Outdoor-Kochkurs ohne Survival: Würmer muss hier (zum Glück) niemand essen

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Outdoor-Kochkurs


18|04|2018   Outdoor-Kochen viel mehr als Würstchen und Steak auf den Grill zu legen. Das beweist Outdoor-Trainer Frank Decker in seinen Outdoor-Kochkursen. Die Philosophie des Feuers und des Draußen-Kochens, die Zubereitung von Hauptspeisen wie Beilagen und Gemüsen, der Einsatz von Wildkräutern und das Kreieren mehrgängiger Menüs in einer naturverbundenen Gruppe – zusammen mit dem Outdoor-Experten wird gegrillt, gebraten, gekocht, gedämpft, geräuchert und sogar gebacken – und das alles in freier Wildbahn und auf offenem Feuer – so demnächst unter anderem beim Outdoor-Kochkurs "Feuer & Wein" in Kooperation mit dem Weingut Im Zwölberich am 21. September 2018 in Langenlonsheim an der Nahe (Info dazu am Textende). Hochtechnologische Küche inklusive Herd mit Induktionskochfeldern, Dampfgaren und Sous-Vide-Bereiter? Fehlanzeige!

Outdoor-Kochkurs


Outdoor-Kochkurs: Spannende Entdeckungsreise quer durch die Wildnisküche

„Raffinierte Gerichte für das Leben draußen, denn Kochen in der Natur ist mehr als Fleisch über Feuer“, so lautete die vielversprechende Ankündigung zum Outdoor-Kochkurs. Das klingt ja schon mal interessant. Und ja, irgendwie klingt das auch ein bisschen nach „Survival“. Zumindest erklärt sich das „Outdoor“ ziemlich schnell, denn der Kurs findet unter freiem Himmel an der Mariannenhütte in Langenlonsheim an der Nahe statt. Doch worauf wird hier gekocht? Und was? Vielleicht Pesto vom selbst gesammelten Bärlauch, denn schließlich steht in der Beschreibung ja etwas von Wildkräutern? Und Insekten, eigens gejagt und auf dem mit einem Ast, einem Blatt und etwas trockenem Gehölz entzündeten Feuer geröstet? Sieht man schließlich immer wieder in den Survival-Sendungen.

Outdoor-Kochkurs


„Nicht so ganz“, erklärt Frank Decker schmunzelnd. Decker ist nicht nur einer der Geschäftsführer der Landesvereinigung für ländliche Erwachsenenbildung in Rheinland-Pfalz (Leb), sondern auch Bildungsreferent, Outdoor-Trainer und Kochexperte. „Dieser Kurs hat eigentlich weniger mit Survival zu tun“, erzählt der passionierte Wildwasserpaddler und Outdoor-Fan Decker weiter. „Würmer muss hier niemand probieren. Es geht vielmehr um den kulinarischen Aspekt.“ Der Flyer zum Freiluft-Kochkurs verspricht eine „feurige lukullische Entdeckungsreise quer durch die Wildnisküche mit raffinierten Gerichten“. In Anlehnung an das nordische Konzept „Friluftsliv“ sollen die Kursteilnehmer das Kochen von kreativen Rezepten in Verbindung mit Bewegung und Naturerfahrung erleben. Und tatsächlich verheißt der Blick über den Tisch voller Zutaten besondere kulinarische Genüsse. Obst, Gemüse, Fleisch und Fisch wecken im Nu die Neugier aller Teilnehmer. Denn wie sollen aus den ganzen schmackhaften Sachen exklusive Gerichte werden, so mitten im Wald, ohne eine Küche? Gut, Messer liegen bereit, Schüsseln und Brettchen zum Schnippeln auch. Aber ein Herd fehlt immer noch. Der wird – wie sich später herausstellen wird – aber hier im Langenlonsheimer Wald auch gar nicht benötigt.

Outdoor-Kochkurs Forellen


Löwenzahnsalat, Fleischspieße-Crossover und Obst-Crumble

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde, bei der jeder Teilnehmer sich und den Grund seiner Teilnahme am Outdoor-Projekt preisgibt, folgt ein gemeinsamer Blick in die von Frank Decker angedachten Rezepte, die mit wohlklingenden Namen wie „Löwenzahnsalat mit Speck und Parmesantaler - herzhafter Frühlingssalat“, „Souvlaki - Fleischspieße Crossover“ oder auch „Obst-Crumble - fruchtiger Krümelgenuss“ das Interesse ködern. „Das Leben in und mit der Natur ist wesentlich und bringt nicht selten die richtigen Impulse für nachhaltige Lernprozesse“, ist Decker überzeugt. „Als erstes könntet ihr mal ein bisschen Holz sammeln gehen“, leitet der Outdoor-Trainer geschickt in die nächste Runde. Da lassen die sich die Teilnehmer nicht lange bitten, hier scheint jeder zu wissen, was zu tun ist.

Outdoor-Kochkurs Feuer
Auch Feuer machen will gelernt sein.


