Entdeckerweine für Weinentdecker – Riesling, Grauburgunder und Rivaner aus dem Weingut Forster

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Weingut Forster an der Nahe


25|05|2018   Jahrgangsprobe bei den „Fantastic Forsters“ an der Nahe – die Neuen sind da! Vor einigen Tagen gab es im Bioweingut Forster in Rümmelsheim / Burg Layen neue Weine des Jahrgangs 2017 sowie weitere gereiftere Gewächse zu probieren – und einige davon möchte ich Weinfreunden hier als besonderen Wein-Tipp ans Herz legen, so die famosen „Entdeckerweine“, einen äußerst eleganten Lagenriesling, den beeindruckenden Grauburgunder Réserve und einen Rivaner, der richtig, richtig gut schmeckt und das angestaubte Image dieser Rebsorte mit einem Schluck vergessen lässt.


Schon probiert? Erden- und Entdeckerweine aus dem Weingut Forster


Wer ab und an hier in den Food & Wine Blog reinschaut, der hat bestimmt schon das ein ums andere Mal einen Beitrag über das Bioweingut Forster gelesen – und wen wundert’s: Was Georg und Margit Forster zusammen mit ihrem Sohn Johannes in die Flasche bringen, hat durchweg Hand und Fuß. Ich selbst bin ein „Spätentdecker“, denn erst 2016 habe ich das in Rümmelsheim an der unteren Nahe beheimatete Weingut, dessen Weinbaugeschichte bis ins Jahr 1938 zurückgeht, für mich entdeckt – dann aber sofort mit Begeisterung. Warum? Die Forsters, die bereits seit fast einem Viertel Jahrhundert ihr Weingut ökologisch bewirtschaften und die ihre aktuell rund 20 Hektar Rebfläche in Rümmelsheim, Burg Layen, Dorsheim und Laubenheim nach den strengen Vorgaben des ECOVIN-Verband pflegen, haben ein exzellentes Gespür dafür entwickelt, mit den Werkzeugen des ökologische Weinbaus Weine zu erzeugen, die ihre Herkunft und den „Geschmack des Bodens“ bestens zum Klingen bringen.

Winzer Georg Forster
Ein Herzensguter: Winzer Georg Forster.


Beispiel Nummer eins dafür ist der Riesling vom roten Schiefer. Zusammen mit dem Riesling vom Kies gehört der „Vom roten Schiefer“ zu den Erdenweinen der Forsters, die ihr Sortiment in die aufsteigenden Kategorien Naheweine, Erdenweine und Lagenweine einteilt haben. Mit ihren weißen und roten Erdenweine möchte Winzerfamilie Forster die unterschiedlichen Weinbergsböden „in die Flasche holen“ - und das gelingt mit dem Riesling-Duo "Vom Kies" und "Vom roten Schiefer" in beeindruckender Manier.

Riesling vom Weingut Forster an der Nahe
Beständige Duellanten: Die Erdenweine vom Kies und vom roten Schiefer . . .


Beide Rieslinge haben in der Vergangenheit beim Wettbewerb „Internationaler Bioweinpreis“ bereits die Auszeichnung „Großes Gold“ abgeräumt, und beide liefern sich Jahrgang für Jahrgang ein extrem enges Rennen um die Spitzenposition auf meiner Zunge – so auch bei der aktuellen Probe. Kies vor roter Schiefer, nein, stopp, doch Schiefer vor Kies . . . obwohl, wenn ich genau hin schmecke, der Kies hat schon was . . . hmmm? So ging’s auch diesem Mal zwischen den beiden Erdenweinen des Jahrgangs 2016 hin und her – und dann hab‘ ich mich doch festgelegt. Ich küre mit dem minimalen Vorsprung von einem Pluszeichen hinter der Parkerpunkte-Bewertung (92+) den Riesling vom roten Schiefer zum Sieger vor dem Riesling vom Kies (92 Punkte). Warum? Ich steh‘ auf rassigen Riesling – und Rasse bietet dieser Wein einen Tick mehr als der ebenfalls großartige, aber etwas geschmeidigere Riesling vom Kies

Riesling vom Weingut Forster an der Nahe
. . . und mein Sieger des Jahrgangs 2016, der Riesling vom roten Schiefer. Aber nur knapp!


