Riesling Étape Korrell XX: Ein neuer Big-Player betritt die Bühne - und er kommt von der Nahe

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Riesling Étape vom Weingut Korrell


30|05|2018   Wie ich hier im Blog zu einem Wein-Tipp kommen? In der Regel so: Wenn wir an den Wochenenden zu Hause etwas Besonderes kochen, dann entkorken wir auch gerne einen guten Wein dazu. Verblogge ich dann das Rezept, stelle ich unter die Rezept-Beschreibung ein Foto vom Flaschenetikett ein und erzähle etwas über den Wein, seine Herkunft und seine Vorzüge als Begleiter zur Speise. Üblicherweise . . . doch mit dem Üblichen komme ich im aktuellen Fall echt nicht hin. Warum? Weil der Wein, den ich jüngst zu einem Essen kombinierte, so außergewöhnlich und besonders ist, dass ihm der übliche Platz am Ende des Rezeptes nicht gerecht würde – er verdient einfach den Spitzenplatz und mindestens eine ebenso lange Würdigung wie das Essen. Also: Heute erzähle ich euch zuallererst etwas über diesen besonderen Wein, den Riesling Étape von Winzer Martin Korrell aus dem Weingut Korrel Johanneshof an der Nahe, und erst danach gibt es etwas über das Essen zu lesen, das diesen großartigen Wein begleiten durfte – und zwar hier in meinem Rezept zum Étape Riesling.


Étape Riesling XX: die Quintessenz aus 20. Etappen Weinbau

Étape Korrell steht klein im oberen Teil des durchgängig dunkelblauen Flaschenetikettes, und darunter etwas größer die römische Zahl XX. Étape, also Etappe, Etappenziel, Schritt oder auch Abschnitt, und die Zahl 20, was hat das zu bedeuten? Nicht lange darüber nach gegrübelt, sondern gleich den gefragt, der es wissen muss. Winzerfamilie Korrell hat ihr Weingut in Bosenheim, einem Stadtteil von Bad Kreuznach, und ich wohne nur einen Katzensprung entfernt. Also fahre ich hin und frage Winzer Martin Korrell, was es mit diesem Wein, der ganz neu im Weinsortiment des Korrells ist, auf sich hat. Warum der Name Étape, weshalb steht die Zahl XX auf dem Etikett und wieso stehen auf dem größten Teil des Rückenetiketts die Namen von 20 Restaurants aus allen Regionen Deutschlands, darunter unter anderem das Rosin in Dorsten, das La Vie in Osnabrück, Keilings Restaurant in Bad Bentheim, Bollants in Bad Sobernheim, die Wielandshöhe in Stuttgart oder das Les Deux in München, die mit einem oder sogar mit zwei Michelin-Sternen glänzen dürfen? Fragen über Fragen, auf die mir Martin Korrell an diesem sonnigen Tag auf der kleinen Terrasse vor dem Wohnhaus gerne Auskunft gibt.

Winzer Martin Korrell
Winzer Martin Korrell.


Schnell wird klar: der Name Étape ist für den aus dem Jahrgang 2015 stammenden Wein bestens gewählt, denn er stellt für den 40 Jahre alten Winzer genau das dar, was das Wort beinhaltet: den Endpunkt eines (Lebens)Abschnitts und das Erreichen eines besonderen Etappenziels, aber auch den Beginn einer weiteren Etappe und Schritt in die Zukunft. Wie mir Martin Korrell erzählt, stehen der Name Étape und die Zahl 20 gleich in zweifachen Hinsicht für Wegmarken seiner Winzerbiografie. "20 Jahre jung und gerade erst frisch mit dem Flieger von einem Betriebspraktikum in Australien heimgekehrt, musste ich im heimischen Weingut von heut‘ auf morgen ins kalte Wasser springen." Martin Korrells Vater hatte sich kurz vor Beginn der Weinlese bei einem Unfall einen schweren Bruch zugezogen, war nur bedingt arbeitsfähig und übergab kurzerhand die Verantwortung für die komplette Kellerarbeit an seinen Sohn. Der "schmiss" im Alter von 20 Jahren "zwar mit etwas zitternden Knien, aber letztendlich doch erfolgreich" seinen ersten eigenverantwortlich ausgebauten Weinjahrgang – und seither kamen bis 2015 weitere 19 Jahrgänge hinzu. Macht zusammen 20 Arbeitsjahre als Kellermeister – und auch deshalb trägt der Wein zur Feier dieser erfolgreich zurückgelegten Lebensstrecke als Winzer die römische Zahl XX auf dem Etikett.

