So geht Burgunder von der Nahe - holla, die Waldfee!

/
0 Comments
Weinbergshäuschen in der Lage Disibodenberg - Odernheim - Nahe.

22|04|2015   Die Saison der Jahrgangsproben ist eingeläutet. Jüngst machte ich mich auf die (kurze) Reise nach Meisenheim am Glan, um dort im Waldeckschen Hof die neuen Weine des Naheweingutes Klostermühle Odernheim zu probieren - und zwar mit gespannter Neugierde, denn der Jahrgang 2014 war für die Winzer aufgrund der feuchtwarmen Witterung vor und während der Lesezeit und den vorausgegangenen Attacken der Kirschessigfliege alles andere als ein (Trauben)Zuckerschlecken. Umso positiver überrascht war ich dann von der durchweg gelungenen Weinkollektion aus der Klostermühle, und zwar angefangen vom Riesling, Weißburgunder und Silvaner aus dem Edelstahlfass über die im Holz ausgebauten Burgunder-Spezialitäten bis zu den hochwertigen Früh- und Spätburgundern aus den kleinen Eichenholzfässern.


Weingut Klostermühle Odernheim - die Jahrgangsprobe

Bis auf zwei Weine standen durchweg Fassproben auf dem Verkostungstisch, die bis zur Füllung noch einige Wochen oder sogar Monate in ihren Gebinden heranreifen dürfen. Sehr interessant: Von einigen Weinen standen gleich zwei Probeflaschen nebeneinander auf dem Tisch. Der Grund: Kellermeister Thomas Zenz legte im vergangenen Herbst identisches Lesegut in unterschiedliche Fässer zur Vergärung und Reifung. In den verschiedenen Fässern schlugen Most und Jungwein dann unterschiedliche Entwicklungswege ein. Wie sich dies im Geruch und Geschmack des Weines teilweise deutlich auswirkte, lies sich nun bei der Probe anhand von Fassvarianten des Weines "erschnuppern".

Bis zur Flaschenfüllung wird sich der ein oder andere Klostermühlen-Wein mit Sicherheit geschmacklich noch verändern, doch nichtsdestotrotz wage ich bereits jetzt die Prognose, das Kellermeister Thomas Zenz mit dem Jahrgang 2014 besonders im Bereich der Rotweine ein Bravourstück gelungen ist, mit dem er im vom Weißwein und besonders Riesling dominierten Weinanbaugebiet Nahe deutlich herausstechen wird. Hinzu kommt: Auch in Sachen Grau- und Weißburgunder haben Klostermühle-Geschäftsführer Christian Held und sein Kellermeister einige besonders starke Trümpfe in der Hand.

Klostermühle-Geschäftsführer Christian Held (l.) und Kellermeister Thomas Zenz.
Klostermühle-Geschäftsführer Christian Held (l.) und Kellermeister Thomas Zenz.

Meine Einschätzung im (relativen) Schnelldurchgang: Im Bereich der im Edelstahl ausgebauten Einstiegsweine bekommt der Weinfreund über das gesamte Rebsortenspektrum hinweg (Silvaner, Weißburgunder, Grauburgunder und Riesling trocken) eine ausgesprochen gute Qualität zu einem fairen Preis geboten. Alle vier Weine präsentieren sich sortentypisch, feinfruchtig und klar strukturiert. Auffallend dabei: Nicht nur der Riesling, sondern auch Silvaner und weiße Burgunder bringen eine gut ausgeprägte Säure mit, die den Weinen Frische und Leichtigkeit einhaucht. Mein persönlicher Favorit in diesem Segment ist der Grauburgunder trocken.