Der „Vom roten Schiefer“ 2016 ist von einer vibrierenden Intensität getragen, zeigt viel Zug und hat eine schwerelosen Eleganz inne. In der Nase zeigen sich Zitrusnoten, der Duft von weißen Blüten und eine Spur Feuerstein, am Gaumen erklingen neben den prägenden frischen Zitrusnoten auch Marille, roter Weinbergspfirsich und etwas Melisse. Im Nachhall, in dem sich auch würzige Noten und eine Spur Pfeffer hervor schälen, wird der Wein von einer vibrierenden Säure weit getragen. Ein ebenso fokussierter wie rassiger Riesling (7,1 g Restzucker, 8,7 g Säure, 12 Vol.% Alkohol), der – was kaum zu glauben ist – für schlanke 9 Euro die Flasche über die Ladentheke geht. Wow!

Vinothek vom Weingut Forster an der Nahe
Margit Forster (rechtes Foto links) weiß, was Weinkunden wünschen.


Bergsteiger, Wüstenwanderer, Seefahrer und Himmelsstürmer


Beispiel Nummer zwei: die sogenannten Entdeckerweine der Forsters. Mit dem Jahrgang 2016 erstmals aufgelegt, besetzen die vier Weine namens Seefahrer, Bergsteiger, Wüstenwanderer (alles Rieslinge) und der Himmelsstürmer (ein Spätburgunder Blanc De Noir) zum einen das Feld zwischen den Erden- und Lagenweinen. Zum anderen dokumentieren speziell die drei Rieslinge auf bemerkenswerte Weise das besondere Fingerspitzengefühl der Winzerfamilie für das Herauskitzeln von Terroir-Unterschieden.

Inspiriert vom (nicht verwandten) Namensvetter Georg Forster, der als Weltentdecker und Humanist in die Geschichte einging und zeitweise in Mainz lebte, machten sich Georg Forster und sein Sohn nach der Lese 2016 daran, eine ganz besondere Entdeckertour für Weingenießer zu vinifizieren - die trocken ausgebauten Entdeckerweine, getauft auf die Namen Seefahrer, Bergsteiger, Wüstenwanderer und Himmelsstürmer. „Die Namen deuten auf die geologische Prägung und Geschichte des jeweiligen Standortes hin", erläutert Georg Forster.

Entdeckerweine vom Weingut Forster an der Nahe
Echte Weintypen suchen Abenteuer: Vier "Entdeckerweine" in der Kiste.


Die Idee dahinter: Mit den Entdeckerweinen werden Weinfreunde auf eine besondere Terroir-Reise geschickt und so selbst zu Entdeckern von „unbekannten Landen“ gemacht. Ausgangspunkt und zugleich Ziel der Reise: Die Trauben für die drei Entdecker-Rieslinge wuchsen zwar auf einem von der Gesteinszusammensetzung vergleichbaren, speziell vom Kies geprägten Boden, aber in drei unterschiedlichen Lagen. Wer also die drei Entdecker-Rieslinge nacheinander probiert, hat die spannende Gelegenheit, einen Weinbergsboden in drei unterschiedlichen, von der Lage und dessen Interpretation im Keller bestimmten Ausprägungen zu entdecken. Eine tolle Idee, die den Forsters erst vor kurzem die Teilnahme am Weinwettbewerb „Deutschlands coolste Weine“, initiiert vom Deutschen Weininstitut, einbrachte.

Und welcher Riesling ist mein Favorit bei den Entdeckerweinen (je 12,50 Euro) des Jahrgangs 2016: Bergsteiger, Wüstenwanderer oder Seefahrer? Deutlich schmeckbar ist der Unterschied der drei Weine. Der Bergsteiger aus der Lage Laubenheimer Vogelsang ist filigran und saftig, getragen von einer feinfruchtigen Pfirsichnote, einen zarten Anstrich von Aprikose und grünem Tee, viel Limette und einer vitalen Säure. Ein sehr feingliedriger, filigraner Riesling (1,8 g Restzucker, 7,6 g Säure).

Vinothek vom Weingut Forster an der Nahe
Und mein Favorit bei den "Entdeckerweinen 2016" ist . . .


Der Wüstenwanderer (Lage Dorsheimer Trollberg-Nixenberg) drängt mit deutlich mehr Druck aus dem Glas, sein Spontanvergärungsduft steigt kraftvoll in die Nasenflügel. Am Gaumen zeigt der Wein ein hohe Dichte, die von einer kräftigen Säure (8,6 g bei 3,5 g Restzucker) durchdrungen ist und dem Riesling neben der wuchtigen Masse auch extrem viel Rasse mitgeben. Die fruchtigen Noten (Pfirsich, Limette, getrocknete Aprikose) umspielen einen festen, mineralischen Kern, der dafür spricht, dass dieser Entdeckerwein die Kraft für eine lange „Wüstenwanderschaft“ hat.