"Der Étape soll ein außergewöhnlicher Riesling sein. Das Allerbestmögliche, was in einem Weinjahr zu leisten ist."
Martin Korrell

Auch auf dem Rückenetiketts wird die Zahl XX aufgenommen, denn dort sind namentlich 20 ausgewählte Restaurants aufgeführt "Das sind 20 Restaurants", erläutert Martin Korrell, "die meiner Arbeit als Winzer verbunden sind und denen ich mich umgekehrt verbunden fühle, weil dort die gleichen Maßstäbe an die Arbeit angelegt werden wie bei uns im Weingut: Qualität, Leidenschaft und Innovationsfreude." Zugleich sind die 20 einmal längs durch Deutschland von Nord nach Süd aufgelisteten Restaurant gleichsam selbst Etappenziele, denn bis auf einige wenige Ausnahmen können Weinfreunde den Riesling Étape nur dort trinken. "Vom Étape 2015 gibt es weniger als 1000 Flaschen. Der Großteil geht zu den Gastronomie-Betrieben, die für uns in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu Freunden geworden sind, ab Hof werden wir nur Einzelflaschen verkaufen."

Riesling Étape vom Weingut Korrell
Der Étape XX - Parade-Riesling des Jahrgangs 2015.


Der Riesling Étape ist aber mehr als ein über die Namensgebung und die Etikettengestaltung kommunizierendes Sinnbild für 20 Jahre erfolgreiche Arbeit. Der Wein selbst, der in der Spitzflasche steckt, ist zugleich die trinkbare Verdichtung, die Essenz von 20 Jahren Kellererfahrung. Und mehr noch: er ist ein Schritt in die Zukunft und somit Beginn einer ganz neuen Etappe im Weingut Korrell-Johanneshof. "Dieser besondere Wein zu meinem 20. Jahrgang ist tatsächlich in gewisser Weise ein Meilenstein. Warum? Weil ich von Anfang an beim Étape mein ganzes Wissen und meine Leidenschaft für den Weinbau hinein, aber jedwedes wirtschaftliche Kalkül heraus gelassen habe", erklärt Martin Korrell. Will heißen: Der Étape ist nicht nach Ansprüchen des Marktes und Erfordernissen des Verkaufs gemacht, sondern einzig und allein nach dem Streben nach Qualität – und zwar einem unnachgiebigen. "Der Étape soll das darstellen, was ich mir unter einem großen Riesling vorstelle“, so Martin Korrell, und dies kompromisslos, also buchstäblich koste es, was es wolle. „Keine Mühe haben wir gescheut, kein Aufwand war uns zu groß: Im Weinberg und im Keller wurde ohne Wenn und Aber alles für ein Ziel getan: Dieser Wein soll ein außergewöhnlicher Riesling sein. Das Allerbestmögliche, was in einem Weinjahr zu leisten ist.


Étape: der neue Riesling-Big-Player von der Nahe

Die nackten Tatsachen: Für den Étape wurden penibel nur die allerbesten kleinen und lockerbeerigen Trauben von ausschließlich alten Reben aus hochklassigen Lagen, zuvorderst aus der Korrell‘schen Paradelage Paradies sowie ergänzend aus einigen Spitzenlagen der mittleren Nahe, selektiert, und zwar in den ersten Novembertagen. „Die Rebstöcke sind zum Teil über 50 Jahre alt und gehören zu den ersten, die mein Großvater damals nach dem Krieg pflanzte. Dadurch ist der Ertrag gering, die Konzentration aber enorm hoch“, so Martin Korrell. Nach einer langen Maischestandzeit (über 24 Stunden) wurde der Wein in weingrünen Halbstück-Fässern (5 bis 6 Jahre alt, 600 Liter Fassungsvermögen) ausgebaut und blieb 24 Monate zur Reife im Fass, davon neun Monate auf der Vollhefe. Nach weiteren anderthalb Jahren Reife in der Flasche kommt der Étape 2015 nun im Juni 2018 in den Verkauf, in Kleinstauflage. "Einzelflaschen gibt es hier ab Hof zu 48 Euro die Spitzflasche", so Martin Korrell.

Riesling Étape vom Weingut Korrell
Das Äußere schlicht, das Innere gigantisch gut: Étape Korrell XX.


