Devon-Wein schlägt Perm-Riesling

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Jahrgangsprobe im Keller des Weingutes Jakob Schneider in Niederhausen an der Nahe


22|05|2014   Was haben Grauschiefer und Melaphyr gemeinsam? Klar, beides sind Gesteine - aber auch Rieslinge. Gauschiefer und Melaphyr taufte Winzer Jakob Schneider vor einigen Jahren seine beiden Gutsrieslinge, die als Türöffner den Weg zu den trockenen Lagen-und Premiumrieslinge aus dem Naheweingut frei machen. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, denn wer als Weintrinker schon am Anfang des Sortimentes ins Stolpern gerät, kommt anschließend schwerer (oder unter Umständen auch gar nicht mehr) in den richtigen Tritt. Vergangenes Wochenende war ich bei der Präsentation der neuen Schneider-Weine des Jahrgangs 2013 in Niederhausen und durfte beurteilen, ob und wie die beiden Gutsweine ihre Aufgabe erledigen. Soviel sei vorweggenommen: Mein Daumen zeigt nach oben!


Kampf der Gutsrieslinge im Weingut Jakob Schneider

Vor 350 bis 400 Millionen Jahren entstand im Erdzeitalter Devon aus Ablagerung von feinkörnigen Tonschlamm-Massen unter hohem Druck Schiefer. Zwei Erdzeitalter später, im unteren Perm, pumpten mächtige Vulkane vor circa 270 bis 250 Millionen Jahren Lavaströme auf die Erde, wovon die eindrucksvollen rötlich braunen bis dunkelbraunen Felsenformationen an der mittleren Nahe ein Zeugnis sind. Vulkanite (Porphyr und Melaphyr) sowie Grauschiefer - beide Gesteine sind für die Rebböden an der mittleren Nahe im besonderen Maße prägend. Folgerichtig also, dass Jakob Schneider seine beiden trockenen Gutsrieslinge Grauschiefer und Melaphyr taufte. Beide Weine markieren nicht nur den Einstieg in das Riesling-Sortiment des Weingutes, sondern spiegeln im Idealfall auch die stilistische Breite der Rieslinge wider, die vom schlanken, rassigen, nach Pfirsich und nassem Schiefer duftenden Wein bis zum kräftigen, druckvollen Riesling mit viel Würze und exotischen Aromen reicht.

Part eins übernimmt in der Regel der Devon-Wein Grauschiefer, Part zwei der Perm-Riesling Melaphyr. Bei meinen Verkostungen in den vergangenen Jahren fand ich den Melaphyr wegen seiner etwas kräftigeren und fruchtbetonteren Art oft einen Tick stärker als den Grauschiefer - in diesem Jahr ist es genau umgekehrt. Rassig und saftig rollt der Grauschiefer des Jahrgangs 2013 über die Zunge und verströmt dabei ein feines Aprikosenaroma. Der Nachhall wird von einer präsenten, aber nicht aufdringlichen Säure angefeuert, ist ausgesprochen würzig und für einen „einfachen“ Gutsriesling bemerkenswert lang. An so viel Spiel und Länge kann der Perm-Riesling Melaphyr 2013 nicht heranreichen, weshalb er dieses Mal gegen seinen Bruder aus dem Devon den Kürzeren zieht. Mein Tipp: Wer einen rassigen trockenen Riesling „für jeden Tag“ mit etwas Muskelschmalz und feiner Würze sucht, der greife (auch angesichts des ausgesprochen guten Preis-Genuss-Verhältnisses) zum Grauschiefer (Preis: 6,20 Euro pro Schlegelflasche).


Echt Premium? Mal probieren!

Das qualitative Versprechen, dass der Grauschiefer gibt, wird von den trockenen Lagenrieslingen Niederhäuser Hermannshöhle und Niederhäuser Felsensteyer auf höherem, sehr gutem Niveau bestätigt. Der Wein aus der Hermannshöhle, einer der weltweit bekanntesten deutschen Einzellagen, duftet verführerisch nach Pfirsich und spiegelt durch seine aromatische Komplexität und feine Würze die Gesteinsvielfalt der Hermannshöhle (Porphyr, Melaphyr, Schiefer und Sedimentgesteine) wider. Auf Augenhöhe bewegt sich der Riesling aus der Lage Felsensteyer (tiefgründiger, mit Schiefer und verwittertem Melaphyr durchsetzter lehmiger Boden), der im direkten Vergleich mit etwas weniger Würze, aber dafür mit etwas mehr Frucht den Gaumen kitzelt.

Winzer Jakob Schneider junior aus Niederhausen an der Nahe. #Nahe #Nahewein
Winzer Jakob Schneider.

