Walking Duck Gin - preisgekrönter Gin aus Guldental an der Nahe

Walking Duck Gin Sortiment


13|02|2025   Wozu Neugier doch führen kann: Benjamin Stichnoth aus Guldental an der Nahe hat sich vom interessierten Tüftler zum erfolgreichen Gin-Produzenten entwickelt. Für seinen Walking Duck Gin heimste er schon mehrfach Preise ein.

Dass dem 42-Jährigen in seiner selbstgebauten Destille ganz hervorragende Gins gelingen, davon sind mittlerweile längst nicht nur Freunde und Verwandte überzeugt: Vier seiner "New Western Dry"-Gins mit klingenden Namen wie "Bergamotte Barrique", "Blue Raspberry" und "Mamaguti" erhielten bereits  Goldmedaillen bei der DLG-Prämierung, und 2022 wurde er sogar mit dem Bundesehrenpreis ausgezeichnet – eine der höchsten Auszeichnungen für Spirituosen in Deutschland. „Dabei habe ich meine Gins anfangs nur eingereicht, um sicherzugehen, dass ich auch alles richtig mache“, erzählt er. Stolz ist der Guldentaler auf die Auszeichnungen natürlich trotzdem: „Besonders für einen Quereinsteiger wie mich ist das schon etwas Besonderes“, findet er.


Benjamin Stichnoth, Inhaber von Walking Duck Gin
Gin-Erzeuger Benjamin Stichnoth an seiner selbst ausgetüftelten Destille.

Preisgekrönte Spirituose aus Guldental: Walking Duck Gin


Am Ende kann Benjamin Stichnoth gar nicht so genau sagen, was den Ausschlag dafür gegeben hat, sich selbst als Gin-Produzent zu versuchen. War es nun die Freude am Wacholderschnaps selbst – oder die technische Herausforderung? Klar ist: Irgendwann reifte in dem Maschinenbauingenieur aus der Weinbaugemeinde Guldental an der Nahe, der hauptberuflich Traktoren entwickelt, die Überzeugung, dass das mit der Gin-Produktion doch nun wirklich nicht so schwierig sein kann. 


»So schwer kann das doch nicht sein!«
Benjamin Stichnoth


Also bastelte er sich aus Labor-Geräten seine erste kleine Destillationsanlage und verschlang Fachliteratur über Aromen und Destillation, um ein Gefühl für die richtigen Zutaten und deren Zusammenspiel zu bekommen. Denn eins stand für den 42-Jährigen von Anfang an fest: "Ich wollte nicht einfach fertige Geräte kaufen, sondern die Technik dahinter wirklich verstehen." Und so starteten bald darauf im heimischen Keller die ersten Brennversuche, in denen Stichnoth verschiedene Botanicals - also die pflanzlichen Beigaben, die einem Gin seinen charakteristischen Geschmack verleihen - ausprobierte. "Es war viel Experimentieren: mal mehr Zitrone, mal weniger Wacholder, und dann immer wieder probieren, was besser passt,“ sagt er. Besonders großen Wert legt er dabei von Anfang an auf frische hochwertige Zutaten: „Mir ist wichtig, dass man die Qualität sofort schmeckt", so Stichnoth. Er verzichtet bewusst auf getrocknete Früchte oder künstliche Zusätze und setzt stattdessen auf frische Botanicals. 


Walking Duck Gin


Eine weitere Besonderheit der "Walking Duck Gins": Stichnoth brennt "New Western Dry Gins". Bedeutet: Im Unterschied zum Dry Gin oder bekannten London Dry Gin muss bei einem "New Western Dry"-Gin nicht der Wacholder die vorherrschende Geschmacksrichtung sein. Andere Botanicals dürfen in ihrer in der Geschmacksintensität gleichwertig mit dem Wacholder sein – oder diesen sogar übertreffen. "Und das erlaubte kreativen Destillateuren völlig neue Kombinationen und Geschmacksrichtungen", so Stichnoth. Und so kombiniert der Guldentaler bei seinem Gin "No.1" unter anderem frische Yuzu-Schale und frisch gepressten Yuzu-Saft mit dezent geröstetem Sesam zu Rosmarin, Basilikum, Salbei, Orangenschale. Beim Gin "Bergamotte Barrique" spielt er mit den herben Zitrusnoten der Bergamotte in Kombination mit einer sechsmonatige Lagerung in alten Rumfässern , beim "Blue Raspberry"-Gin geben frisch mazeriere und destillierte „Aroma Queen“-Himbeeren von der eigenen Streuobstwiese den (aromatischen) Ton an und beim Gin "Mamaguti" spielen Mango, Maraquja, Guave und Timut-Pfeffer neben dem Wacholder die erste Geige.


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Vorbeiwatschelnde Ente als Namenspate für den "Walking Duck Gin"



Zurück zur "Walking Duck"-Entstehungsgeschichte: Familie und Freunde durften als "Versuchskaninchen" herhalten – und ihr Feedback floss in die Verfeinerung der ersten Rezepte ein. Nach rund zwei Jahren des Tüftelns, Experimentierens und Verkostens hatte der passionierte Gin-Fan schließlich ein Rezept beisammen, mit dem er zufrieden war – und das auch heute noch die Basis seines "Walking Duck Number One"-Gins ist. Was noch fehlte, war ein Name für Kreatin: Den steuerten Laufenten die im Garten von Familie Stichnoth leben. Just als der Gin-Brenner über einen passenden Namen für sein Getränk grübelte, watschelte eine der Enten fröhlich an ihm vorbei - der Rest ist Geschichte.