Riesling-Pretiose zwischen wackeren Burgunder-Kerlen

Burgunder sind die deutlich dominierende Rebsorte des Weingutes Klostermühle, doch Kellermeister Thomas Zenz kann auch Riesling. Wen wundert es, wenn man weiß, dass er an der Mosel das Licht der Welt erblickte und dort Riesling quasi mit der Muttermilch aufgesogen hat. Neben dem Riesling trocken schickt Zens vom Jahrgang 2014 auch den Riesling *** und einen Riesling Kloster Disibodenberg (beide ebenfalls trocken) ins Rennen. Die Reben des trockenen Rieslings wurzelten im vom Schiefer geprägten Boden, er schmeckt von den drei Weinen am moselanischsten: beschwingt und rassig, sehr feingliedrig und nach Pfirsich, Aprikose und Limone duftend.
Von unterschiedlichem Lesegut, aber aus derselben Lage (Odernheimer Kloster Disibodenberg) stammen die folgenden Rieslinge, deren Reben auf Sandstein-Terrassen stehen. Die Lagenidentität prägt sich in beiden Weinen durch eine prägnante Kräuteraromatik aus, in die sich unter anderem Noten von weißem Pfirsich und Mirabelle mischen. Einen merklichen Unterschied in Duft und Geschmack setzen im Lagenriesling Kloster Disibodenberg die Botrytisnoten. „Das Lesegut für diesen Wein wurde mit 90 Grad Oechsle eingebracht und enthielt einen geringen Anteil an Edelfäule“, erläutert Christian Held. „Der Beste des Jahrgangs“ steht auf dem Begleitzettel zur Jahrgangspräsentation hinter dem Lagenriesling vom Disibodenberg. Kann man so sehen, muss man aber nicht: Mir persönlich gefällt der stringente Riesling *** (momentan) besser. Hinzu kommt: Für gerade einmal 8,50 Euro pro Flasche ist er bei dieser bemerkenswerter Qualität ein echter Preisbrecher.

Das markante Weinbergshäuschen vom Disibodenberg ziert als Zeichnung auch die Flaschenetiketten und das Logo des Weingutes Klostermühle Odernheim. Foto: DWI
Das markante Weinbergshäuschen vom Disibodenberg ziert als Zeichnung auch die Flaschenetiketten und das Logo des Weingutes Klostermühle Odernheim. Foto: DWI

Weißburgunder aus dem Fass 300 schießt den Vogel ab

Mit den trockenen grauen Burgundern beginnt die Reihe der Weine aus den kleinen Holzfässern (225 bis 300 Liter). Für meinen Geschmack erfreulich ist, dass der Ausbau im Barrique mit viel Fingerspitzengefühl erfolgte. Die kleinen Holzfässer aus französischer oder Hunsrücker Eiche werden in Erst-, aber auch in Zweit- oder Mehrfachbelegung genutzt und sind nur mild getoastet. Die Holzaromen schmiegen sich sehr harmonisch in die Fruchtstruktur der Burgunder ein, und nur bei dem einen oder anderen Wein schiebt sich eine deutliche Note von Vanille geschmacklich in den Vordergrund. Drei Grauburgunder stehen bei der Probe auf dem Tisch, und zwar der Grauburgunder *** trocken aus Fass 312 und aus Fass 319 sowie der Kapellenberg trocken Fass 320. Am besten gefällt mit der kräftige, aber trotzdem elegante Grauburgunder Fass 312, um dessen mineralischen Kern Aromen von Birne, weißen Blüten, reifem Apfel und Honig tanzen. Wer demgegenüber den Einsatz des Barriques etwas deutlicher spüren möchte, dem rate ich, zum Grauburgunder Kapellenberg zu greifen. Weiter geht’s mit dem Montfort Weißburgunder trocken, und zwar in den Fassvarianten 300 und 302. Nummer 300 schießt für mich den Vogel ab - dieser Wein vereint perfekt einen dichten Körper mit großer Klarheit und einem perfekten Säurerückgrat, das von intensiven Fruchtaromen und einer feinen Kräuterwürze umspielt wird - für mich der beste weiße Burgunder der Probe und für 13 Euro wahrlich ein „Best buy“.

Wow, was für eine Granate von Frühburgunder

Die Reihe der roten Burgunder beginnt mit einem leichtfüßigen, aber rundum gelungenen Spätburgunder trocken, der für 8 Euro die Flasche über die Ladentheke geht und gleich deutlich unterstreicht, wohin bei der Klostermühle die Reise im Rotweinbereich geht: weit nach oben! Vom Kapellenberg Frühburgunder trocken *** gehen wieder zwei Varianten ins Rennen, und zwar Fass 106 und 102. Die erste Überraschung bei beiden Weinen ist für mich, wie stark die Rebsorte Frühburgunder, die dem Gevatter Spätburgunder in den allermeisten Fällen etwas hinterherhinkt, hier auftrumpft - das erlebte ich bislang selten. Als U-Boot in eine Spätburgunder-Vergleichsprobe eingeschleust, dürften diese Wein auch für Weinprofis nicht oder nur mit Mühe zu enttarnen sein. Das rote Pendant zum oben gelobten Montfort Weißburgunder trocken Fass 300 ist für mich der Kapellenberg Frühburgunder trocken *** Fass 106, in den ich mich mit dem ersten Schluck verliebt habe. Ein bemerkenswerter Frühburgunder - sehr, sehr elegant, mit einem vielschichtiges Aromenspektrum (rote Waldbeeren, Mokka, Bitterschokolade, leichte Rauchnote) und einem vibrierenden mineralischen Kern - toll (und für 12 Euro fast geschenkt)! Da reichen der Frühburgunder Fass 102 und auch die beiden folgenden Spätburgunder nicht ganz heran, auch wenn alle drei die Klaviatur der roten Burgunder auf hohem Niveau spielen: Von den beiden Weinen Spätburgunder *** trocken Fass 130 und 144 gefällt mit der erste besser (sehr stoffig und dicht, Brombeere, Hagebutte, weißer Champignon, Waldboden), da Fass 144 für meine Nase eine Spur zu deutlich vom Barrique geprägt ist.



