Das Glanrind - Passagier Nr. 22 in der Arche des Geschmacks [HEIMATKÜCHE - Serie Teil 15]

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Steak vom Glanrind


22|02|2018   "Essen, was man retten will!" - unter diesem Motto vergibt der Verein Slow Food die raren Plätze in der Arche des Geschmacks. Seit Ende 2007 ist auch ein Vertreter aus der Nahe-Region Arche-Passagier: das Glanrind.

Bodenständig, an die Scholle angepasst und genügsam, fruchtbar und friedvoll, mit diesen Merkmalen ausgestattet trat das Glanrinder von den Regionen Donnersberg und Glan aus ab dem 18. Jahrhundert seinen Siegeszug durch ganz Südwestdeutschland an. 1773 verordnete Herzog Christian IV. von Pfalz-Zweibrücken, dass das vorhandene rote Landvieh durch die Hereinnahme von Deckbullen der Simmentaler und der graubraunen Schweizer Rasse züchterisch verbessert werden müsse. Das Ergebnis dieser Zucht, das Glanrind, war hervorragend an die schwierig zu bewirtschaften beziehungsweise ertragsarm Flächen der Region angepasst und erbrachte als Dreinutzungsrind eine gleichermaßen große Milch-, Fleisch- und Arbeitsleistung – eine perfekte Kombination für die damalige Zeit. Doch diese änderten sich.


In letzter Minute vor dem Aussterben gerettet: das Glanrind

In den späten sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts fand die Ausbreitung des Glanrindes durch die voranschreitende Technisierung der Landwirtschaft ein jähes Ende. Der Traktor ersetzte das Rind als Zugtier, und auch die immer höher steigende Erwartung an die Milchleistung konnte das Glanrind nicht erfüllen - es verschwand fast vollständig aus den Ställen der Landwirte. Die alte Nutztierrasse wäre wohl ausgestorben, hätten sich nicht Mitte der achtziger Jahre einige Viehhalter und Züchter an die Vorzüge des Glanrindes erinnert. Mit den letzten 25 Kühen der Rasse wurde ein neues Zuchtbuch gegründet und fortgeführt. Heute ist der Bestand wieder auf rund 2000 Tiere angestiegen. Zum Vergleich: In den besten Jahren der Glanrindhaltung belief sich der Bestand auf rund eine halbe Million Tiere.

Glanrind
Das Glanrind - Passagier der "Slow Food Arche des Geschmacks".


Die Milcherzeugung spielt bei der Haltung des Glanrindes heutzutage keine große Rolle, gezüchtet wird die Rasse zuvorderst wegen ihrer hervorragenden Fleischqualität – entsprechende Aufzucht- und Mastmethoden vorausgesetzt. Glanrinder wachsen langsamer als andere Rinder. Aufgrund der Freilandhaltung sind sie viel in Bewegung, wodurch eine hohe Fleischqualität entsteht. Das Fleisch ist fein marmoriert, hat nur einen geringen Garverlust und schmeckt schön zart und saftig. Nicht zuletzt wegen dieser erstklassigen geschmackliche Qualität verdiente sich das Glanrind vor einigen Jahren einen Platz in der deutschen Slow Food Arche des Geschmacks. Das Ziel: Als Arche-Passagier Nr. 22 soll es ebenso wie die Weiße Gehörnte Heidschnucke, das Murnau-Werdenfelser Rind, die Diepholzer Moorschnucke oder das Angler Sattelschwein vor dem Vergessen gerettet werden, indem es bekannter gemacht wird und auf möglichst vielen Speisekarten landet. Denn die hinter der Slow Food Arche stehende Überzeugung lautet: Nur was gegessen wird (und so den Erzeugern ein wirtschaftliches Auskommen sichert), kann vor dem Vergessen gerettet werden.