Der persönliche Eindruck: "G-Max" und "CO", Hubacker und Morstein, Pettenthal und Pechstein, Ungeheuer und Idig, Gräfen- und Schlossberg – zieht euch warm an. Der Riesling Étape 2015 kickt schmeckbar in der Champions League für allerbeste trockene Rieslinge mit. Punkt! Soviel Kraft und Druck gepaart mit Rasse, Eleganz und aromatischer Tiefe ist in dieser konzentrierten und fokussierten Ausprägung selten – ein Ausnahmewein, der nicht für alle Gelegenheiten, aber für die allerbesten prädestiniert ist – auch für viele zukünftige, denn der Wein (13 Vol. Alk., ca. 5,5 g Restzucker und 8,5 g Säure) wird mit Sicherheit noch etliche Jahre hervorragend in der Flasche reifen.

Direkt nach dem Aufziehen der Flasche zeigt der Étape XX sein steiniges Herz, rauchige und erdige Noten drängen aus dem Glas, zunächst schüchtern lugen ein wenig Akazienhonig und Pfirsicharomen um die Ecke. Nach längerer Belüftungszeit (2. Verkostungstag) bauen sich im Glas die zunächst zarten Fruchtaromen deutlicher auf, der Wein duftet nach Pomelo und Grapefruit, feine Kräuternoten steigen in die Nase. Am Gaumen legt der Étape vom ersten Moment an ein bemerkenswerten Auftritt hin, er zeigt Kraft und Konzentration ohne jedwede Schwere. Zug um Zug entblättert er seine aromatische Komplexität, Pfirsich und Mandarine blitzen auf, dass rosa Grapefruit, Kafirblätter, eine rauchige Herbe und eine Spur rosa Pfeffer. Im Nachhall erhöhen die Säure und Zitrusnoten nochmals das Tempo und lassen von Kalk durchzogene Steinwacken von links nach rechts über die Zunge kollen. Besonders bemerkenswert am Étape: Die vibrierende Säure der mineralische Druck des Rieslings setzt den Wein vom ersten Schluck an gnadenlos unter Spannung und kleiden ihn ungeachtet seiner inneren Dichte und Konzentration in ein Kleid von Leichtigkeit. Will heißen: der Étape hat Wums, ohne Frage, aber er gleitet dessen völlig ungeachtet sondern leicht, mit großer Eleganz und leichtem Fluss über die Zunge. Das nenne ich groß. Also: Probieren und staunen!
Mit dem Étape 2015 betritt ein weiterer Riesling-Big-Player von der Nahe die Bildfläche – und dies soll nicht der letzte Jahrgang dieses Ausnahmeweines gewesen sein. Der 2016er liegt bereits im Keller, und auch für die Folgejahrgänge hat Martin Korrell ein Ziel fest im Auge. „Der Étape bleibt keine einmalige Etappe, sondern wir planen eine mehrjährige Tour mit vielen Abschnitten“. Da stelle ich mich doch gerne an den Straßenrand, schwenke beherzt mein Rieslingfähnchen und feuere die Akteure der Tour lautstark an!


Weingut Korrell Johanneshof an der Nahe

 

Service & Bezugsquellen

So, nun fragst Du Dich, was man zu so einem großartigen Riesling kochen kann?
Meine Antwort lautet: Fast alles - aber besonders das hier:
 Salat mit Roter Bete, Avocado, Babyspinat, pochiertem Ei, Kirschtomaten und Rumpsteak von der Färse. Einfach grandios - probier's mal aus!

Einzelflaschen des Étape Korrell Riesling 2015 gibt es im Weingut Korrell Johanneshof.
Der stark limitierte Wein wird zudem in folgenden 20 Restaurant ausgeschenkt:

  • Hotel Stadt Hamburg - Sylt
  • Landhaus Strickler - Sylt
  • Hotel Gran Belveder - Scharbeutz
  • Keilings - Bad Bentheim
  • La Vie - Osnabrück
  • Rosin - Dorsten
  • Hohoffs 800° - Hagen
  • Breidenbacher Hof - Düsseldorf
  • Die Sonne - Frankenberg
  • Zur Post Odenthal
  • Excelsior Hotel Ernst - Köln
  • Romantik Hotel Goldene Traube - Coburg
  • Das Bollants - Bad Sobernheim
  • Burg Wernberg - Wernberg
  • Europäischer Hof - Heidelberg
  • Christophorus im Porsche Museum - Stuttgart
  • Wielandshöhe - Stuttgart
  • Les Deux - München
  • Mandarin Oriental - München
  • Grapes Weinbar - München 

Winzerfamilie Korrell
Winzerfamilie Korrell.

Flaschenfotos vom Étape: Moderne Topfologie


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