Den schriftlichen Zusatz „Der Beste des Jahrgangs“ hält der Begleitzettel zur Probe für den Montfort Spätburgunder trocken, der mit 25 Euro pro Flasche die preisliche Spitze der präsentierten Kollektion markiert, bereit. In Sachen Dichte steht der Wein mit Sicherheit an der Spitze, aromatisch konnte ich mich mit ihm wegen des Duftes nach Zugsalbe / Teer aber nicht uneingeschränkt anfreunden - was in zwei, drei oder mehr Jahren aber deutlich anders aussehen könnte - denn schließlich steht dieser Rotwein erst ganz am Anfang einer langen Entwicklung. Sekt? Kann die Klostermühle Odernheim auch - und zwar ziemlich gut. Mit dem Rotsekt Montfort Spätburgunder brut wird hier auch eine echte Sekt-Rarität angeboten - die fraglos gut gemacht ist, wegen der intensiven Aromatik von roten Beeren meinen Geschmack in Sachen Schaumwein aber nicht ganz trifft. Ich mag es da klassischer - und werde mit dem Montfort Pinot Sekt brut und dem Montfort Chardonnay Sekt Zero (60 Monate Hefelager) bestens bedient.


Zusammenfassung im Telegrammstil

Toll! Bemerkenswert gute Kollektion 2014 trotz des schwierigen Rebjahres - gutes Preis-Leistungsverhältnis. Meine persönlichen Empfehlungen: Riesling ***trocken (8,50 Euro) - Montfort Weißburgunder trocken Fass 300 (13 Euro) - Kapellenberg Frühburgunder Trocken *** Fass 106 (12 Euro) - Montfort Pinot Sekt brut (13,40 Euro).


Service & Bezugsquellen

Du möchtest die Weine vom Weingut Klostermühle kennen lernen? Dies bekommst Du direkt im Weingut oder über den Online-Handel unter anderem hier*.



Randnotizen

Die Klostermühle Odernheim bewirtschaftet über 13 Hektar Rebfläche. Die Jahresproduktion liegt bei circa 110 000 Flaschen, davon sind 30 000 Flaschen Sekt. Hinzu kommen rund 3000 Flaschen Brände aus der eigenen Brennerei. Der Betrieb bewirtschaftet ausschließlich Steillagen, darunter die namhaften Lagen Odernheimer Kloster Disibodenberg (Riesling), die im Alleinbesitz befindliche Lage Odernheimer Montfort (Spätburgunder, Chardonnay, Weißburgunder) und Odernheimer Kapellenberg (Frühburgunder). 

Augenmerk wird auf niedrigen Erträgen (etwa 50 Hektoliter pro Hektar), eine äußerst sorgfältige naturnahe Bewirtschaftung der Weinberge sowie auf die Pflege alter Rebanlagen gelegt. So stehen in der Lage Kloster Disibodenberg unter anderem Rieslingreben im Ertrag, die bereits rund 100 Lebensjahre auf dem Rebbuckel haben. Ziel ist die Erzeugung von qualitativ hochwertigen, konzentrierten und von Mineralität und Frucht geprägte Weinen. 

Mit einem Mengenanteil von rund Dreiviertel geben die Burgundersorten im Gut Klostermühle den Ton an. Die wichtigsten Rebsorten sind zu etwa je einem Viertel Spät- und Grauburgunder sowie Riesling. Hinzu gesellen sich Weißburgunder, Frühburgunder, Chardonnay und Silvaner. Im Keller kommen für die Weißweine kleine Edelstahlfässer (600, 1 200 und 2 400 Liter) zum Einsatz, um die Fruchtnoten besonders reintönig zu erhalten. Alle Rotweine sowie einige weiße Burgunder werden im Holz ausgebaut, entweder im traditionellen Stückfass (1 200 Liter) oder in Barriques (225 bis 300 Liter). Die Sekte werden im klassischen Flaschengärverfahren selbst erzeugt, die Brände entstehen in der eigenen Brennanlage.

* Die Links zu Amazon sind Affiliate Links


Das könnte Dir auch gefallen

Keine Kommentare :