Höhen und (Un)Tiefen: Der Weinjahrgang 2013

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Kreuznacher Kahlenberg Riesling Spätlese trocken 2013 aus dem Staatsweingut Bad Kreuznach


09|06|2014   Was kann vom Staat schon Gutes kommen? Nun, zum Beispiel ein toller Riesling wie die 2013er Spätlese trocken aus dem Kreuznacher Kahlenberg vom Staatsweingut Bad Kreuznach. Die elegante, nach Pfirsich duftende Spätlese verfügt über einen straffen, kraftvollen Körper, in dessen Zentrum ein animierendes Säureherz schlägt. Der Wein gehört zur neuen Kollektion 2013 des Staatsweingutes, die in Teilen jüngst vorgestellt wurde. Bei der Präsentation sprach ich auch mit Udo Bamberger, Leiter der Abteilung Oenologie am Dienstleistungszentrum Ländliche Raum (DLR) Rheinhessen-Nahe-Hunsrück, über die Höhen und (Un)Tiefen des Jahrgangs 2013.


Jahrgangsprobe in Staatsweingut Bad Kreuznach

Als Landesbetrieb, der in Bad Kreuznach dem Dienstleistungszentrum Ländliche Raum (DLR) Rheinhessen-Nahe-Hunsrück und der Weinbauschule angegliedert ist, hat das Staatsweingut Bad Kreuznach als „Musterweingut“ unter anderem zu zeigen, wie sich weinbauliche Methoden in der Weinerzeugung auswirken und was in Sachen Weinanbau und Weinausbau „in einem Jahrgang geht und was nicht“. Und in 2013 ging - trotz des sehr schwierigen Leseherbstes - weitaus mehr als zunächst erwartet. Über die kleinen und großen Stolpersteine des neuen Jahrgangs und die Wege, diese als Winzer möglichst unbeschadet zu überspringen, sprach ich bei meinem Besuch im Staatsweingut mit Udo Bamberger, Leiter der Abteilung Oenologie am Dienstleistungszentrum Ländliche Raum (DLR) Rheinhessen-Nahe-Hunsrück.


Eins, zwei, drei im Sauseschritt, kam die Fäulnis und . . .

Sie kam, verbreitete sich rasend schnell und setzte der Traubengesundheit intensiv zu: Die zur Lesezeit 2013 grassierende Traubenfäulnis trieb den Winzern im Herbst 2013 auch im Weinland Nahe die Schweißperlen auf die Stirne. „Die Fäulnis kam so schnell, wie ich es noch nie zuvor gesehen habe“, blickt Udo Bamberger, Leiter der Abteilung Oenologie am Dienstleistungszentrum Ländliche Raum (DLR) Rheinhessen-Nahe-Hunsrück mit Sitz in Bad Kreuznach, auf einen „heißen“ Leseherbst zurück. Ist 2013 also ein Jahrgang, von dem die Weinfreunde nicht viel erwarten dürfen? Mitnichten! „Ja, es war kein einfacher Jahrgang für die Kellermeister. Und ja, der Jahrgang trennt sehr deutlich die Streu vom Weizen“, räumt Bamberger ein. Aber: „Nach Proben in mehreren Betrieben bin ich richtig begeistert davon, wie der 2013er im Glas steht. Das Ergebnis ist viel, viel besser, als es die schwierigen Bedingungen während der Lese vermuten ließen.“

Wer im vergangenen Jahr Mitte Oktober in Weinbergen unterwegs war, der konnte auch als Laie sofort erkennen, was den Winzern die Sorgenfalten auf die Stirn schrieb. Ende September präsentierten sich die Wingerte noch in einem „sensationellen Zustand“ (Bamberger), doch das sollte sich innerhalb von nur wenigen Tagen ändern. Wer denselben Weinberg zehn Tage später besuchte, dem bot sich nicht selten ein schockierender Anblick: Traubenfäulnis überall, die Edelfäule Botrytis hatte sich durch die anhaltend feuchte Witterung und die warmen Temperaturen explosionsartig verbreitet. Besonders getroffen wurden von dieser „Invasion“ dünnschalige Sorten wie der Riesling und alle Trauben, die weit in der Reife fortgeschritten waren. Etwas besser weg kamen dickschalige Sorten und Trauben, deren Reife durch einen klimatisch kühleren Standort verzögert war. „Die obere Nahe und die Seitentäler hatten 2013 in Sachen Fäulnisbefall die deutlich besseren Karten“, so der DLR-Chef-Oenologe.

Udo Bamberger, Leiter der Abteilung Oenologie am Dienstleistungszentrum Ländliche Raum (DLR) Rheinhessen-Nahe-Hunsrück, im Keller des Staatsweingutes Bad Kreuznach
Udo Bamberger (M.), Leiter der Abteilung Oenologie am Dienstleistungszentrum Ländliche Raum (DLR) Rheinhessen-Nahe-Hunsrück, im Keller des Staatsweingutes.