Der Seefahrer aus der Lage Dorsheimer Trollberg ist deutlich schmeckbar der „weicheste“ der drei Entdecker-Rieslinge. Sein schmelziger, nach Pfirsich, Birne, gelber Melone und Mandelblüte duftender Körper wird von einer ausgeprägten Frucht und einer (im Vergleich zu den beiden anderen Weinen) deutlicheren Süße (8,4 g Restzucker, 6,4 g Säure) durchdrungen. Mein persönliches Voting: 93 Parkerpunkte für den Wüstenwanderer, 91 für den Bergsteiger und 89 für den Seefahrer.

Komplettiert wird die Riege der Entdeckerweine durch den Himmelsstürmer einem Spätburgunder Blanc De Noir aus der Lage Burg Layer Hölle, dessen duftige Frucht (Walderdbeere, Brombeere, ein Hauch Limone und Zitronenmelisse) von einer saftigen Säure durchschnitten und durch einen straffen Körper gebündelt wird. Ein anspruchsvoller hell gekelteter Spätburgunder (12,50 Euro), der zugleich betörend und zupackend ist – für mich 90 Parker-Punkte wert.

Übrigens: Die vier Entdeckerweine gibt es auch gebündelt und in einer hübschen Holzkiste verpackt als „Entdecker-Kiste“ (4 Weine, 55 Euro) - eine von der Optik und vom Inhalt her schöne Möglichkeit, mit diesen besonderen Forster-Weinen auf Weinentdeckerreise zu gehen. 


Klassische Schönheit aus dem Schlossberg

Ein Wein, den ich bereits im Vorjahr probiert hatte, der sich damals aber gar nicht länger auf meinem Beobachtungsschirm verankerte, ist der Foster‘sche Lagenriesling Schlossberg 2016 trocken (15 Euro). Vielleicht eine Unachtsamkeit, mit Sicherheit aber ein deutliches Zeichen dafür, das bester Riesling Zeit braucht, um sich zur vollen Größe und Schönheit zu entwickeln - und schön ist dieser Wein aus diesem Schlossberg, wo die Reben in rotem, stark verwitterten Schiefer wurzeln.

Riesling Schlossberg vom Weingut Forster an der Nahe


Der Wein hat sich im zurückliegenden Jahr zu einer nahezu idealtypischen Riesling von klassischer Struktur entwickelt. Hier ist nichts laut und brüllt nach Aufmerksamkeit, sondern alles ausgewogen, balanciert und wohlproportioniert. Elegant, schlank und rank schreitet diese Riesling-Schönheit aufs Parkett und eröffnet mit sanften, gleichwohl von trainierten Muskeln kontrollierten Bewegungen einen Tanz, der betörende Düfte von Mandarine und Orange, Limone, Litschi und Kräuterwürze ebenso im Raum verwirbelt wie den klaren, erfrischenden Hauch eines dahinplätschernden Gebirgsbaches. Dieser Wein ist Riesling-Understatement pur – ich bin beeindruckt und übergebe widerstandslos 93+ Parker-Punkte.


Und dann hat‘s Zoom gemacht: Grauburgunder Réserve 2016

Ich und deutsche Weißweine aus dem Barrique – wir werden mein Lebtag keine Freunde mehr. Obwohl – eine Ausnahme gibt‘s – gab‘s – denn nun sind‘s zwei. Ausnahme bisher: Der Sauvignon blanc fumé von Gesine Roll aus dem rheinhessischen Weingut Weedenborn – groß! Neue Ausnahme: der Grauburgunder Réserve trocken Jahrgang 2016 aus dem Weingut Forster. Groß!