Frank Decker widmet sich zwischenzeitlich der Aufgabe, ein kleines Feuer zu entfachen, indem er sein Feuerzeug an ein Büschel trockener Zweige hält. Mogelt der Outdoor-Koch etwa? „Nein, denn das ist immer noch kein Survival-Kurs. Und ja, auch Hilfswerkzeuge sind absolut in Ordnung“, bestätigt der Diplom Pädagoge lächelnd. Und die Arbeitsteilung geht systematisch weiter: „Andrea, würdest du dir zwei Leute mitnehmen und ein paar Kräuter sammeln?“ Der Chef hat es noch nicht ausgesprochen, da ist Kursteilnehmerin Andrea May bereits mit zwei weiteren aus der Gruppe auf der Suche nach verschiedensten heimischen Kräutern. Obwohl das Wort „Suche“ die Sache nicht wirklich trifft, ist es doch viel mehr ein ganz selbstverständliches Finden.

Outdoor-Kochkurs Wildkräuter sammeln
Essbar oder nicht? Die Wildkräuter-Experten wissen's.


Prinzipiell kann das Outdoor-Grillen (zumindest in unserer Region) so ziemlich zu jeder Jahreszeit gelingen – im Frühjahr ist die Herausforderung sozusagen allgegenwärtig, da die Natur mit Macht erwacht. Für das laienhafte Auge wächst dann eine Menge gleich aussehendes Grünzeug am Wegesrand, doch May findet Knoblauchraute, wilden Schnittlauch, Brennnesseln und sogar Giersch. Und es duftet alles ganz herrlich aromatisch. Auf dem Rückweg zur „Outdoorküche ohne Herd“ gesellt sich noch Löwenzahn und Gänseblümchen zur Kräutersammlung, die sich im Laufe des Tages zu einem wunderbaren und schmackhaften Salat wandeln sollen.

Outdoor-Kochkurs Forelle
Gut gewürzt ist bereits halb gewonnen - auch in der Outdoor-Küche.


In der herdlosen Küche unter freiem Himmel flackern bereits verschiedene Feuerstellen um die Wette. Viele der mitgebrachten Lebensmittel haben ihre Form bereit geändert, denn die in der Outdoor-Küche zurückgebliebenen Teilnehmer sind bereits fleißig mit Zwiebeln hacken, Chili schneiden und lecker vor sich hin blubbernde Bärlauchsuppe umrühren beschäftigt. Und nun soll es den gesammelten Kräutern ans Schlafittchen gehen. Bereits fast genussfertig köchelt der grüne Suppen-Smoothie (Brennessel-Bärlauch-Suppe) vor sich hin. Ja, er köchelt in der Tat – auch ohne Herd. Mit einem Feuerchen und dem gusseisernen Dutch Oven, der in den USA und in Australien bereits seit dem 18. Jahrhundert genutzt wird, gelingt das auch ohne funktionierende Küchenlandschaft. Und das Blubbern ist ein gutes Zeichen dafür, dass die kleine Stärkung schon mal zur Einstimmung genossen werden kann, bevor der Hauptgang zubereitet wird.

Outdoor-Kochkurs Spargel
Outdoor-Abschmecken.


Ein wahrlich verlockender genüsslicher Einstieg mit dem Versprechen auf mehr. Wobei der von den Kräutersammlern gefundene Giersch in der Freiluftküche dann doch noch für einige Diskussionen sorgt. Ist es tatsächlich der genießbare, weil ungiftige Giersch, der zu den bekannten schmackhaften Gemüse- und Würzpflanzen zählt und von der Blätter, Blüten, Samen und Triebe verwendet werden können? Oder handelte es sich doch um einen der anderen Doldenblütler wie der Gefleckte Schierling oder die Hundspetersilie, die dem Giersch zum Verwechseln ähnlich sehen, aber beim versehentlichen Verzehr böse Folgen haben? Nach kurzer Diskussion einigen sich die wagemutigen Naturfreunde auf Giersch.

Outdoor-Kochkurs Spargel


Frank Decker zeigt sich begeistert von der talentierten Gruppe. Große Ansagen und Erklärungen braucht es kaum, denn die naturbegeisterten Teilnehmer ergänzen sich nicht nur hervorragend, sondern bringen auch viele eigene Ideen mit ein. Der ursprüngliche Plan, die mitgebrachten Zutaten plus die Wildkräuter in exklusive Gerichte zu verwandeln, geht nicht nur wunderbar auf, sondern lockt auch die Kreativität der Beteiligten hervor, die die angedachten Rezepte weiter kreieren.

Outdoor-Kochkurs Kräutersalat


„Sehr gut, mal ganz was anderes“, resümiert Erik Thomas schließlich den Kurs wie auch das Essen. Doch was neben dem genüsslichen Sechs-Gang-Menü gleichfalls von allen Teilnehmern hoch gelobt wird, ist das harmonische Gemeinschaftsgefühl, das sich vom ersten Moment an deutlich gezeigt hat. „Natur verbindet“, philosophiert Andy Schmuck, wofür er den Zuspruch aller Teilnehmer erhält.