Was war angesichts der Fäulnisproblematik für die Winzer also zu tun. Den Turbo einschalten und alles so schnell wie möglich lesen? Wer so verfuhr, der hat mit Sicherheit das Potential des Jahrgangs verspielt. Denn eine schnelle und frühe Lese brachte dem Winzer zwar einen höheren Ertrag ein, allerdings auch Trauben, deren Säurewerte noch sehr hoch und deren physiologische Reife noch vergleichsweise niedrig war. Die mitunter nicht leicht zu lösende Aufgabe für qualitätsorientiere Winzer bestand also darin, unter schwierigen Rahmenbedingungen den „perfekten“ Lesezeitpunkt zu bestimmen. Einerseits galt es, die Lese möglichst weit nach hinten zu schieben, um einen Säureabbau und Reifeanstieg zu begünstigen, andererseits aber auch nicht so weit, dass durch die fortschreitende Fäulnis der Ausbau von reintönigen trockenen Weinen unmöglich gemacht wurde.


Hohe Extraktwerte puffern die Säure

Wer bei diesem Entscheidungsspiel Nervenstärke bewies, der wurde belohnt, zumal die Natur den Winzern noch einen kleinen Trumpf in die Hand spielte. „Optisch war die Traubenfäulnis nicht zu übersehen, aber geschmacklich wirkte sie sich viel weniger aus, als es nach dem Augenschein zu vermuten war. Die Moste, die von der Kelter liefen, haben nicht so geschmeckt, als wären die Trauben faul“, so Bamberg. Eine ähnlich positive Überraschung erlebten Winzer, die ihre Trauben möglichst lange am Stock beließen, in Sachen Säure. Die Werte bewegten sich im Vergleich zu anderen Jahren zwar immer noch auf einem hohen Niveau, aber ähnlich wie bei der Fäulnis machte sich dies geschmacklich nicht in einem Maß bemerkbar, wie es der rein analytische Wert befürchten lies. „Die Trauben brachten - auch durch die natürliche Ertragsreduktion in Folge der Fäulnis - hohe Extraktwerte mit, und diese puffern die etwas höhere Säure deutlich ab“, so die Analyse des DLR-Experten, dessen Fazit deshalb lautet: „Es sah während der Lese zunächst schlimm aus. Aber das Ergebnis im Wein ist viel, viel besser, als es der Augenschein zunächst vermuten ließ.“

Als Weinkonsument nicht vergessen sollte man aber, dass sich besonders in schwierigen Jahren die Spreu der schlechten Weine deutlich vom Weizen der guten trennt. Sprich: Der Jahrgang 2013 wird mit Sicherheit einige sehr gute bis exzellente Weine bereit halten, aber ebenso eine große Menge an Weinen, denen die sehr schwierigen Verhältnisse des Leseherbstes deutlich „anzuschmecken“ sind.


Vom rassigen Kabinett bis zum mächtigen Spätburgunder

Bei der Frühjahrsweinpräsentation des Staatsweingutes Bad Kreuznach wurde ein Teil der neuen 2013er Kollektion vorgestellt. Noch nicht präsentiert wurden unter anderem die beiden trockenen Riesling „S“-Weine, denen noch bis zum Herbst 2014 Reifezeit gegönnt wird. Hier einige Weinimpressionen:

  1. Riesling Kabinett trocken Kreuznacher Kahlenberg 2013: Schlanker, rassiger Riesling mit Pfirsichnoten und dezenten Anklängen von Kräutern, im Abgang Zitrus und Salbei. Schöner Terrassenwein.
  2. Riesling Spätlese trocken Kreuznacher Kahlenberg 2013: Elegante, nach Pfirsich duftende Spätlese Straffer, kraftvoller Körper und ein animierendes Säurespiel, das im Nachhall Aromen von Grapefruit, Pfirsisch, Mandarine und Kräutern zum Klingen bringt.
  3. Weißburgunder „S“ Kreuznacher Kahlenberg 2013: Cremiger, vollmundiger Burgunder mit saftiger Birne plus dezenten Anklängen von Orange und feinem Holz auf der Zunge, gehaltvoll und bestens balanciert.
  4. „Duett“ trocken Barrique 2011: Cuvee aus Früh- und Spätburgunder, opulent und kraftvoll, rollt samtig über die Zunge und betört mit Aromen von Amarenakirsche, schwarze Johannisbeere, Hagebutte, Bitterschokolade und Piment.
  5. Spätburgunder Auslese trocken Kreuznacher Hinkelstein Barrique: Extrem konzentrierter, dichter Spätburgunder, Kirsche, Hagebutte, Gewürznelke, sanfte Rauchnoten und immenser Nachhall. Bemerkenswert: Trotz 15 Volumenprozent wirkt der Burgunder keine Spur alkoholisch-bissig, sondern zugleich frisch und kraftvoll.

Randnotiz

Die nächste öffentliche Weinpräsentation des Staatsweingutes in Bad Kreuznach findet am Samstag, 20. September, von 9 bis 18 Uhr statt. An diesem Tag veranstaltet das Dienstleistungszentrum Ländliche Raum (DLR) Rheinhessen-Nahe-Hunsrück auf seinem Gelände auch einen großen Bauernmarkt, der nicht nur eine großen Fülle von Direkterzeugern aus der Region versammelt, sondern auch ein vielseitiges Informationsangebot, kulinarische Genüsse und ein Unterhaltungsprogramm für die ganze Familie bietet (Eintritt frei). Einen Besuch des bauernmarktes kann ich - speziell in Kombination mit der Weinverkostung (Eintritt: 8 Euro) im Keller des Stattsweingutes - nur empfehlen. Die Herbst-Präsentation des Staatsweingutes schließt sich dann am Samstag, 29. November, 11 bis 17 Uhr, an.


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