Grauburgunder vom Weingut Forster an der Nahe


Zu vordergründig und penetrant, zu hintergründig und verschämt – fast wie ein Fehlton um die Ecke schleichend, zu herb und kratzig, zu gerbig, zu bissig, zu parfümiert, zu schwülstig, zu vanillig, zu holzig, zu rauchig, zu speckig und, und, und . . . beim Ausbau von Weißweinen im Barrique kann viel schief laufen, sehr viel. Das gebetsmühlenartig wiederholte Mantra für den Weißwein-Ausbau im Barrique lautet: Lass‘ den Geschmack des Barrique bloß nicht zu intensiv hervorstechen – das überdeckt, das tötet die Finesse des Weines. Ich halte dem mal ein „Ja, aber . . .“ entgegen. Denn ebenso wie der Weedenborn‘sche Sauvignon blanc hält sich der Forster‘sche Grauburgunder Réserve an diese Regel – und durchbricht sie zugleich. Der Bruch: Die Barrique-Note ist intensiv, sehr intensiv. Sie versteckt sich keine Millisekunde, sie springt sofort und vehement aus dem Glas und belegt sofort beim ersten Schluck den ganzen Mundraum. Kardinalfehler schon gemacht? Nein, denn erstens: Dieses Holz schmeckt einfach, und zwar richtig gut! Es ist extrem kraftvoll, ohne Frage, aber weder kratzig-herb noch vanillig-schwülstig, sondern auf ungemein betörende Art samtig, schmelzig und schmackhaft. Und zweitens: Dieser Schmelz umspült die Finesse des Weines, tilgt sie aber nicht! Der ganze goldschimmernde Schmelz umspült einen fest im Inneren des mächtigen Weines liegenden kühlen Frucht- und Salzleckstein, der aus Zitruszesten und Lorbeerblättern, aus Mandarine, feinherben Kräutern und Salzkaramell gebildet wird. So lasse ich mir Weißwein aus dem Barrique schmecken – das ist vom Holzeinsatz her brutal konsequent, aber ausgesprochen gekonnt. Ich bin begeistert und vergebe für den Grauburgunder Réserve 2015 (3,8 g Restzucker, 6,2 g Säure, 14,5 Vol. Alk., 15 Euro die Flasche) 95 Punkte – und das mit Luft nach oben für die nächsten Jahre der Flaschenreife.


Rivaner, echt jetzt? Aber ja doch, den von Forsters!

Der mittlere und obere Teil des Weinsortimentes aus dem Hause Forster ist mit den genannten Weinen schon gut ausgeleuchtet, doch auch der untere hat Schmackhaftes, ja, sogar höchst Überraschendes zu bieten. Dass ich ein großer Fan des Weißburgunder trocken (7 Euro) bin, habe ich an anderer Stelle hier im Blog schon ausgeführt, und auch den Jahrgang 2017 dieses Weines kann ich nur nachdrücklich empfehlen. Echt gecatcht hat mich bei der jüngsten Jahrgangsprobe aber ein Wein, der noch vor dem Weißburgunder ganz am preislichen Anfang des Weinangebotes der Forsters steht: der 2017er Rivaner trocken für 6 Euro.

Rivaner vom Weingut Forster an der Nahe


Du denkst jetzt: „Ey, Alter, Rivaner, also Müller-Thurgau? Echt jetzt? Was willste mir denn da verkaufen, diese angestaubte Rebsorte hat doch wohl echt nix zu bieten?“ Und ich antworte: „Pustekuchen!“ Ja, Rivaner ist kein Riesling und wird es nie werden. Aber wenn Müller-Thurgau so schmeckt, wie der Forster‘sche von 2017, dann her damit. Der schmeckt, und zwar überraschend gut und überraschend modern! Vom Staub alter Tage ist hier nichts zu entdecken. Bereits mit seinen sehr angenehmen, fruchtig-frischen Duft, der von Aprikose und Mango durchdrungen ist, sammelt der Wein Pluspunkte. Das setzt sich am Gaumen fort. Keine Säuregranate wie ein Riesling, aber sehr feinfruchtig, sehr saftig und klar mit einem tollen Trinkfluss, der durch eine feine kräutrige Würze zusätzlich animiert wird. Na also, Müller-Thurgau (Rivaner) geht auch in geil! Gut so, Winzerfamilie Forster!


Weingut Forster an der Nahe

 

Service & Bezugsquellen

Du möchtest die Weine von Winzerfamilie Forster kennen lernen? Die Weine gibt es direkt im Weingut Forster in Rümmelsheim an der Nahe oder über den Online-Handel zum Beispiel hier*.

Über Weine des Jahrgangs 2015 aus dem Weingut Forster berichte ich in meinem Blog-Artikel The Fantastic Forsters: Vier formidable Weine vom Jahrgang 2015.

Winzerfamilie Forster
Lieben die Natur und ihre Weinberge (v. l.): Georg, Johannes und Margit Forster.

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Fotos: Moderne Topfologie


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