Outdoor-Kochkurs
Outdoor-Kochkurs: Gemeinsam gekocht und gegessen schmeckt's am besten.


Zwei Rezepte aus der Outdoor-Küche


Brennnessel-Bärlauch-Suppe Outdoor zubereitet

 

Brennnessel-Bärlauch-Suppe

(Grüner Suppen-Smoothie)


Zutaten:

  • junge Brennnesseln
  • frischer Bärlauch
  • Brühwürfel oder Gemüsebrühe
  • 1 Liter Wasser
  • ½ Liter Milch
  • 2 EL Mehl
  • 1 kleine Zwiebel
  • getrocknete Kräuter, zum Beispiel Kräuter der Provence
  • Zitronensaft

Zubereitung:

  1. Die Zwiebeln in dem Öl anbraten. Mehl hinzugeben, kurz anbraten, und mit kalter Milch aufgießen. Aufkochen. Mit Wasser übergießen, Brühwürfel hinzugeben. Brennnesseln und Bärlauch gut waschen, ganz fein schneiden. Dazu das Messer über die Kräuter wiegen. Dann in die heiße Brühe geben. 20 Minuten kochen lassen. Mit Salz und Pfeffer sowie Zitronensaft abschmecken.


Obst-Crumble

(Fruchtiger Krümelgenuss)

Ein fruchtiger Obst-Crumble aus dem Dutch Oven ist ein geniales Dessert und der perfekte Abschluss eines jeden Grillmenüs. Was ist eigentlich Obst-Crumble? Crumble bedeutet Krümel. Ein Obst-Crumble ist eine typische Nachspeise der amerikanischen und englischen Küche. Es handelt sich dabei um Früchte, die mit Streuseln (Teigkrümel) überbacken und häufig mit Vanilleeis oder Vanillesauce serviert werden. Das Gute am Obst-Crumble ist, dass man ihn eigentlich mit jeder Art von Früchten zubereiten kann. Einfach passendes Obst der Saison oder auch Obst, das man grade zu Hause hat verwerten und schon kann man daraus eine süße Leckerei zaubern.


ZUTATEN  |  für ca. 8 bis 10 Portionen

Saisonales Obst:

  • 2 Äpfel
  • 2 Birnen
  • 250 g Pflaumen
  • 250 g Aprikosen
  • 2 Nektarinen
  • 150 g Zucker


Für die Streusel:

  • 200 g Butter
  • 250 g Mehl
  • 250g Zucker
  • 100 g gemahlene Haselnüsse
  • 1 Vanilleschote


ZUBEREITUNG

  1. Die Fruchtmischung wird dann im Dutch Oven gleichmäßig verteilt, die Streusel locker auf dem Obst. Die Garzeit beträgt etwa 40 Minuten. Ab Minute 30 sollte man mal einen Blick riskieren und schauen, wie weit der Obst-Crumble ist. Wenn die Streusel goldbraun geworden sind, ist der Crumble fertig. 

Pfanne für die Outddor-Küche

Outdoor-Kochkurs "Feuer & Wein"

Auf geht's zur kulinarischen Expedition: Die Leb Rheinland-Pfalz bietet zusammen mit dem Weingut Im Zwölberich am Freitag, 21. September 2018, ab 17 Uhr den Outdoor-Kochkurs "Feuer & Wein" an. Beim Kochkurs unter Leitung von Outdoor-Trainer Frank Decker bereiten die Teilnehmer gemeinsam auf offenem Feuer ein 5-Gang-Menü zu und Weingutsinhaber Hartmut Heintz sorgt ergänzend für eine Weinprobe mit acht zu den Speisen passenden Weinen. Teilnahmegebühr (inkl. Speisen, Weinprobe und Mineralwasser): 89 Euro pro person. Info und Anmeldung: E-Mail info@leb-rlp.de und info@zwoelberich.de.

 

Service

Zu den Kursen: Kochen in der Natur ist mehr als Fleisch über Feuer - das darf dabei allerdings auch nicht fehlen! In den Outdoor-Kochkursen mit Frank Decker lernen die Teilnehmer neben der Philosophie des Feuers und des Draußenkochens die Zubereitung von Hauptspeisen, Beilagen und Gemüsen, den Einsatz von Wildkräutern bis hin zum Zubereiten mehrgängiger Menüs für Gruppen. Angelehnt sich die Kurse an das nordische Konzept „Friluftsliv“, das Naturerfahrung, Bewegung und das Leben „draußen“ betont.

Zur Leb: Die Landesvereinigung für ländliche Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz (Leb) bietet Workshops, Seminare, Studienfahrten, Vorträge und mehr für Personen im ländlichen Raum an.
Kontakt:
Landesvereinigung für ländliche Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz
Burgenlandstraße 7
55543 Bad Kreuznach
Tel. 0671 7961 2266
info@leb-rlp.de
Wildkräuter sammeln Outdoor Küche

Text & Fotos: Sonja Flick


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