Schatzkammer-Plünderung [4]: Laubenheimer Karthäuser Riesling Auslese 1998


Winzer Martin Tesch mit einem Riesling


11|01|2018   Die Flasche ist verstaubt, das Weinetikett angegriffen und zerfleddert – und das aus nachvollziehbarem Grund. Die jüngst entkorkte Riesling Auslese trägt die Jahrgangsangabe 1998 auf dem Etikett und hat somit fast 20 Lebensjahre auf dem Buckel – ein stolzes Alter. Eine weitere Besonderheit kommt hinzu, denn die Auslese ist nicht nur wegen ihres Alters, sondern auch aufgrund eines zweiten Umstandes eine Rarität. Nahewinzer Dr. Martin Tesch stellte nach dem Weinjahrgang 2002 die Süßweinproduktion komplett ein und konzentrierte sich vollends auf den trockenen Ausbau - einzig im Versuchsausbau und für besondere private Anlässe erzeugte er noch „Riesling in Süß“. Das änderte sich erst 2011, als mit dem Wein Sonne (die eine Hälfte des Weinduos „Sonne“ und „Mond“, über das ich im Blog hier bereits berichtet habe) wieder ein Riesling mit Restsüße aus dem Langenlonsheimer Weingut auf den Markt kam – in homöopathischen Dosen.

So oder so: Der Name Tesch steht zu 99,9 Prozent für trocken ausgebauten Wein – was einen edelsüßen Tesch umso rarer macht. Was diese auf dem Kasten haben, wenn es sie denn (noch) gibt, beweist die Riesling Auslese Laubenheimer Karthäuser des Jahrgangs 1998.

Weinlage Laubenheimer Karthäuser
Weinlage mit Naheblick: Laubenheimer Karthäuser.  Karte: DWI

Das Alter von fast zwei Jahrzehnten steckt die Auslese locker weg – der Wein wirkt zwar gereift und nicht mehr ganz so süß wie kurz nach der Füllung, aber keine Spur altersschwach oder aromatisch ergraut. Um die noch immer präsente Gelbfruchtaromatik und Edelsüße der Rieslingtrauben schmiegen sich Aromen von kandierten Orangen und Zitronen sowie eine dezente Honignote. Mit Nachdruck präsentiert der Wein sein würziges Rückgrat, welches für Tesch-Weine so typisch ist. Sowohl in der Nase als auch am Gaumen entfaltet ein Strauß an Kräuter seine Aromen im Wein. Unterstrichen wird dieser würzige Charakter durch eine feine Tannin-Herbe, die im Abgang in Kombination mit belebenden Zitrusnoten und einer leichten Salzigkeit zu spüren ist und der Auslese Kontur und Kante gibt. Eine bemerkenswerte Auslese, die solo getrunken ebensoviel Spaß macht wie zu nicht zu süßen Desserts. Ein exzellenter Begleiter ist die Auslese auch zu Kuchen, welche die Fruchtaromatik des Weines aufgreifen, so zum Beispiel zu einem Gugelhupf mit Orangenstücken. Geradezu genial passt der Wein zu würzigen und fruchtig-scharfen asiatischen Speisen.

Das war leider meine letzte Flasche Riesling Auslese Laubenheimer Karthäuser Jahrgang 1998 aus dem Weingut Tesch  - sehr, sehr schade! Hat noch jemand welche?