Neben dem ersten eigenen Gin-Rezept war allerdings eine weitere Erkenntnis gereift: Für ambitioniertere Mengen war die Test-Destille Marke Eigenbau deutlich zu klein. Eine Größere musste her – und auch hier kam ein Modell von der Stange für Stichnoth nicht in Frage. „Es hat mich einfach gereizt, die Technik selbst zu entwickeln“, sagt er. "Ich wollte alles genauso haben, wie ich es mir vorstelle."


Weitere Besonderheit: Eine Destille Marke Eigenbau


Gesagt, getan: Die Brennkammer, das Herzstück der neuen Destille, entwarf er selbst am Computer. 520 Liter fasst sie. Zum Vergleich: Seine ursprüngliche Test-Destille hatte eine Kapazität von gerade einmal fünf Litern. Besonders stolz ist Stichnoth auf das Kühlsystem, das er selbst für seine Destille entwickelt hat: Statt stetig mit frischem Leitungswasser zu kühlen, nutzt er einen geschlossenen Wasserkreislauf, der mit Hilfe von Autokühlern und einer Zirkulationspumpe arbeitet. Ein alter Milchkühler sorgt dafür, dass das Wasser konstant kühl bleibt. "Das System kühlt damit nicht nur effizient, sondern spart auch jede Menge Wasser", erklärt er. Den Strom für die Anlage liefert größtenteils eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. In der selbst entworfenen Destille entstehen nun pro Brennvorgang rund 450 Flaschen Walking Duck Gin, und das etwa vier bis fünf Mal im Jahr. "Das ist schon eine ganze Menge", sagt Benjamin Stichnoth, "aber immer noch überschaubar genug, um den handwerklichen Charakter zu bewahren."


Das Gin-Sortiment von Walking Duck Gin
Das aktuelle "Walking Duck Gin"-Sortiment.


Das Angebot von "Walking Duck Gin" wächst weiter


Mittlerweile hat er sein Gin-Portfolio auf vier Sorten erweitert, die er regelmäßig produziert. Neben dem Walking Duck Gin „Number One“, der immer noch nach Stichnoths erstem Original-Rezept gebrannt wird, sind das ein fruchtiger Himbeere Gin ("Blue Raspberry"), der pro Charge mit sage und schreibe 150 Kilo frischen Himbeeren produziert wird, ein exotischer Mango-Maracuja-Gin (MaMaGuTi), der sich durch tropische Früchte und eine subtile Timut-Pfeffer-Note auszeichnet, und der "Bergamotte Barrique", der seinen speziellen Charakter durch eine sechsmonatige Lagerung in einem - extra aus Jamaica importierten - Ex-Rumfass erhält. Neben diesen Hauptsorten tüftelt Stichnoth regelmäßig an saisonalen Editionen und experimentiert mit neuen Aromen. "Mir macht das Experimentieren große Freude – es gibt immer neue Kombinationen, die ich ausprobieren möchte", unterstreicht er.

Wer Lust bekommen hat, den Walking Duck Gin aus Guldental zu probieren: Benjamin Stichnoths Gin gibt es derzeit in mehreren regionalen Geschäften und Restaurants, unter anderem im Guldentaler Dorfladen Gulina, bei Rewe Krüger in Bad Kreuznach, in den Weinkolonnaden und den Restaurants Kaiserhof Guldental, Im Kittchen und Im Gütchen (beide Bad Kreuznach). Zudem ist sein Gin in mehreren Weingütern erhältlich, zum Beispiel im Weingut Wolfgang Schneider Guldental, sowie im Online-Shop über die "Walking Duck"-Homepage. Dabei soll es aber nicht bleiben: Der passionierte Gin-Fabrikant hat jüngst das ehemalige Guldentaler Sängerheim  gekauft, das er nun Schritt für Schritt in einen Verkaufs- und Veranstaltungsraum umbauen möchte. Dort soll es dann auch regelmäßige Gin-Verkostungen und Brennkurse geben. Wer mehr erfahren möchte, kann sich auch darüber auf Benjamin Stichnoths Walking Duck Gin-Website weiter informieren.


Die Etikettier-Maschine von Walking Duck Gin
Die Etikettier-Maschine von "Walking Duck Gin".


Randnotiz

Und wie genau entsteht eigentlich ein guter Gin? Am Anfang steht hochprozentiger Alkohol, der landwirtschaftlichen Ursprungs sein muss – in Stichnoths Fall ist es meist Weizenalkohol. Der wird dann auf rund 60 Volumenprozent verdünnt, bevor dann die sogenannten Botanicals, also die Aromen, hinzugefügt werden. Wichtigste Zutat hierbei: Der Wacholder. Er sorgt für den typischen Gin-Geschmack. Die Zutaten werden in den Alkohol eingelegt und mazeriert, das heißt, sie geben ihre Aromen an die Flüssigkeit ab. Anschließend wird die Mischung erhitzt, sodass der Alkohol verdampft. In der Brennblase steigen die Alkoholdämpfe auf und werden durch das Kühlsystem wieder verflüssigt. "Am Ende kommt der Gin mit etwa 70 Prozent Alkohol heraus, er muss dann noch auf Trinkstärke verdünnt werden", so Stichnoth.
  

Text & Personen-Fotos: Robert Syska

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