Blaufränkisch aus der 1-Liter-Flasche: Groszes Rotwein-Kino vom Eisenberg

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Blaufränkisch-Wein des Weingutes Groszer Wein aus dem Burgenland in Österreich.


26|04|2015   Sehen diese Weinetiketten nicht geil aus? Ja, die sehen geil aus! Und das Geniale ist: Nicht nur die Optik, sondern auch der Inhalt der Groszen Weine aus dem Südburgenland ist beeindruckend. Jüngst trudelte ein Weinpaket mit vier verschiedenen und via Online-Shop bestellten Blaufränkisch-Weinen des Weingutes Groszer Wein in Österreich bei mir ein. Drei davon habe ich bereits probiert - und alle drei kann ich Freunden von charakterstarken, eigenständigen und regionaltypischen Rotweinen ohne Einschränkungen empfehlen.


Groszer Wein vom Eisenberg im Südburgenland

Im hintersten Eck von Österreich liegt er, der Eisenberg. Am Übergang zur ungarischen Tiefebene und unweit von Slowenien schwingt es sich im Südburgenland im südlichsten Osten Österreichs plötzlich 415 Meter hoch in die Höhe. Wie ein Fischrücken liegt der Eisenberg in der Landschaft. Die Einheimischen nennen ihn daher auch nicht Berg - sondern Riegl - und richtig einheimisch schmecken auch die Wein, die das Weingut "Groszer Wein" aus den Trauben erzeugt, die auf und um dem Eisenberg wachsen. Die 2012er Rotweine des Gutes waren meine persönliche Entdeckung und Favoriten der jüngsten VDP Rheingau-Probe im Kloster Eberbach mit Gastwinzern aus dem
österreichischen Burgenland. Mit ihrer ausgefallenen Verpackung (die Weine werden ausschließlich in der 1-Liter-Flasche abgefüllt und tragen eigenwillig-verspielte Etiketten, die aus zeiten der k. und k. Monarchie zu stammen scheinen) und dem ungewöhlichen Weingutsnamen Grozer Wein zogen die Weine gleich mein Interesse an. Dass hinter dieser Verpackung mehr als ein bloßer Marketinggag steckt, erläuterte mir Kellermeister Markus Bach, ein gebürtiger Würzburger. Das Äußere spiegelt vielmehr wieder, was Salzburger Geschäftsmann Matthias Krön, der das Weingut durch eine Betriebsübernahme gründete, und sein Kellermeister inhaltlich vorgenommen haben: eine Rückbesinnung auf die traditionellen Werte und Charakterzüge des Eisenbergs. "Wir möchten den urtümlichen Charakter der Gegend ausdrücken, nichts abschleifen und das Wilde nicht verstecken", sagt Krön.

Kellermeister Markus Bach vom burgenländischen Weingut "Groszer Wein" aus Österreich. #MoToLogie #Wein
Kellermeister Markus Bach vom burgenländischen Weingut "Groszer Wein".

Genau das schmeckt man in den Weinen, die das von Schieferverwitterungsböden geprägte Terroir des Eisenbergs perfekt durch ihre urwüchsige Wildheit und Rasse perfekt zum Ausdruck bringen. Und das sieht man anhand der Flaschen. Die altmodische Schreibweise "Groszer Wein" ("sz" ist die alte österreichische Schreibweise für das heutige "ß") verweist ebenso auf die Urtümlichkeit wie die spielerischen Motive auf den Etiketten, die grafisch das ehemals ungarische Südburgenland im 19. Jahrhundert zitieren. Auch die Flaschengröße zitiert die ursprüngliche Tradition:
"Wir verwenden ausschließlich 1-Liter-Flaschen, denn die waren bis vor rund 40 Jahren das klassische Behältnis für Weine aus dem Südburgenland und ganz Österreich. Dann kam die 0,75-Liter-Bordeauxflasche in Mode, und die traditionelle Literflasche wurde auch bei uns fast vollständig verdrängt", so Kellermeister Markus Bach.
Es ist eine ebenso konsequente wie kluge Entscheidung, die Weine in 1-Liter-Flaschen zu stecken. Denn hat man erst einmal eine Flasche Blaufränkisch des Gutes "Grosze Weine" aufgeschraubt beziehungsweise entkorkt, wäre eine kleinere Flasche in Gesellschaft mit Sicherheit (zu) schnell geleert. Hinzu kommt: Auch Sorgen um angebrochene Flaschen braucht man sich der Konsument nicht zu machen, denn die Weine vertragen Luft aufgrund ihrer Struktur sehr, sehr gut. Ich habe bei meiner Heimverkostung angebrochene Flaschen bis zu drei Tage stehen lassen - und der Blaufränkisch (die deutsche Bezeichnung für die Rebsorte ist Lemberger) hat dadurch eher gewonnen und keine Spur gelitten.


Blaufränkisch-Verkostung: Von beeindruckend authentisch bis wirklich "grosz"

Der Einstiegsrote von "Groszer Wein", der Blaufränkisch 2012, ist gleich ein Statement in Sachen Eisenberg: der Wein ist beeindruckend wild und rassig und ist von einer intensiven Frucht und zugleich von einer vibrierenden und markanten Säure geprägt. Das ist kein Streichelwein, sondern ein besten Sinne gradliniger, kerniger und trinkanimierender Roter mit einer markanten Gerbstoffstruktur, der nach Sauerkirsche, Brombeeren und einer Spur weißem Pfeffer duftet und von einer salzigen Mineralität durchzogen ist - in dieser Ausprägung bemerkenswert für einen eher leichten Einstiegsrotwein. Der Wein (13,5 Vol., Ausbau in 1600-Liter-Holzfässern, Barriques und 500 Liter Fässern, 12,90 die Flasche) steckt Luft locker weg und übersteht noch locker einige Jahre Reifezeit in der Flasche (mit Schraubverschluss).

