nicht so weit weg. Wann? Am Sonntag. Hm, da hab' ich noch nichts Spezielles vor. "Neuer Jahrgang. Neue Weine. Neue Flaschen. Neue Etiketten. Und das Ganze im neuen Garten" lautet der Einladungstext zu Veranstaltung. Gibt also viel Neues zu entdecken dort, hm, das macht neugierig. Und da schau her, das Gesicht eines Bekannten taucht in der Teilnehmerliste auf. Winzer Phil Klein, der bei mir an der Nahe "um die Ecke" wohnt und über den ich bereits eine´ Blog-Reportage geschrieben hab', will da auch hin. Na sowas! Sollte ich dann nicht vielleicht auch . . .


    Winzer Christopher Barth bei der Jahrgangspräsentation.
    Legte 2012 als Quereinsteiger und Autodidakt mit dem Weinmachen los (l.): Christopher Barth.


    Schnell zu Google gewechselt und "Weingut Christopher Barth Alzey" eingetippt. Hm! Da ist die Homepage des Gutes . . . aber ansonsten sind nicht so viele Treffer zu finden. Ok, ist offenbar ein junges, wohl noch nicht so bekanntes Gut. Was lässt sich denn zutage fördern? Aha, ist ein Quereinsteiger der Christopher Barth. Zunächst Informatik studiert, dann in "die Weinbütt gesprungen", als der Onkel verstarb und dessen kleines Gut auf der Kippe stand. Er hilft aus, findet Gefallen am Weinbau, macht eine Winzerlehre (in den rheinhessischen Weingütern Rappenhof und Wittmann) und hängt ein Weinbaustudium in Geisenheim dran. Naturverbunden ist er, die Rebflächen werden biologisch bewirtschaftet, der Betrieb ist Bioland-Mitglied. Will, so heißt es auf der Homepage, "Weine ohne überflüssige Technik" machen. "Im Weinberg arbeiten wir mit der Natur, im Keller wird auf sie vertraut." Aha! Auf der Weinliste am Fuß der Homepage taucht auch ein "Melaphyr Riesling" auf. Interessant. Dieses Vulkangestein gibt's als Rebgrund an der Nahe auch, in Rheinhessen ist es hingegen eher selten zu finden. Unter dem Titel "Handwerk" sind auf der Liste zudem vier Weine aufgeführt, die als "Unikate von besonderer Machart und mit einzigartiger Struktur" beworben werden. Könnten Naturweine sein, möglicherweise auch Orange-Weine?

    Here we are! Jahrgangsprobe im Weingut Christopher Barth 


    Ok, was haben wir also: Quereinsteiger, junger Winzer, junges Weingut, relativ unbekannt. Kleines Weinsortiment (knapp über zehn Weine), darunter möglichweise einige Naturweine. Hmmm, hinfahren? Ja, nein, vielleicht? Ach komm, warum nicht! Probieren wir halt mal was Neues aus. Meine Erwartungshaltung? Gespannt, aber "mit Deckel drauf", ist ja alles noch so jung da. Wir fahren, kommen an, werden im kleinen Garten des Gutes freundlich von Christopher Barth zur Open-Air-Jahrgangspräsentation begrüßt. Mit den Gutsweinen geht die Probe los, drei Weine zu 9 Euro stehen auf der Liste.

    Weißwein aus dem Weingut Christopher Barth in Rheinhessen.


    "Hm, neun Euro", denke ich so bei mir, "das ist ja schon ne gehörige Hausnummer für nen Einstiegswein, da traut sich aber einer was." Der erste Gutwein kommt ins Glas, eine Cuvée aus Grau- und Weißburgunder vom neuen Jahrgang 2018, und siehe da . . . "Hier traut sich einer was zu Recht!", höre ich mich innerlich ausrufen. Der Wein hat mich sofort am Haken. Die Cuvée aus rund 80 Prozent Grauburgunder (im Edelstahl ausgebaut) und 20 Prozent Weißburgunder aus dem Holzfassausbau zeigt eine fein herausgearbeitete Fruchtaromatik, eine tolle Mundfülle und Tiefe und eine für den trockenen und heißen Jahrgang 2018 erstaunliche Feingliedrigkeit und Frische. Das ist nicht nur "ganz gut gemacht", das ist "richtig gut gemacht"! Neun Euro die Flasche Gutswein? Gekauft! Der zweite Tropfen aus der Gutsweinlinie, der Silvaner 2018, wandert ins Glas. "Ob das jetzt so weiter geht?", murmele ich mir innerlich zu. Oha, es geht! Ein toller Silvaner von rund 30 Jahre alten Rebstöcken. Saftig, getragen von einer schönen Apfel- und dezenten Quittearomatik, durchwirkt von Heu- und Kräuterdüften und einer kristallinen Frische. Das ist definitiv klasse! Die Hitze unter meinem Kessel mit Erwartungshaltung, sie steigt. Da baut sich schon gehörig Dampfdruck auf und der aufgelegte Deckel kommt ins Wackeln.