Die beiden Rieslinge Norheimer Dellchen und Niederhäuser Hermannshöhle „Magnus“ markieren die trockene Spitze des Weingutes. Beide Weine des Jahrgangs 2013 bewegen sich meiner Einschätzung nach im Bereich „hervorragend“ (90 Parker Punkte plus) und tragen die die in der Weinpreisliste verwendete Bezeichnung „Premiumweine“ zu Recht. Ein Ziel von Jakob Schneider ist es, die Niederhäuser Weine, die seit alters her mit einer salziger Mineralität, mit viel Würze und einem spannenden Süße-Säure-Verhältnissen ausgestattet sind, mit „etwas mehr Kraft und Fülle“ auszustatten. Dies gelingt dem 31-Jährigen Winzer mit diesen beiden Rieslingen mustergültig. Der Wein aus dem Dellchen vereint Riesling-Eleganz mit einem samtig-kräftigen Körper, aromatischer Fülle (exotische Früchte, saftiger Pfirsich, Dörrobst-Aromen) und einem sehr langen und würzigen Nachhall. Im Vergleich dazu wirkt der Hermannshöhle „Magnus“ etwas maskuliner. Er gibt sich nicht ganz so schwelgerisch, beeindruckt aber nicht weniger durch seinen unglaublich dicht strukturierten Körper, einem konzentrierten Duft nach Pfirsich und Aprikose und einem immens langen Nachhall. Einen echten Favoriten kann ich hier nicht benennen - beide Weine sind großes Riesling-Kino und brauchen sich fürwahr nicht hinter „Großen Gewächsen“ nach VDP-Statut zu verstecken – und dies bei einem Preis von 13 (Dellchen) und 15 (Hermannshöhle „Magnus“) Euro pro Schlegelflasche.


Tanze Samba mit mir, tanze Samba die . . .

Ein nicht unerheblicher Teil der Trauben wird im Weingut Jakob Schneider restsüß ausgebaut. Zu Ehren der Seniorchefin, die in diesem Jahr ihren 80 Geburtstag feiert, trägt die restsüße Riesling Spätlese aus der Spitzenlage Hermannshöhle 2013 den Editionsnamen „Edith Elisabeth“. Die Benannte darf auf diesen Wein zu Recht stolz sein, er ist ausgesprochen elegant, verfügt über eine feine, nicht zu intensive Süße, ein intensives Aromenspiel (Pfirsich, Ananas, Rosenblätter) und eine perfekt eingebundene verspielte Säure - eine klassische Spätlese-Schönheit. Einen Tick drauf in Sachen Süße, Fruchtspiel und Saftigkeit legt die Spätlese aus dem Norheimer Kirschheck, die regelrecht „Samba“ im Glas tanzt und die sich locker gegen die Riesling Auslese aus der Hermannshöhle behauptet.

Die Riesling Spätlese aus der Hermannshöle wurde Seniorchefin Edith Elisabeth gewidmet. #Nahe #Nahewein
Eleganter Riesling für eine elegante Frau: Zu ihrem 80 Geburtstag widmete Enkel Jabob Schneider seiner Großmutter die restsüße Spätlese aus der Spitzenlage Hermanshöhle.

Freunde von edelsüßen Weinen sollten unbedingt einen Blick auf die Hermannshöhle Riesling Beerenauslese werfen, denn edelsüße Spitzenweine aus dem Jahrgang 2013 werden rar sein, und die Schneider-Beerenauslese bereitet durch ihre Dichte und Konzentration in Verbindung mit einer nur dezenten Botrytisnase und sehr hohen Klarheit eine große Trinkfreude (92+).

Ups: Spätburgunder überraschend gut!

Eine echte Überraschung liefert Jakob Schneider im Bereich der Rotweine ab. Die Rotweinbereitung spielt in dem klassischen Rieslingweingut eine eher untergeordnete Rolle, und auch die Spätburgunder konnten mich bislang nie so richtig überzeugen. Das hat sich mit dem jetzt vorgestellten Spätburgunder 2012 aus dem Barrique geändert. Entgegen der Vorgängerjahre versucht der auf grauem Schiefer gewachsene Spätburgunder nicht mit vordergründiger Frucht zu überzeugen, sondern durch Rasse und Würze. Das Aromaspektrum ist von Kirsche und Erdbeere hin zu Johannisbeere, Hagebutte, Bitterorange und etwas Gewürznelke verschoben, der Wein verfügt über einen klaren Schliff und die Barrique-Noten sind dezent und feinfühlig eingebunden. Weiter so! Geht es in diese Richtung (inklusive einer weiteren Steigerung von Konzentration und Körperfülle) weiter, dann - so mein Rat an Winzerfamilie Schneider - hat sich der Spätburgunger auch einen Umzug von der jetzigen Bordeaux-Flasche in die rebsortentypische (und viel, viel schönere) Burgunder-Flasche redlich verdient - oder nicht?

Das Gutsgebäude des Weingutes Jakob Schneider in Niederhausen an der Nahe. #Nahe #Nahewein
1575 gegründet: Das Weingut Jakob Schneider in Niederhausen an der Nahe.

Top-Ten-Platz verteidigt

„Die Formkurve des Weinguts Jakob Schneider aus Niederhausen weist seit Jahren steil nach oben“, so lautete das Urteil im Gault Millau WeinGuide 2012. Mein Fazit: Mit den Weinen des schwierig zu meisternden Rebjahrgangs 2013 setzt das Weingut diesen Trend fort und festigt eindrucksvoll seinen Platz unter den Top-Ten-Weingütern von der Nahe.



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