Blaufränkisch und Blaufränkisch vom Riegl von Groszer Wein im Burgenland / Österreich. #MoToLogie #Wein


Ist der Basis-Blaufränkisch ein junges, noch ungestümes Fohlen, dann ist der Blaufränkisch vom Riegl 2012 (13,5 Vol. - 19,90 die Flasche) ein erwachsener, heißblütiger Hengst: Der Körper ist muskulös und kräftig, aus dem Glas springen einem der Duft von Süßkirsche und Brombeere entgegen, am Gaumen entfalten sich Aromen von Kirsche und Blaubeere. Die Säure ist markant, das Tannin druckvoll und zunächst etwas kratzig. Gönnt man dem Wein dann ordentlich Luft (ich habe die Flasche über drei Tage verkostet), dann schmiegt sich die Säure mehr und mehr in die Frucht ein und das Tannin wird sehr schön körnig. Der im Barrique und im großen Holzfass ausgebaute Wein entwickelt Aromen von Thymian und Kakao und schmeckt besser und besser - der Riegl-Blaufränkisch darf meiner Einschätzung nach locker noch viele weitere Jahre in der Flasche (Schraubverschluss) reifen.

Blaufränkisch und Blaufränkisch Szapary vom Weingut Groszer Wein im Burgenland / Österreich. #MoToLogie #Wein


Mit den Weinen und Blaufränkisch Szapary und Blaufränkisch Saybritz 2012 stehen die Einzellagenweine und tatsächlich die großen Gewächse von "Groszer Wein" auf dem Tisch. Verkostet habe ich bislang erst den Blaufränkisch Szapary (13,5 Vol., 29 Euro die Literflasche), der aus dem steilsten Hang am Eisenberg stammt. Um im Bild zu bleiben: Waren die vorhergehende Weine ein ungestümes Fohlen und ein ausgewachsenes Wildpferd, dann steht hier ein Leithengst vor uns, dessen Wildheit von Erfahrung gezügelt ist, aber im Inneren noch immer lodert: Der Wein, der in 500 Liter Holzfässern ausgebaut wurde, ist wuchtig, tiefgründig und im Vergleich zu den beiden anderen oben genannten Weinen gescheidiger und femininer. Zu den intensiven Aromen von Kirsche und Johannisbeere gesellen sich der Duft von Orangenschalen und Holunder. Wie beim Blaufränkisch vom Riegl entfaltet der Wein seine volle Schönheit mit mehr Luft: Wilde Erdbeere, weiße Johannisbeere, Pfeffer und Kakao reihen sich in der Aromareigen ein - das Tannin rollt körnig über die Zunge, die bereits gut integrierte Säure und eine feine salzige Mineralität peitschen die Fruchtaromen zu Höhenflügen an - das ist wirklich "grosz". Auch diesem Wein (mit Kork verschlossen, den ich ebenfalls über drei Tage hinweg verkostet habe, schreibe ich ein sehr großes Reifepotential zu - wenn man denn überhaupt die Finger von diesem guten Tropfen lassen und ihn im Keller jahrelang einsperren kann.

Mein Resümee: Wer Weine mit Ecken und Kanten jenseits von süßlichen Marmeladenmonstern und Barrique-Holzwürmern mag, der kann mit dem Blaufränkisch von "Grosze Weine" eine echte Entdeckung machen und tolle Aha-Erlebnisse erleben. Was Matthias Krön und Markus Bach hier in Flaschen füllen, ist bemerkenswert und umso beeindruckender, als dies der erste (!) Jahrgang überhaupt von "Grozser Wein" ist. Ich bin "hin und weg", ab sofort ein Fan von diesem Rotwein aus Österreich (hätte ich vor dieser Entdeckung nie gedacht) und bin gespannt auf alles, was in den kommenden Jahren noch von "Groszer Wein" kommt!


Service & Bezugsquellen

Du möchtest die Weine von Groszer Wein kennen lernen? Dies bekommst Du direkt im Weingut oder über den Online-Handel unter anderem hier*.


Randnotizen

Im Südburgenland - im südlichsten Osten Österreichs und am Übergang zur ungarischen Tiefebene - liegt der 415 Meter hohe Eisenberg, der sich wie ein sich plötzlich erhebender Bodenriegel durch das Gebiet zieht. Die muschelförmige Südhanglage setzt sich aus Schiefer- und Schieferverwitterungsböden mit Quarzeinschlüssen und eisenhaltigen tonigen Lehmbodenauflagen zusammen. Diese Bodenstruktur verleiht den Weinen vom Eisenberg Tiefe und eine unverwechselbarer Mineralität. Das spezielle pannonisch-illyrische Klima (ein Mix aus dem extremen kontinentalen und dem mildernden mediterranen Klima) sorgt für frische Frucht und Eleganz. Die warme Luft aus der ungarischen Tiefebene und die kühlen Ströme aus den Eisenberger Wäldern führen an den Hängen des Eisenbergs zu einer starken Thermik. Dies begünstigt in Kombination mit den starken Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht die Ausbildung einer intensive Aromatik sowie Frische und Rasse der Weine.

In Österreich steht der Blaufränkisch mit einer Ertragsfläche von etwa 2700 Hektar auf dem dritten Platz des Sortenspiegels. 95 Prozent der mit Blaufränkisch bestockten Rebflächen befinden sich im österreichischen Burgenland, das deshalb auch als "Blaufränkischland" bezeichnet wird. Keine andere Region in Österreich hat sich der Kultur dieser Sorte so intensiv gewidmet wie die Winzer des Burgenlandes.

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