    Silvaner Weingut Christopher Barth in Rheinhessen.


    Auch der Gutswein Riesling trocken 2018 kann sich schmecken lassen, mehr noch aber der spontan vergorene und unfiltriert gefüllte Melaphyr Riesling trocken Jahrgang 2017 aus der Ortsweinkategorie, den Christopher Barth für 13 Euro die Flasche verkauft. Zarte Noten von reifem Apfel, Pfirsich und exotischen Früchten verschränken sich bei diesem Wein aus dem Alzeyer Rotenfels mit einer rauchig-mineralischen Seele und einem vibrierenden Säurespiel zu einem kleinen, aus vulkanischem Melaphyr-Gestein gehauenen Rieslingmonument. Bäm, der Deckel ist davongeflogen.

    Nicht minder beeindruckend ist der 2017er Alzeyer Weißburgunder trocken Ortswein (14,50 Euro), der spontan vergoren, im Tonneau 18 Monate ausgebaut und unfiltriert gefüllt wurde. In Duft und Geschmack ist der Weines zwar erkennbar, aber sehr balanciert vom Holzfassausbau geprägt, die Fruchtaromen (Birne, Quitte, Lindenblüte, Zitronengras . . .) dürfen auf einem dünnen, auf Hochglanz polierten Parkett tanzen und tanzen und tanzen.

    Jahrgangsprobe im Weingut Christopher Barth in Rheinhessen.


    So, bis hierhin ist unser kleines Verkostungsteam extrem positiv überrascht, aber jetzt, haha, jetzt kommt bestimmt der Umschwung, jetzt geht runter ins tiefe Tal. Auf der Probenliste folgt die Kategorie Handwerk, und hinter der verbergen sich, wie Christopher Barth bestätigt, die Naturweine. Wein naturnah und mit möglichst wenig Hilfsmitteln und Zusatzstoffen zu erzeugen, das ist in der "jungen Weinszene" Trend, aber einer, der mich bislang ziemlich kalt gelassen hat. Zuviel an Gerbstoff, an wuchtiger Breite und gemüsiges Aroma, zuwenig an Säure, Finesse und animierenden Fruchtspiel. Was sich unter dem Begriff Natur- beziehungsweise Orange Wine tummelte, überzeugte mich in der Vergangenheit nur allzu oft nicht. Also, lieber rheinhessischer Jungwinzer aus Alzey-Weinheim, uffpasse, jetzt wird's ernst.

    Der Naturwein "Zwei Zimmer, Küche, Barth" aus dem Weingut Christopher Barth in Rheinhessen.


    "Keine Vorklärung, keine Anreicherung, keine Entsäuerung, keine Reinzuchthefen, keine Kühlung, keine Schönung, keine Filtration und nur eine minimale bis gar keine Schwefelung", erläutert der quereingestiegene Winzer die Marschrichtung für seine Naturwein-Vinifizierung. Der erste Handwerk-Wein Jahrgang 2018 mit dem Wortspiel-Namen "Zwei Zimmer, Küche, Barth" wandert ins Probierglas. Wir riechen, wir probieren, wir starren uns an, und, und, und . . . sind vom Donner gerührt. Ja, der oxidative Ausbaustil zeigt sich bereits in der Nase, das ist definitiv anders, . . . aber gut. Sehr gut sogar! Der Duft des ungeschwefelt gefüllten Weines erinnert mit seiner leichten Mandelnote, einem Hauch von frischem Sauerteigbrot und Wildkräutern an einen Sherry Fino, am Gaumen präsentiert sich der "Zwei Zimmer, Küche, Barth" dann sehr trocken sowie erfreulich leicht. Neben den nussigen Noten ist ausreichend Platz für ein Spiel feiner Fruchtaromen (Orangenzesten, exotische Gelbfrüchte, Zitrus, schwarze Johannisbeere) und eine angenehme Frische und Feingliedrigkeit durchweht den aus Weißburgunder (60 Prozent) und Sauvignon blanc gekelterten Naturwein. Das lässt sich richtig gut trinken und sofort rattert eine Reihe von Gerichten mit Meeresfrüchten an meinem inneren Auge vorbei, zu dem dieser Wein (kostet 12 Euro die Flasche) "wie Bombe" passen würde.