Bannmühle und Bainerhof - zwei Heimstätten des Glanrindes

Seinen Namen verdankt die alte Rinderrasse dem Glan, einem rund 90 Kilometer langen Nebenfluss der Nahe, der im Saarland entspringt und durch das Nordpfälzer Bergland vom Süden her zur Naheregion fließt und dort kurz hinter Bad Sobernheim in die Nahe mündet. In Waldböckelheim nur wenige Kilometer vom Zusammenfluss der beiden Gewässer entfernt ist der Bainerhof von Karlfried Simon zu finden, und auf dem spielt das Glanrind eine Hauptrolle. 1989 stellte der Nebenerwerbslandwirt die Mutterkuhhaltung auf die regionale Rinderrasse um. Drei Kühen bildeten den Anfang der Glanrind-Zucht, inzwischen zählt die Herde über 50 Köpfe vom Kalb bis zum Bullen. Ebenso wie sein Landwirtkollege Hans Pfeffer von der Bannmühle im nur acht Kilometer entfernten Odernheim am Glan, der ebenfalls Glanrinder hält, bewirtschaftet Simon seinen Hof nach ökologischen Richtlinien.

Von April bis Dezember sind Simons Glanrinder auf der Weide, danach stehen sie im Offenstall. Zugefüttert wird mit Heu und Luzerne-Silage vom eigenen Hof, auf dem der Grundsatz "Tier bis zuletzt" gilt. Deshalb behalten die Glanrinder auf dem Bainerhof auch ihre Hörner. Drei Jahre hintereinander erleben die Rinder die Jahreszeiten auf die Weide, sie werden vor der Schlachtreife mindestens 30 Monate alt. Die Schlachtung, das Zerlegen und die Wurstherstellung übernimmt dann ein zertifizierter Biobetrieb, die Metzgerei Wolf in Woppenroth.

Glanrind Bulle
Glanrind Bulle. Foto: M. Siebel


Findet das Glanrind weiterhin seine Abnehmer, dann stehen die Zeichen günstig, dass die alte Rinderasse überlebt. Zugute kommt den Glanrind-Züchtern, dass bei den Verbrauchern in den vergangenen Jahren das Interesse an qualitativ hochwertigen Lebensmitteln aus der Region stark gestiegen ist. Das Glanrind wird als heimische Spezialität von Genießern geschätzt, obwohl es seinen im Vergleich zum üblichen Rindfleisch höheren Preis hat. Mit zur Bekanntheit und zur Vermarktung des Glanrindes bei tragen zudem spezielle Aktionen, so die jährlich im Frühjahr ausgerichteten Donnersberger Glanrindwochen, an denen sich Gastronomiebetriebe aus den Regionen rund um den Donnersberg, aus dem Nordpfälzer Bergland und dem benachbarten Rheinhessen beteiligen. Mehr dazu in kürze hier im Blog.


Service & Bezugsquellen

Züchter Karlfried Simon (Tel. 0 67 58 / 62 60) vermarktet das Fleisch hauptsächlich auf dem Mainzer Wochenmarkt und in der Gastronomie. "Das brachte auch dort ganz neue Herausforderungen für die Mitarbeiter mit sich", erzählt Simon. "Denn ein halbes Rind zu verarbeiten, war für die dortigen Auszubildenden eine bis dahin unbekannte Erfahrung.
Bei Hans Pfeffer in der Bannmühle in Odernheim gibt es regelmäßig frisches Glanrind zu kaufen. Alle zwei Monate wird eines der Rinder geschlachtet. Ein Großteil wird an Vorbesteller (Info: Telefon 0 67 55 / 10 53) verkauft, eine kleinere Menge ist im Hofladen frei verkäuflich. Neben vielen weiterer Bioprodukte finden Einkäufer im Hofladen auch Wurst, Salami und Schinken vom Glanrind. Die Öffnungszeiten: Freitag 15.30 bis 18.30 Uhr, Samstag 9.30 bis 12.30 Uhr.


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Glanrind


Foto Steak: Alex Munsell
Fotos Glanrind soweit nicht anders angegeben: Stefan Abtmeyer


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1 Kommentar :

  1. Ich bin froh, dass es auch in Deutschland noch Betriebe gibt, die sich auf Regionalität und Qualität konzentrieren und dabei das Tierwohl nicht vergessen. Auch in Österreich haben wir besonders in Oberösterreich noch viele solcher Betriebe. Ich halte es für sehr wichtig, solche Betriebe zu unterstützen. Ich bestelle mein Rindfleisch zum Beispiel nur über https://Aumaerk.at/Shop/. Da wird sehr auf die Qualität des Fleisches geachtet und das Rind nur von Betrieben aus Oberösterreich und der Steiermark genommen. Die Tiere werden alle artgerecht gehalten und nur hochqualitatives Futtermittel verwendet. Das ist einfach regionale Qualität, die man schmeckt.

    Grüße, Sigmar

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