    Weinprobe im Weingut Christopher Barth in Rheinhessen.
    Jahrgangspräsentation im Weingut Chr. Barth: Kurze Probenliste mit großem Überaschungspotential. 


    Handwerk-Wein Nr. 2 ist im Anmasch, ein Rosé. "Aus 100 Prozent Portugieser gemacht", erläutert Christopher Barth beim Einschenken. Was soll ich sagen . . . und wieder gibt's einen auf die Glocke. Von einem mit aufdringlicher Frucht und klebriger Restsüße ausgestatteten Rose'chen zahnloser Machart ist dieser Barth'sche Naturwein Jahrgang 2018 meilenweit entfernt. Dieser Rosé (15 Euro die Flasche) hat Griff und Kante, sein mit kleinen Bratäpfeln, rosa Weinbergspfirsich, Sauerkirsche und Preiselbeere verziertes Kleid umschmiegt einen straffen Körper, der mit Leichtigkeit und Frische über die Zunge tanzt. Und wieder rattert eine ganze Phalanx von Speisen an meinem inneren Auge vorbei, die sich mit Sicherheit hervorragend mit diesem Tropfen kombinieren ließen: Lachs und grüner Spargel, Iberico-Steaks in Tomatensauce, mediterranene Salate, Tortilla und Frittata, Pasta mit Muscheln oder Langostinos, gegrillte Garnelen, Tapas und Pinchos und, und, und . . .

    Der Rose Naturwein aus dem Weingut Christopher Barth in Rheinhessen.


    Als Fassprobe vom Jahrgang 2018 schenkt Christopher Barth den Silvaner aus der Handwerk-Linie (18 Euro) ein. Und ja, Ihr erratet es wahrscheinlich schon, auch dieser ist eine Zierde für die Naturwein-Zunft, und ist bereits jetzt in seinem noch jungen Reifestadium von der Grandessa eines großen burgundischen Weißweis umweht. "Erinnert mich von der Statur her an einen Spitzenwein des rheinhessischen Silvaner-Flüsterers Michael Teschke", raunt mir meine Probepartnerin zu. Ich stimme zu.

    Der Sauvignon Blanc 2018 für ebenfalls 18 Euro die Flasche bildet den Abschluss der Handwerk-Weinreihe. Muss ich noch viel erläutern? Ihr könnt's euch denken. Auch dieser Naturwein haut uns aus den Socken. Weiße Johannis- und Stachelbeere, Mango und Maracuja umschmeicheln die Nase, am Gaumen vereinen sich die Fruchtnoten mit einem zarten Sherry Fino Touch (Mandeln, Nüsse) und einem griffigen Tanninzug, das ist aller Naturwein-Ehren wert.

    Winzer Christopher Barth aus Alzey in Rheinhessen.
    Christopher Barths Weinlagen liegen westlich der Stadt im vom Melaphy geprägten Alzeyer Rotenfels und Weinheimer Kapellenberg sowie seit neustem auch in der Kalksteinlage Alzeyer Römerberg östlich der Stadt.


    Aus die Maus? Ne, nicht ganz. Denn einen Wein hat Quereinsteiger-Winzer Barth auch in Rot. Eine Pinot Noir 2015/2016 Jahrgangscuvée zu 15 Euro das Burgunderfläschen. Neee, willste mir doch jetzt nicht erzählen, dass er auch noch Spätburgunder kann. Doch, kann er! Und zwar einen von ganz eigenständiger Typizität. Das hier ist weder der speckig-rauchige noch mit Barrique-Tannin vollgepumpte Typ, noch ein blassrotes und mildsüßliches Früchtchen. Das feingliedrige und betörende Duftspiel von roten Früchten, (kleine weiße Erdbeeren, rote Waldbeeren) ist vielmehr verpackt in einen kräftigen, durch feines Tannin gestützten und dunkelroten Körper, der mit extrem viel Schmelz ausgestattetet ist und wie feinstes Samt über die Zuge gleitet. Volltreffer! Wer diesen Spätburgunder nicht mag, der mag einfach keinen Spätburgunder! (Doch ich mutmaße hier mal, dass selbst dieser "Uhhh-Spätburgunder-mag-ich-ja-echt-gar-nicht-gerne"-Weintrinkertypus diesen Barth'schen Pinot Noir lieben wird.)

    Überraschung ist, wenn etwas deinen Erwartungshorizont auf unerwartete Weise durchbricht, durcheinanderwirbelt und auf den Kopf stellt. Chapeau, Jungwinzer Barth, diese kleine Weinkollektion ist wahrlich eine reife Leistung, beim Bart(h)e des Propheten!

    Weinkiste vom Weingut Christopher Barth in Rheinhessen.

    Fotos: Moderne Topfologie